Die hochstämmigen Obstbäume tragen schwer dieses Jahr. Während viele Bauern sie deshalb mit Holzstangen stützen, riskieren andere, dass unter der Last der Früchte ganze Äste abbrechen. Rein wirtschaftlich gesehen lohnt sich die erhebliche Zusatzarbeit des Abstützens nicht, wie Ueli Gremminger vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in Gränichen einräumt. Bei den Hochstammbäumen spielen aber noch Faktoren mit, die über die reine Rentabilität hinausgehen.

Generationenübergreifend

Der Bauer erhält 15 Franken pro Hochstammbaum und Jahr an Direktzahlungen, wenn er bestimmte Bedingungen erfüllt. «Damit ist nicht einmal das Ausmähen um dem Stamm bezahlt», stellt Gremminger fest. Geschweige denn, mit Stangen die Äste abzustützen.

Der Preis für Mostobst ist seit 25 Jahren nicht mehr angepasst worden. Unter diesen Umständen hat die Landwirtschaft den Bestand an Hochstammbäumen in den letzten Jahrzehnten reduziert. «Aber Hochstammbäume, meistens über Generationen eng mit dem Hof verbunden, legt man kaum leichtfertig um», sagt Gremminger.

Wenn ein Baum weg ist, ist er weg

Ein Birnen-Hochstammbaum kann immerhin gegen 200 Jahre alt werden. Sie prägen zudem wesentlich das Landschaftsbild. Zahlreiche Bauern nehmen deshalb den Zusatzaufwand auf sich, die schwer tragenden Äste abzustützen, damit sie nicht abbrechen.

Das lohne sich im Moment vielleicht nicht, erklärt Gremminger, weist aber auf eine in der Landwirtschaft gängige Regel hin: «Man muss den Dingen Sorge tragen, wenn sie es nicht wert sind.» Denn wenn ein Baum weg ist, dann ist er weg. Und es dauert mindestens 15 Jahre, bis von einer Neupflanzung wieder ein Ertrag zu erwarten ist.

Nicht ohne Potenzial

Hochstammbäume sind nicht nur starke Elemente in der Landschaft, sondern auch aus naturschützerischer Sicht von grosser Bedeutung. Entsprechend gibt es verschiedene regionale und nationale Förderungsprojekte. «Zwar mögen die milden Säfte vor allem aus osteuropäischen Ländern günstiger sein, aber die Säure unserer Obstsorten sind ein Qualitätskriterium.» In der Qualität sieht Gremminger denn auch Potenzial. «Man kann das Obst ja nicht nur einfach in der Mosterei abliefern, sondern vielleicht neue Absatzkanäle suchen.»

Er meint damit die Direktvermarktung oder die Veredelung des Produkts etwa zu Apfelchampagner. «Damit lässt sich eine höhere Wertschöpfung erzielen.» Als Beispiel nennt er die Hochstamm Seetal AG, welche Aargauer und Luzerner Produzenten vereinigt. Ihr Ziel ist unter anderem die Verbesserung der Wertschöpfung aus der Produktion und die professionelle Vermarktung. Auch soll die ökologische und landschaftliche Wirkung der Hochstammbäume, welche einen wesentlichen Beitrag zur Attraktivität des Aargauer und Luzerner Seetals leisten, optimiert werden.

Baumpflege lohnt sich

Die Ernte in diesem Jahr wird – mit lokalen Unterschieden – erfreulich sein, schätzt Gremminger. Die Mostereien signalisieren zudem einen guten Bedarf an reifen Äpfeln und Birnen. Es könnte also sein, dass sich das Pflegen der Hochstammbäume nicht nur aus Gründen des Naturschutzes, des Landschaftsbildes und des Traditionsbewusstseins lohnt.