Was in den Anfängen des inzwischen 150 Jahre alten Freiämter Ärzteverbandes wichtig war, ist es auch noch heute: die Weiterbildung und der kollegiale Austausch untereinander. Aber es sind neue Herausforderungen dazugekommen, wie Präsident und Hausarzt Roli Schumacher aus Villmergen ausführt. «Wir versuchen, junge Ärzte für die Region zu gewinnen.» Der Freiämter Ärzteverband habe diesbezüglich schweizerisch pionierhaft viel gemacht: «Wir laden Medizinstudentinnen und -studenten ins Freiamt ein, um die Region bei ihnen beliebt zu machen. Und seit zehn Jahren haben sie die Möglichkeit, einen Tag im Monat in eine Hausarztpraxis Einblick zu nehmen.» Dabei gehe es nicht um medizinische Fortbildung, sondern darum, zu zeigen, wie eine Hausarztpraxis organisiert ist, wie sich der Praxisalltag abspielt, was an administrativen Aufgaben ansteht. Ziel sei es immer, den Mangel an Hausärzten in der Region zu verringern.

Herausforderung Notfalldienst

Eine weitere Herausforderung stellt sich den Freiämter Ärzten bei der Organisation und beim Betrieb des Notfalldienstes. «Wir sind verpflichtet, ihn zu leisten», sagt Schumacher, «aber die Unkosten dafür sollten nicht die Ärzte tragen müssen.» Diese werden zwar für ihre Arbeit bezahlt, nicht aber für den Pikettdienst oder die zur Verfügung gestellte Infrastruktur. «Das ist etwa so, wie wenn ein Feuerwehrmann die Leiter bei einem Einsatz selber mitbringen müsste.» Der Kanton tue sich schwer, dies zu ändern.

Überalterung der Gesellschaft, Ärztemangel, fehlende Grundversorger vor allem auf dem Land, der finanzielle Druck auf die Leistungsanbieter – der Freiämter Ärzteverband macht für die Zukunft einen «optimistischen Ausblick trotz allem»: Die veränderten Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen würden von den Mitgliedern eine hohe Bereitschaft verlangen, sich den neuen Herausforderungen zu stellen. «Nicht vergessen werden darf, dass auch in Zeiten des Wandels das Hauptziel der ärztlichen Tätigkeit unverändert bleibt: mit den vorhandenen medizinischen Möglichkeiten und den bestehenden personellen und finanziellen Ressourcen die Patientinnen und Patienten des Freiamts bestmöglich zu betreuen.»

Von den rund 120 ordentlich praktizierenden Mitgliedern hatten Ende 2016 deren 85 ihren Praxisstandort im Bezirk Bremgarten (71 Prozent), 31 im Bezirk Muri (26) und vier ausserhalb des Freiamtes. 36 Mitglieder oder 30 Prozent sind Frauen, 84 Männer. 34 arbeiten in einem reduzierten Pensum. 39 sind 60-jährig oder älter, ebenfalls 39 zählen 50 bis 59 Jahre. Unter 50 Jahre alt sind 42. Im Verband kommen zu den ordentlich praktizierenden Mitgliedern 15 Chefärzte und leitende Ärzte des Spitals Muri, 4 Assistenzärzte oder vorübergehend nicht berufstätige sowie 30 nicht mehr berufstätige Mitglieder. Wurden vor 150 Jahren 11 Praxisstandorte gezählt und 1971 29, waren es 2016 120, davon 38 in Wohlen, 18 auf dem Mutschellen, 17 in Muri und 14 in Bremgarten.

Mit Spital verbunden

Der Verband feiert sein Jubiläum Anfang September in Muri. Über den Tag hinaus bleiben wird die eben erschienene Festschrift, die für alle erhältlich ist und nur sieben Franken kostet. Die vier Autoren Urs Pilgrim, Albert Bihr, Paul Beuchat und Peter Käch haben unzählige Protokolle durchgewühlt, ihr Beziehungsnetz spielen lassen und so eine spannende Schrift geschaffen. Darin kommt unter anderem zum Ausdruck, dass nicht zuletzt die Ärztliche Gesellschaft aus dem Freiamt, wie der Verband damals hiess, Wegbereiter für das Spital Muri war. «Wir haben bis heute eine gute und enge Zusammenarbeit mit dem Spital», unterstreicht Schumacher.