Mehr als 3000 Menschenleben forderte der Zweite Villmergerkrieg von 1712. 300 Jahre später, am Freilichttheater «Mit Chrüüz und Fahne» über den Konfessionskrieg, gab es zwar keine Toten. Aber der Dok-Film «Aufbruch nach Hilfikon» des az-Journalisten und Fotografen Pascal Meier beweist: Die Schauspieler und ungezählten Helfer hinter der Bühne vergossen für ihre Sache viel Herzblut.

Mit der Kamera auf der Lauer

Die am unvergesslichen Schauspiel beteiligten Menschen haben Meiers Film bereits gesehen. Einer breiten Öffentlichkeit wurde er am Mittwoch im katholischen Kirch-
gemeindehaus in Villmergen gezeigt. Meier begleitete die verschworene Theatertruppe bei ihren Proben und Besprechungen, die 2010 begannen, bis kurz vor der Premiere vor dem Schloss Hilfikon am 25. Juli 2012. Die kriegerischen Ereignisse 1712 dauerten mehrere Tage. Meier wickelt das Vorspiel zum Drama in einer Stunde ab – und sorgt für Abwechslung.

Ein Leichenwagen zieht in einer kurzen, eindrücklichen Szene über die Leinwand. Dann diskutieren
die Schauspieler miteinander. In einer nächsten Sequenz steigt der Theaterautor Paul Steinmann in seinem Wohnort in Rikon in seine Dichterklause und feilt an seinem Text. Steinmann lässt sich zwar von der Kamera filmen, will aber sonst nicht gestört werden. In seiner Klause gibt es weder ein Telefon noch fliessendes Wasser. «Wie ich den Schluss des Stücks hinbekomme, wird entscheidend sein für den Eindruck, den das Publikum vom Drama haben wird», erklärt Steinmann dem Filmemacher Pascal Meier. Szenenwechsel: Der
in Wohlen aufgewachsene Regisseur Ady Meyer dirigiert die Massenszenen übers Mikrofon und muss mit dem Problem fertig werden, dass die Begleitmusik die Stimmen der Schauspieler nicht zudeckt. Der erfahrene Theatermann meistert auch diese Schwierigkeit.

Inzwischen sind die Bühnenbauer längst am Werk, unter ihnen ein vierzehnjähriger Schüler, der sich das Theaterereignis nicht entgehen lassen will. Sie haben viel vor: Denn sie müssen nicht weniger als sieben Bühnen und eine gedeckte Zuschauertribüne aufbauen. Auch das passiert wiederum ohne Blutvergiessen. Dann müssen die Kostüme angepasst werden und ausprobiert werden, während die Schauspieler sich am Text versuchen und die im Stück vorgesehenen Lieder proben.

Schlossherrin sorgt für Aufregung

Die Tagesschausprecher machen sich parat für ihren Auftritt, um über den tobenden Villmergerkrieg zu berichten. Eine verzwickte logistische Übung ist es, die Gänge der Schauspieler rund ums Schloss Hilfikon festzulegen. Dabei schaut Schlossherrin Louise Schellenberg ganz gelassen in die Kamera und erklärt, dass sie der Theatertruppe ganz gern bei der Arbeit zuschaue und sie willkommen sei. Zum Spass ergreift die Schlossherrin dann ihr «Sirenentelefon» und gibt ihrer Tochter, die in der Nähe des Schlosses wohnt, ein Zeichen des Grusses. Die auf Alarm-
geräusche sensibilisierten Männer aus dem Theaterteam meinen, es handle sich um einen Ernstfall, und wollen schon nach der Feuerwehr
rufen. Sie können den Alarm dann aber beruhigt wieder abblasen.

Inzwischen hat es sich im Frei-
amt herumgesprochen, dass man sich beeilen müsse, wenn man ein Eintrittsbillett fürs Theaterstück «Mit Chrüüz und Fahne» ergattern wolle. Im Vorverkauf wird der Ansturm
mit grösster Gelassenheit gesteuert. Schliesslich werden zehntausend Menschen nach Hilfikon pilgern, um ein ungewöhnliches, eindrückliches Drama mitzuerleben. Sie werden das Ereignis, viel besser noch als seinerzeit aus dem Geschichtsunterricht, in dem der Zweite Villmergerkrieg durchgenommen wurde, ihr Leben lang in Erinnerung behalten.

«Aufbruch nach Hilfikon»: Bestellung
als DVD auf www.chrüüzundfahne.ch