Zügeln ist schweisstreibend, mühsam und erst recht zeitaufwendig. Nebst dem Wohnungsputzen und Kistenschleppen bleibt auch der zweifache Gang auf die Gemeindeverwaltung nicht erspart. Abmelden beim früheren Wohnort, anmelden beim neuen, und dies innerhalb der Öffnungszeiten. Es ginge auch bequemer: online.

E-Government Schweiz ist eine Dachorganisation von Bund, Kantonen und Gemeinden, um die digitalen Behördenleistungen voranzutreiben. Bei immer mehr Dienstleistungen soll den Bürgern den Gang in die Verwaltung erspart werden und diese stattdessen über das Internet bezogen werden können – rund um die Uhr. Welche Dienstleistungen bieten die Freiämter Gemeinden auf dem digitalen Weg an? Die az hat die Online-Schalter aufgesucht.

Nur innerhalb des Wohnorts

Der Wohnortswechsel per Mausklick ist eines der priorisierten Vorhaben von E-Government Schweiz. Technisch möglich, und doch hat sich die Online Dienstleistung noch nicht wirklich durchgesetzt. Nur in Wohlen und Tägerig kann man sich per Internet bei der Gemeinde abmelden. Doch auch hier ist die Dienstleistung noch nicht voll digital: Bei beiden muss man zusätzlich Dokumente per Post einreichen, sie einfach hochzuladen ist noch nicht möglich. Zügelt man nur innerhalb der Gemeinde, sieht die Situation wieder anders aus. 14 der 41 Gemeindewebseiten bieten die Möglichkeit, eine Adressänderung vorzunehmen. Vielfach aber mit unausgereiften Formularen. Wie zum Beispiel auf den Internetseiten von Hägglingen und Boswil. Hier wird man angewiesen die neue Adresse, das Umzugsdatum und alle Personenangaben ins Feld Bemerkungen zu schreiben.

Einige Dienstleistungen gehören bei fast allen Gemeinden zum Repertoire: Die Hauptwohnsitzbestätigung, das Leumundszeugnis sowie den Heimatausweis kann man bei je 32 Gemeinden über den Online-Schalter bestellen. Einfach Name und Adresse ins Formular schreiben, auf abschicken klicken, und das Dokument flattert einige Tage später in den Briefkasten.

Gesuch für Saalwache

Der Online-Auftritt der Gemeinde Wohlen besticht besonders durch ein vielfältiges Dienstleistungs-Angebot. Auch mit solchen, die man nicht sofort erwartet. So kann man sich in ihrem Online-Schalter für die Jungbürgerfeier anmelden, sein Bibliotheksabo verlängern oder sich auch für die Feuerwehr anmelden. Auch andere Gemeinden bieten Spezielles an: Der Bürger von Islisberg kann bei der Feuerwehr ein Gesuch für eine Saalwache oder einen Verkehrsdienst einreichen, frisch Zugezogene können sich in Rudolfstetten-Friedlisberg für den Neuzuzügerabend anmelden und die Hausbesitzer den Stand ihres Wasserzählers per Online-Formular an die Gemeinde schicken. Und in Bremgarten können die Bürger über das Internet Schäden melden. Online-Reservationen gehören zum Grundangebot von vielen Gemeinden. Beispiel Tägerig: Aula, Spielwiese, Schulhausplatz, Festbankgarnituren, Lautsprecher – all dies steht online zur Reservation bereit.

Mehr Frust als Lust

Undurchschaubare Strukturen sind gemäss dem eGovernment Monitor 2015 in der Schweiz die häufigsten Barrieren, welche die Menschen vom Online-Schalter abhalten. Dieser Meinung sind 45 Prozent der Schweizer. Auch auf den Gemeindewebsites in der Region muss man sich vielfach durchklicken, bis man den Online-Schalter oder die gesuchte Dienstleistung findet. Beispiel Entsorgungsplan: Auf fast allen Gemeindeseiten ist das Dokument zwar abrufbar, in Arni sogar als ICS-Datei, sodass man ihn in seine persönliche digitale Agenda importieren kann. Vielfach gestaltet sich die Suche nach dem Plan aber schwierig, und es bleibt nur der Ausweg über die interne Suchmaschine. Auf der neu gestalteten Website von Oberlunkhofen führt aber auch dies zu keinem Ergebnis (Stand gestern Sonntag). Ganz egal, welchen Begriff man ins Suchfeld eingibt: Die Suchmaschine hat ihren eigenen Kopf und sucht nach «Steuerfuss». Mal ganz davon abgesehen, wie wichtig Steuern für eine Gemeinde sind – so führt der Online-Schalter zu mehr Frust als Lust. Wie auch auf der Website von Arni: Hier blinkt beim Anklicken von 30 der 61 Links im Online-Schalter folgende Meldung auf: «Fehler: Seite nicht gefunden.» Dann bleibt doch wieder nur eins: der Gang auf die Gemeindeverwaltung.