Bei einem gemeinsamen Essen geht es doch vor allem um eines: «Zeit mit Freunden zu verbringen, in entspannter Atmosphäre zu plaudern, zu lachen und – natürlich – das feine Essen zu geniessen.» Doch was Ursula Furrer-Heim da in ihrem Vorwort schreibt, klingt für viele, die auch schon für Gäste gekocht haben, utopisch. Oft ist der Gastgeber gestresst, denn er oder sie muss dauernd in die Küche rennen, um den nächsten Gang anzurichten oder fertig zu kochen. Dagegen liefert die Beinwilerin nun ein Mittel: In ihrem neuen Kochbuch «Kochen für Freunde» stellt sie 20 verschiedene 3-Gang-Menüs vor, die nicht nur leicht zu kochen sind, sondern auch gut vorbereitet werden können, damit man während des Essens eben genug Zeit für die Gäste hat.

«Mich fragen oft Freunde um einfache aber feine Menüs, wenn sie selber Gäste haben. Und weil es auch mir oft so geht, dass ich mir für solche Fälle etwas ausdenken muss, fand ich, ein entsprechendes Kochbuch wäre eine tolle Idee.» Ein Buch, 20 Mal Vorspeise, Hauptgang, Dessert, mit oder ohne Fleisch und mit vielen Tipps, wie man einzelne Zutaten ersetzen könnte. Und was ganz wichtig ist für jene, die sich mit strukturiertem Vorgehen schwertun: «Ein detaillierter Zeitplan zu jedem Menü sorgt dafür, dass bestimmt nichts untergeht.»

Einfach, saisonal, regional

Ihr erstes Kochbuch «Cake», das bereits in der vierten Auflage erschienen ist, ging weg wie warme Weggli. «Es ist kein trendiges Thema. Dennoch backen viele immer wieder Cakes. Da fand ich, sollte ich die alten Klassiker wieder einmal vorstellen und auch neue oder abgewandelte Ideen beisteuern, beispielsweise die Linzertorte in Cakeform», so Furrer. Das kam sogar so gut an, dass sie an der Frankfurter Buchmesse mit der Silbermedaille für Kochbücher ausgezeichnet wurde.

Auch bei ihrem neuesten Werk hat Ursula Furrer genaue Vorstellungen, was in ihre Rezepte gehört, und was eben nicht. «Mir ist es wichtig, dass die Zutaten saisonal und am besten auch noch regional sind. Es kann schon vorkommen, dass ich zum Beispiel einmal eine Mango verwende, aber wenn es solche Exoten sind, dann setze ich sie ganz bewusst ein.» Zudem sollen die Zutaten überall erhältlich und bekannt sein.

Die leidenschaftliche Köchin weiss aus Erfahrung, dass allzu Ausgefallenes mit unbekannten oder exotischen Zutaten nicht bei jedem Gast auf Gegenliebe stösst. «Viele Menschen bevorzugen die klassische, gutbürgerliche Küche.» Deswegen versucht sie in ihrem Buch, klassische Gerichte nur leicht zu verändern, um doch einen Überraschungseffekt zu erzielen. Beispielsweise findet man bei ihr «Cordon bleu im Teigmantel» oder «Hackbraten in der Tasse».

Osterhasen-Nutella

Wie man Rezepte schreibt, damit sie sicher gelingen, weiss die 39-jährige Mutter aber nicht nur, weil sie gerne für die Familie kocht. Sie ist ausgebildete Hauswirtschaftslehrerin und arbeitet ausserdem seit elf Jahren als Rezeptredaktorin und kulinarische Beraterin in der Produktentwicklung bei einer grossen Schweizer Kochzeitschrift. «Mir war seit der Primarschule klar, dass ich Hauswirtschaft und Handarbeit unterrichten wollte. Hätte das nicht geklappt, hätte ich wirklich ein Problem gehabt», sagt Furrer mit ihrem sympathischen Lachen. Geholfen habe sicher auch, dass sie und ihre Geschwister damals zu Hause in Oberrüti, wenn sie etwas Süsses wollten, zu hören bekamen: «Dann musst du eben etwas backen.» Auch ihre eigenen drei Kinder helfen heute gern in der Küche mit. «Aber sie bekommen zum Geburtstag, Weihnachten und Ostern so viele Süssigkeiten, dass sie für das ganze Jahr reichen. Stattdessen verarbeiten wir beispielsweise ihre Schoggihasen zu Nutella oder kreieren gemeinsam etwas mit Zutaten aus dem Garten.»

Nur mit Fotograf und Stylistin

Langweilig werde es ihr in der Küche nicht. «Ich versuche, einmal pro Woche ein neues Rezept aus einem Kochbuch oder einer Zeitschrift auszuprobieren. Das gibt mir neue Inputs.» Für ihr zweites Buch habe sie sich ein halbes Jahr zurückgezogen und Rezepte ausprobiert. Doch für sie mussten nicht nur die Rezepte stimmen. «Wenn der Fotograf und die Stylistin, die schon am ersten Buch mitgearbeitet haben, abgesagt hätten, hätte ich das Buch nicht herausgebracht. Ich finde sie und ihre Arbeit so toll, dass ich mir niemand anderen hätte vorstellen können.» So ist sie glücklich mit dem hochformatigen neuen Werk. Ob es gut ankommt, wird sie heute Abend erfahren, wenn sie es in der alten Chäsi Beinwil vorstellt. Erhältlich wird es neben dem Buchhandel auch in der Chäsi Muri und den Metzgereien Beinwil und Auw sein. «Ich gehöre zu ihren Kunden und sie zu meinen, das finde ich sehr schön», lacht sie.

Getrauen sich ihre eigenen Freunde denn nun überhaupt noch, sie zum Essen einzuladen? «Ich hoffe schon, denn auch wenn ich selber gerne spezielle Rezepte ausprobiere, geht es bei solchen Einladungen doch wirklich einfach um die gemeinsame Zeit. Da bin ich auch mit Tomatenspaghetti glücklich.»

Kochen für Freunde: Ursula Furrer-Heim, 208 Seiten, AT Verlag.