Die Freiämter Strohindustrie in einem Roman – das gab es bis heute nicht. Der Journalist Stephan Frey aus Olten füllt die Lücke mit seinem Roman «Strohgold – Aufstieg und Fall im Second Empire» aus. «Die ersten Leserstimmen tönen aufmunternd», sagt Frey.

Stephan Frey lebt, wenn er sich nicht in seinem zweiten Wohnsitz Madagaskar aufhält, in Olten. Also in einer Gegend, woher bedeutende Schriftsteller kommen: Nicht allein Alex Capus, den Frey von Kindsbeinen kennt, sondern auch Franz Hohler und – um den Kreis um Olten etwas weiter zu fassen – Peter Bichsel und der früh verstorbene Otto F. Walter. Das geistige Klima ist offenbar anregend. «Den Roman ‹Strohgold› habe ich allerdings in Madagaskar geschrieben», räumt Frey ein.

Historisches Material verarbeitet

Nach hinreichenden Recherchen im Strohmuseum in Wohlen, Gesprächen mit Fachleuten und dem Studium der einschlägigen Fachliteratur fand Frey sein Thema: Eine Bauerntochter aus Bünzen, deren Familie Heimarbeiter in der Strohindustrie ist, reist mit bangem Herzen nach Paris, um als Au-pair-Mädchen zu arbeiten. Hier verliebt sie sich in einen Mann, der es später zum Obersten der Kaisergarde bringt.

Zwei Gegensätze, das arme Freiamt damals zur Blüte der Strohindustrie und weit weg Paris mit seiner Prunkentfaltung: Das ist nicht der Fantasie Freys entsprungen. Das war Realität und zugleich für die Strohfabrikanten eine Chance, ihre Produkte in einer Weltstadt zu präsentieren – dank der aufopfernden Arbeit vieler Angestellter und dem Geschäftssinn der Fabrikanten.

Figuren frei erfunden

«Ich habe ein Jahr lang jeden Morgen am Roman gearbeitet», sagt der Autor. Dafür brauche es eine grosse Disziplin. Waren die frei erfundenen Figuren einmal gefunden, hätten ihm diese die Handlung vorgegeben. Der Roman spielt in einer weltpolitisch dramatischen Zeit. Er beginnt 1855, vor der Weltausstellung in Paris, an der auch die Wohler Strohfabrikanten teilgenommen haben, und endet nach dem verheerenden Deutsch-Französischen Krieg bei der Internierung der Bourbaki-Armee 1871 in der Schweiz. Das Motto für das Buch lieferte Karl Marx höchst persönlich: «Hegel bemerkt irgendwo, dass alle weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen hinzuzufügen: das eine Mal als grosse Tragödie, das andre Mal als lumpige Farce.»

Seinen Roman, der im Buchhandel als Book on demand erhältlich ist, wird Stephan Frey übrigens in diesem Jahr an einer Buchvernissage im Strohmuseum in Wohlen vorstellen können. «Das hat mir die Museumsleitung zugesagt. Der Termin wird noch festgelegt», teilt Frey mit.