Eurokrise

Freiämter Camping-Händler will Euroland ein Schnäppchen schlagen

Rund 70 Wohnwagen und Wohnmobile hat Theo Strebel im Herbst zum alten Europreis gekauft. Jetzt muss er sie deutlich günstiger verkaufen.

Rund 70 Wohnwagen und Wohnmobile hat Theo Strebel im Herbst zum alten Europreis gekauft. Jetzt muss er sie deutlich günstiger verkaufen.

Theo Strebel verkauft Wohnmobile und Wohnwagen ab sofort zu stark reduzierten Preisen in Euro. Damit will er verhindern, potentielle Kunden an die Konkurrenz ennet der Grenze zu verlieren.

Das Wohnmobil, das bei Strewo Camper Shop im Waltenschwiler Ortsteil Büelisacker gestern noch 89 000 Franken gekostet hat, ist heute für 75 000 Euro zu haben. Auch das Preisschild auf dem Wohnwagen LMC Musica hat gewechselt. Statt 27 855 Franken gibt es ihn jetzt für 23 190 Euro. Hat Strewo mit seinen Fahrzeugen in der Vergangenheit so hohe Margen erzielt, dass er jetzt solche Preisnachlässe gewähren kann?

«Mitnichten», sagt Theo Strebel. «Ich muss angesichts der Eurokrise reagieren, wenn ich nicht auf meinen Fahrzeugen sitzen bleiben will. Die neuen Preise sind nur noch knapp und zum Teil gar nicht mehr kostendeckend. Aber meine Mitbewerber im Euroland sind nur 40 Kilometer weit weg. Wenn ich nicht handle, ist die Gefahr gross, dass die Kunden über die Grenze wandern.»

Preise wie in Deutschland

Rund 70 Neufahrzeuge – zwei Drittel Wohnwagen, ein Drittel Wohnmobile – stehen auf dem Ausstellungsgelände im Büelisacker. Ein riesiges Kapital. «Alle diese Fahrzeuge haben wir im vergangenen Herbst zum alten Europreis eingekauft. Es sind alles Neuwagen der Modellreihe 2015. Mit dem neuen, tiefen Kurs ist der Preisvorteil der Anbieter ennet der Grenze massiv gestiegen. Ich habe mich dazu entschieden, meine Wohnwagen und Wohnmobile ab sofort in Euro zu verkaufen und – so weh mir das auch tut – die Preise so weit wie möglich nach unten anzupassen», erklärt der Campinghändler.

So bietet er jetzt einen aktuellen Wohnwagen, der beim deutschen Händler für 17 900 Euro zu haben ist, für 17 400 Euro an. «Damit», sagt Strebel, «bin ich preislich einigermassen auf dem gleichen Niveau, auch wenn man den Unterschied von rund 10 Prozent bei der Mehrwertsteuer einrechnet.»

Ziel: Schweizer Kunden halten

Mit seiner Aktion ziele er darauf, dass potenzielle Kunden in der aktuellen Situation nicht gleich ins Ausland abwanderten, sondern sich ein Campingfahrzeug von ihm offerieren liessen: «Klar appelliere ich auch an die Fairness der Leute, die ja in der Schweiz auch deutlich höhere Löhne beziehen, als sie in Deutschland erhalten würden. Aber nur mit dem Slogan ‹Schweizer kauft in der Schweiz› ist es nicht getan. Da muss ich schon noch ein paar handfeste Argumente mehr bieten können».

Die Konkurrenzsituation in nächster Nähe zu den Anbietern in Deutschland sei schon bisher oft recht hart gewesen. Mit der Eurokrise habe sie sich noch massiv verschärft: «Die Kunden vergleichen die Preise im Internet, beachten dabei aber oft zu wenig, dass ich weit höhere Löhne bezahlen muss als meine Mitbewerber im Ausland und auch Lagerplatz und Gebäude viel mehr kosten. Auch für den Transport der Fahrzeuge zu uns müssen wir wesentlich tiefer in die Tasche greifen als unsere Mitbewerber im benachbarten Ausland.»

Nicht schwarzmalen

Theo Strebel will trotz der momentan schwierigen Situation nicht schwarzmalen: «Wenn wir Mitte Jahr die neuen Modelle für das nächste Jahr einkaufen, dann kaufen wir diese zum aktuellen Eurokurs ein und die Lage normalisiert sich wieder. Für mich geht es jetzt vor allem darum, möglichst wenig Kunden zu verlieren. Da kann es sich schon lohnen, über den eigenen Schatten zu springen und mit Preisen zu kalkulieren, bei denen am Schluss nur mehr wenig oder gar nichts mehr in der Kasse bleibe.

Umsatz, so Strebel weiter, mache er ja nicht nur mit dem Verkauf von Neu- und Occasionswagen, sondern vor allem auch in den Bereichen Service und Zubehör. «Unser seriöser und guter Service», sagt Strebel, «bleibt hoffentlich auch in der Eurokrise unser bestes Verkaufsargument.»

Die Firma Mäder AG aus Niederwil hat Landmaschinen zum alten Kurs eingekauft. Lesen Sie nach, wie der Geschäftsführer mit dem mit dem neuen Eurokurs umgeht.

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