Fredy Luchsinger sitzt vor seinem selbst gebauten Cheminée im Wohnzimmer seines Hauses. Hinter ihm stehen ein goldenes Zepter und ein roter Zylinder: die Insignien des Wohler Ehrenkammerers. Das ist Fredy de Fürig seit Freitag.

Die Fasnacht war schon immer ein fester Bestandteil seines Lebens. Er hat nicht ein einziges Mal einen Umzug verpasst oder zweimal dasselbe Kostüm getragen. Man kennt Luchsinger als Fasnächtler, und das nicht erst, seit er 1996 Mitglied der Kammergesellschaft Wohlen geworden ist. Aber was macht Fredy de Fürig, wenn nicht Fasnacht ist? Wer ist der neue Ehrenkammerer?

Fast 1000 Cheminées gebaut

Geboren wurde Luchsinger vor 63 Jahren in Zürich, kurz danach zog seine Familie nach Wohlen. «Richtig angefangen hat mein Leben erst mit 16 Jahren», erzählt er und schmunzelt. «Damals habe ich ein Praktikum als Koch gemacht, in einem Kloster in der Westschweiz.» Gefallen hätte es ihm aber nicht, die Arbeitszeiten waren zu streng, die Arbeit selbst zu unspektakulär. Heute kocht Luchsinger zwar immer noch gerne, Paella oder Risotto zum Beispiel, aber beruflich orientierte er sich an den Jobs von Vater und Bruder: Er wurde Bauführer und blieb es bis 1984.

Er kaufte sich in Wohlen ein Haus und erweiterte es, damit auch seine Mutter darin wohnen konnte. In dieses Haus baute er sein erstes Cheminée ein. «Verschiedene Freunde haben mir gesagt, dass ich ein schönes Cheminée hätte, und mich gefragt, ob ich ihnen auch so eine Feuerstelle einbauen könnte.» Luchsinger baute – und machte sich bald darauf selbstständig. In 20 Jahren entstanden so fast eintausend Öfen. «Was mir am Beruf am meisten gefallen hat, ist die Vielfalt. Man hat so viel künstlerischen Spielraum.» Sein Name «Fredy de Fürig» rührt daher, dass die meisten Leidenschaften Fredys mit Feuer zu tun haben. «Kochen und Cheminéebauen, ich bin wirklich feurig», sagt er lachend.

Zerstreuung in Musik und Tanz

Seit einem Schlaganfall vor zehn Jahren vermisst er die Arbeit, findet aber genügend Abwechslung in der Musik. In einer Ecke seines Wohnzimmers steht eine Steeldrum aus Trinidad. «Das Land habe ich selbst bereist, die Menschen und die Musik dort sind einfach faszinierend.» Wie feurig Fredy de Fürig aber wirklich ist, wissen all jene, die ihn schon als feurigen Tänzer erlebt haben: «Als ich 16 war, hat man mir erlaubt, einen Tanzkurs zu machen. Seitdem tanze ich Rock ’n’ Roll, lateinamerikanische Tänze und Walzer.» Früher hat er sogar an Meisterschaften teilgenommen. Jetzt bringt er das Tanzen seiner Lebenspartnerin Silvia Müller bei. Sie sei, wie er erzählt, das Positivste, was ihm in seinem Leben passiert ist. «Sie unterstützt mich, wo immer es geht, und hat es sich auch sehr wohl verdient, neben mir auf dem Thron zu sitzen.»

Das Leben bewusst leben

Luchsinger hat seine Silvia für die Fasnacht begeistern können, und jetzt bewältigen sie zusammen während der 5. Jahreszeit einen strengen Terminkalender. Wie beispielsweise am schmutzigen Donnerstag, an dem Fredy de Fürig fast zwölf Stunden als Ehrenkammerer an der Fasnacht präsent sein muss. Aber ihm macht das nichts aus: «Die Fasnacht ist ein Teil meines Lebens. Mit den Leuten Spass haben und ausgelassen sein, das füllt mich aus.» Augenzwinkernd fügt er an: «Dabei gehts mir auch nicht ums Trinken.»

Fredy Luchsinger hat eine 37 Jahre alte Tochter und einen 36-jährigen Sohn. Sie beide konnten am Freitagabend nicht zur Wahl kommen: «Meine Tochter wohnt in Flims und mein Sohn ist momentan auf Weltreise. Aber sie haben sich sehr für mich gefreut. Sie wissen, was dieses Amt für mich bedeutet.» Auch Tage nach der Wahl verdrückt Luchsinger noch die eine oder andere Träne, wenn er von diesem Abend erzählt. Warum hat die Kammergesellschaft Wohlen gerade ihn als Ehrenkammerer ausgewählt? «Das habe ich mich auch oft gefragt», sagt Luchsinger nickend. «Die Mitglieder meinten, dass ich dieses Amt einfach verdient hätte.» Aber, wie der frischgebackene Ehrenkammerer selber von sich sagt, könnte es auch an seiner positiven Art liegen. «Ich habe immer probiert, das Beste aus jeder Situation zu machen, egal wie schwer es manchmal für mich war. Ich lebe mein Leben sehr bewusst und lasse mich von nichts und niemandem runterziehen.»

Als neuer Ehrenkammerer soll Luchsinger möglichst viele Leute mit seiner Begeisterung für die Fasnacht anstecken – eine Aufgabe, die ihm mit seiner offenen Art sicher nicht schwerfallen wird.