Einige kommen schon seit Jahren aus dem tiefen Wald, um die Freiämter Kinder zu besuchen, andere werden es in diesem Winter das erste Mal tun. Gemeinsam ist diesen Samichläusen, dass sie in Muri die Schulbank drückten. 58 jüngere und ältere Männer besuchen den erstmals durchgeführten Ausbildungstag der St. Niklausgruppe Kolping Muri.

Kein Wald- und Wiesenklaus

Es ist nicht einfach, Samichlaus zu sein. «Wir kommen nicht als lärmende Wald- und Wiesenkläuse in die Familie», stellte Josef Frey, ein Chlaus mit langer Erfahrung, klar. Vielmehr ist der Samichlaus mit prunkvollem Ornat, mit der Mitra, seinem Bischofshut, und dem Stab eine würdevolle Erscheinung. Aber auch die Schmutzli haben gewissen Minimalstandards zu genügen. Und: «Er ist kein Angstmacher, er hat nicht nur eine Statistenrolle, sondern soll nach Möglichkeit ins Gespräch einbezogen werden.»

Gerade diese Gespräche in den Familien sind sehr anspruchsvoll, wie sich im Laufe des Ausbildungstages zeigt. «Manchmal sind die «Familienverhältnisse etwas verschoben», sagt der Lehrer-Chlaus und sorgt damit für Gelächter. Es ist peinlich, wenn der Samichlaus beispielsweise zum gegenwärtigen Lebensabschnittspartner der Mutter Papi sagt. Oder es ist zunehmend schwierig, sich die Namen der Kinder zu merken. «Leider heissen sie heute nicht mehr alle Vreneli, Josef oder so», stellt Josef Frey fest.

Dabei ist es ganz wichtig, die Namen richtig zu wissen und sie auch richtig zuzuordnen. Man merkt: Samichlaus sein erfordert viel Konzentration. Und den bewussten Umgang mit der Sprache: «Man hat schnell einen verdammten Seich erzählt», bringt es Frey auf den Punkt und sorgt wieder für Gelächter. Die Samichlaus-Ausbildung wird hier zwar ernsthaft betrieben, aber trotzdem in einer lockeren, kollegialen Atmosphäre.

Braucht es noch eine Rute?

War früher der Schmutzli oft ein kettenrasselnder, knurrender Angsteinflösser, ist er heute der treue Begleiter und Gehilfe des Samichlaus. Aber oft hat er auch eine Rute dabei. «Das ist heute eine symbolische Erinnerung an den Besuch des Samichlaus», sagt Frey. «Mit ihr sollen die Kinder nicht ausgeschmiert, mit ihr soll nicht dreingeschlagen werden», unterstreicht Frey. Oft wünschen die Eltern auch, dass die Rute draussen bleibt. Solche Wünsche berücksichtigt der Samichlaus selbstverständlich.

Schliesslich stellt Frey fest, dass gewisse Probleme, die von den Eltern auf den Spickzettel notiert wurden, besser weggelassen werden. «Bettnässen beispielsweise sollten wir einfach auf der Seite lassen, dieses Problem kann der Samichlaus nicht lösen helfen.» Es zeigt sich, dass der brave Mann im roten Gewand viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl entwickeln muss. «In ein paar Minuten können wir Kinder nicht anders erziehen, aber wir können ihnen ein gutes Erlebnis verschaffen», fasst Frey die Aufgabe des Samichlaus zusammen.

Praktische Tipps

Am ersten Ausbildungstag in Muri gab es aber auch ein paar ganz praktische Tipps: «Es ist von Vorteil, beim Besuch in der Familie den Schmutzli nicht gleich vor das brennende Cheminéefeuer zu stellen», führt Frey aus, «der schwitzt nämlich in seiner schwarzen Kluft auch so genug.» Vor dem Auftritt soll Raucheratem neutralisiert werden, «aber nicht mit Alkohol», mahnt der Schulmeister der Samichläuse. Überhaupt: «Vor einem Auftritt in den Familien gibt es keinen Alkoholgenuss.»

Wichtig ist auch, das Auto weit genug vom Besuchshaus abzustellen, denn schliesslich kommt der Samichlaus zu Fuss aus dem tiefen Wald. «Und nach dem Familienbesuch nicht gleich davonspringen oder noch vor der Haustür eine Zigarette anzünden. Das gehört sich für einen Samichlaus nicht, und die Kinder schauen garantiert noch hinter dem Vorhang zu, wie sich der Samichlaus entfernt.» Samichlaus sein, das wird klar, erfordert Disziplin, das Einhalten eines genauen Zeitplanes, denn sonst wird für die Kinder das Warten unerträglich. Klar muss auch sein, dass der Samichlaus keine Fasnachtsfigur ist. «Wenn wir das Samichlaus-Gewand anziehen, dann sind wir der Samichlaus», stellt Frey klar.

Grundausbildung bieten

«Wir wollen eine Grundausbildung bieten», sagt Philipp Staubli von Kolping Muri. Dank viel Fronarbeit kostet die Teilnahme nur gerade 20 Franken, Abendessen und ein Ordner mit den wichtigsten Anweisungen inklusive. Wenn die Rückmeldungen positiv sind, will Kolping Muri die Ausbildung auch in Zukunft anbieten, jährlich oder in regelmässigen Abständen.