Freiamt
Freiämter Biker: «Reto hat fast einen Elch überfahren»

Rund drei Wochen lang waren drei Mountainbiker aus Dem Freiamt in Kanada an der Tour Divide unterwegs - und haben das längste und wohl härteste Mountainbike- Rennen der Welt erfolgreich gemeistert.

Birgit Steinger-Sörensen
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Sämi Burkart, Markus Meier und Reto Koller fuhren gemeinsam durch die kanadische Wildnis. zvg

Sämi Burkart, Markus Meier und Reto Koller fuhren gemeinsam durch die kanadische Wildnis. zvg

Am 10. Juni starteten Sämi Burkart, Markus Meier und Reto Koller inKanada zur Tour Divide. Über 4300 Kilometer galt es zu bewältigen und 44000 Höhenmeter zu überwinden, dies alles ohne Betreuung. Die drei Freiämter haben damit das längste und wohl härteste Mountainbike- Rennen der Welt erfolgreich gemeistert und sind mit vielen Erinnerungen im Gepäck zurückgekommen.

Für viele Menschen um die Fünfzig bedeutet Urlaub, dass man es sich richtig gut gehen lässt. In der schönsten Zeit des Jahres will man ausspannen und sich verwöhnen lassen. Die drei Biker, die sich seit vielen Jahren kennen und gemeinsam bei den Montagsbikern in Fischbach-Göslikon dabei sind, haben jedoch ganz andere Vorstellungen von perfekten Ferien. Sie wollen sich bewegen und das fernab des Tourismus. Einswerden mit der Natur, mit allen Sinnen das Land erleben und kennen lernen.

Der Reiz des Ungewissen

Die drei Freiämter sind zuvor schon Nonstop-Rennen bis 700 Kilometer gefahren. Doch der Drang war da, sich an einem längeren Rennen zu bestätigen. So stiessen sie auf die Tour Divide. Besonders gereizt an dieser Tour hat sie, dass jede Hilfe von aussen verboten war und dass sie auf sich selbst gestellt waren. Vorgegeben waren 25 Tage für diese Strecke von 4300 Kilometern, wer länger benötigte, dessen Ergebnis wurde nicht gewertet. 89 Fahrerinnen und Fahrer stellten sich dieser Herausforderung. Zur Verfügung standen ihnen Kartenmaterial und ein Satelliten-Positionsgerät. So sah die Jury laufend, ob sich die Fahrer an die vorgeschriebene Route hielten.

Auf den Karten konnten sie sehen, wo sich Verpflegungsorte befanden, doch welche Strecken und Schwierigkeiten vor ihnen lagen, das wussten sie nie. Oft planten sie in einem Restaurant einzukehren, doch wenn sie dieses dann erreichten, war bereits nach 22 Uhr und die Küche geschlossen. Also wurde wieder ein Sandwich oder etwas Süsses am Tankstellenshop gekauft. Wenn möglich, schliefen sie ein paar Stunden in einer
Unterkunft, aber auch unter freiem Himmel, so wie es sich gerade ergab.

Die ersten 10 Tage fuhren die drei Freiämter in einer Gruppe, zusammen mit ihrem italienischen Freund Marco Costa. Doch der Rhythmus der vier Männer passte nicht zusammen. Markus Meier fühlte sich nicht mehr wohl in der Gruppe und löste sich deshalb von ihr, um in seinem eigenen Tempo weiterzufahren.

Die drei Freiämter erlebten dabei eine eindrückliche Natur: «Wir fuhren durch die Gegend, in denen Filme gedreht wurden. Ich erkannte die Schauplätze von Bonanza», erzählt Sämi Burkart. «Ich genoss besonders die Sonnenaufgänge», schwärmt Markus Meier. «Die Weite war faszinierend», blickt Reto Koller zurück.

Einmal fuhren sie rund 200 Kilometer durch die Steppe, keine Häuser waren zu sehen. Einen ganzen Tag lange fuhren sie über eine Weide und mussten sich durch Kühe und Bullen kämpfen. Sie begegneten auch Berglöwen, Hirschen, Kolibris, Klapperschlangen und Elchen. «Reto überfuhr beinahe einen Elch», lacht Sämi. Lustig war auch die Durchfahrt durch Atlantic City. Der Name klang vielversprechend und die Männer waren gespannt, was sie dort erleben würden. Doch dieser Ort bestand nur aus einer Mine, einem Saloon und einigen Hütten. Immerhin bekamen sie dort eine richtige Mahlzeit.

«Gesäss nach wenigen Tagen blau»

Sie lernten die Natur so kennen, wie sie bei uns nicht anzutreffen ist. Schlammige Wege, Schneeregen und starker Gegenwind erschwerten ihr Vorwärtskommen. Trotz der schwierigen Bedingungen fuhren sie im Schnitt 14 Stunden täglich, mit drei Pausen à je 15 Minuten.

«Klar hat das Gesäss geschmerzt, das war nach wenigen Tagen blau und man fuhr keine Minute ohne dies zu spüren», sagt Burkart. Ein paar Stürze gab es auch. Reto Koller zog sich eine tiefe Wunde am Arm zu, die seine Freunde fachmännisch versorgten. Unspektakulär war indes die Zieleinfahrt. «Man erreichte einfach die Grenze, bei Antelope Wells, das war’s», erzählt Markus Meier.

Einen Preis zu gewinnen gab es nicht. Belohnung ist einzig das Wissen über das eigene Durchhaltevermögen. Dennoch bleibt die Frage: Wieso tut man sich solche Strapazen noch an mit fünfzig Jahren? Weshalb quält man sich drei Wochen lang und verbraucht nebenbei dafür den gesamten Jahresurlaub?

Schneller als der Toursieger

Markus Meiers Motivation: «Ich konnte hier Abenteuer und Ferien zugleich erleben. Zudem war ich nun zum ersten Mal in Amerika und das fernab vom Kommerz.»

Reto Koller: «Normale Ferien erleben können alle. Man fliegt auf die Malediven, nach ein paar Wochen hat man dies wieder vergessen. Die Tour Divide war ein unvergessliches und einmaliges Erlebnis.»

Sämi Burkart: «Ich wollte schon immer eine so grosse Reise machen, und als Rennen empfinde ich sie als noch spannender. Für mich bedeutet die Zeit im Sattel eine spezielle Form der Erholung.»

Auch wenn die Männer es nicht zugeben wollen, eine grosse Portion Ehrgeiz war auch dabei. So fand Sämi Burkart heraus, dass sie schneller gefahren sind als der Toursieger. Nur hat dieser weniger geruht als sie und so Zeit gewonnen. Die Klassierungen der Freiämter: Sämi Burkart und Reto Koller: Platz 7, in 19 Tagen und 6 Stunden. Markus Meier: Platz 14, in 21 Tagen und 4 Stunden.

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