Er ist Besitzer von über 100 Schreibmaschinen, und alle schreiben: Der Murianer Chef der Regionalpolizei, Erich Holliger, sammelt mit Leidenschaft, aber ohne Verbissenheit.

Mit den gleichen Eigenschaften restauriert er die Maschinen. «Wenn das Ergebnis nicht in einem vernünftigen Verhältnis zum Aufwand steht, mache ich lieber aus zwei schlechten Schreibmaschinen eine gute.» Oder gestaltete aus Teilen von ihnen spannende Skulpturen.

Seine Freude an mechanischen Schreibmaschinen kommt nicht von ungefähr. Holliger ist gelernter Büromaschinenmechaniker. Aber der heute 61-Jährige erkannte rasch, dass sein Beruf mit der Elektrifizierung der Geräte keine grosse Zukunft hatte. Also trat er in die Polizeischule ein und machte als Polizist Karriere. Sein ursprünglicher Beruf wurde sozusagen zum Hobby. Die schönsten und seltensten Schreibmaschinen sowie eine Anzahl seiner Skulpturen bewahrt er in seinem Haus in Uezwil auf, in der Garage hat er sich eine kleine Werkstatt mit Drehbank und Schweissanlage eingerichtet, im Keller hortet er Ersatzteile und Schreibmaschinen, ebenso in zwei externen Depots.

«Meiner Frau wär es vielleicht lieber, ich würde Briefmarken sammeln», lacht er. Manchmal arbeitet er stundenlang an einer Maschine, um sie wieder in Gang zu bringen. Manchmal rührt er sie monatelang nicht an, weil er anderes zu tun hat. «Ich gehe meinem Hobby nach Lust und Laune nach.»

Je rarer, je besser

Wenn unsereiner von einer alten Schreibmaschine redet, meint er eine Hermes oder eine Adler, wie sie vor den elektrischen Maschinen in allen Büros standen. Erich Holliger hat seltenere, viel seltenere in seinem Besitz. Die heissen Bar-Let oder Liliput, Sholes & Glidden (später Remington), Mignon oder Hammond. Sie haben Gross- und Kleinbuchstaben getrennt oder verschiebbare Schriftwalzen, sie heben den Wagen oder den Korb, sie können Plakat- oder sogar Schnürlischrift, schreiben das Papier von unten, von der Seite oder von oben an. «Es gab erstaunlich viele Systeme, das fasziniert mich bis heute», macht der Sammler deutlich.

Anhand der Rahmennummern kann man das Herstellungsjahr feststellen, Maschinen mit dem vermeintlich modernen @-Zeichen auf der Tastatur können auch alt sein, stammen dann aber aus Amerika. Die älteste Schreibmaschine im Besitz Holligers ist eine Liliput von 1880. Er zeigt auch gerne zwei Blindenschreibmaschinen, eine Steno- oder eine mechanische Rechnungsmaschine. Er ist stolz auf eine der ersten Telexmaschinen der Schweizer Armee und auf eine der ersten Buchungsmaschinen, eine absolute Rarität in der Schweiz, eine Elliott-Fisher. Sie kostete 1902 so viel wie der Wert eines Hauses war: 7500 Franken.

Heute per Internet

Früher klapperte Holliger Flohmärkte ab, um zu Maschinen und Ersatzteilen zu kommen. Heute stehen dafür Auktionsplattformen wie Ricardo oder Ebay zur Verfügung. Fantasiepreise zahlt der Sammler allerdings nicht, er handelt nicht mit Maschinen und restauriert sie auch nicht im Auftrag von Dritten. Aber unter Gleichgesinnten hilft er gerne aus, und manchmal ist er, als Gründungsmitglied des Sammlerklubs historischer Büromaschinen Schweiz, auch froh um sie.

«Für seltene Maschinen wird es schwierig, Ersatzteile zu bekommen.» Manchmal fertigt er Teile auch nach. Wichtig ist für ihn, dass alle Maschinen original und schreibtauglich sind. Einzig die Farbbänder oder – je nach System – Farbtupfer tränkt er nicht nach, weil er im Alltag selbstverständlich den Computer für Schreibarbeiten nutzt.

Holliger sammelt auch Zubehör wie Farbbanddöschen, Spielzeug-Schreibmaschinen, Ölpintli, Fachliteratur oder alte Ansichtskarten mit entsprechenden Motiven. Noch auf der Suche ist er nach einer arabischen und – noch besser – nach einer chinesischen Schreibmaschine. «Die hat dann 3000 Schriftzeichen», sagt er mit unüberhörbarer Vorfreude in der Stimme.

Jüngst ist Holliger übrigens seiner Beschränkung auf mechanische Schreibmaschinen untreu geworden: «Eine elektrische IBM-Kugelkopfmaschine gehörte jetzt, bevor sie allmählich verschwinden, doch noch in die Sammlung», stellt er fest und verweist sofort auf wesentlich ältere Maschinen, die das Prinzip des Kugelkopfs auf ihre Art schon viel früher anwandten. «So revolutionär war die IBM also gar nicht, als sie auf den Markt kam.»