Früher war René Kuhn (62) Hausarzt in Waltenschwil. Seitdem er die Praxis seinem Nachfolger übergeben hat und als Chefarzt im Reusspark im Gnadenthal wirkt, hat er mehr Freiraum. Diesen nutzt er für einen Dienst an den Mitmenschen.

In der früheren sowjetischen Republik Tadschikistan in Zentralasien unterstützt er in einem Schweizer Ärzteteam die dort wirkenden Ärzte darin, bessere Hausärzte zu werden. In einem der ärmsten Länder der Welt ist die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit daran, ein Hausarztsystem zu entwickeln, das mit einfachen Mitteln funktionieren soll.

Mentor im Hintergrund

«Die Hausärzte in Tadschikistan sind zwar bemüht, das Beste für ihre Patienten zu leisten. Die Medizin hinkt allerdings weit hinter jener in der Schweiz hinterher. Ich schätze um 150 Jahre», sagt Kuhn. Wenn dem Arzt dort das Basisinstrumentarium fehlt, er auch keinen Patiententisch oder eine Liege hat und weit und breit keine Apotheke zu finden ist, müsse man notgedrungen erfinderisch sein, sagt er.

Die tadschikischen Ärzte sollen ihre Patienten selber untersuchen. «Wir Schweizer Ärzte halten uns als Mentoren im Hintergrund, weil wir die Autorität der dortigen Ärzte nicht untergraben wollen.» Die Kranken kommen zu ihnen. Aber es funktioniert auch umgekehrt: Die Ärzte kommen, wie früher bei uns, ins Haus. «Ein grosses Problem ist, dass die Ärzte in Tadschikistan an den Universitäten in der Theorie gut ausgebildet wurden, aber bis zum Abschluss des Studiums nie einen Patienten gesehen, geschweige denn behandelt haben», sagt Kuhn. Es gebe also viel nachzuholen.

Er erinnert sich an eine Frau, die unter Atemnot litt. Ein Medikament musste beschafft werden. «Das war schwierig, aber schliesslich fanden wir eines.» Die Frau erholte sich und dankte Kuhn überschwänglich. Die vielen gastfreundlichen Menschen haben den Arzt am meisten beeindruckt.

Es gebe zwar auch Spitäler in Tadschikistan. Aber diese seien extrem teuer für die Patienten, erklärt Kuhn. «Was nützt es, wenn ein Spital zwar ein EKG-Gerät hat, aber kein Papier für die Aufzeichnung der Herzfunktion?», fragt er. «Oder was nützt es einem Patienten, wenn seine kranke Schilddrüse behandelt wird, dann aber die elementarste Nachsorge nicht erfolgt?» In der medizinischen Versorgung seien weitere Schritte notwendig. Aber man müsse sich bewusst sein, dass diese klein seien, betont Kuhn.

Über seine Erfahrungen berichtet René Kuhn am Dienstag, 24. Oktober, 18 Uhr, im Reusspark (Saal Hauptgebäude).