Wohlen

«Frau Strohmuseum» tritt zurück: «Ich muss mehrere Gänge runterschalten»

Anna Hegi will ihr Leben nach ihrem Herzinfarkt etwas gemütlicher angehen.

Anna Hegi will ihr Leben nach ihrem Herzinfarkt etwas gemütlicher angehen.

Anna Hegi tritt aus gesundheitlichen Gründen als Leiterin des Wohler Strohmuseums zurück. Sie bleibt dem Museum aber trotzdem noch erhalten.

Denkt man ans Wohler Strohmuseum, ist sie es, die einem als Erstes einfällt: Anna Hegi ist «Frau Strohmuseum». Im April 2010 übernahm sie die Leitung des Hauses, das damals noch versteckt über der Bibliothek daheim war und das heute als Bijou in der Villa im Islerpark residiert. Doch nun muss sie kürzertreten. Sie will, aber sie muss auch. Denn die 60-Jährige hatte im Juni einen Herzinfarkt. «Aber es geht mir wieder gut», kann sie heute wieder sagen. Nun muss sich ihr Leben ändern. Als ersten Schritt gibt sie die Leitung ihres geliebten Strohmuseums ab. Stefanie Dietrich, im Museum für Kommunikation, Empfang und Sekretariat zuständig, hält fest: «Wir sind sehr froh, dass sie uns dennoch weiter in einem 20-Prozent-Pensum erhalten bleiben wird.»

Aus Skepsis wird Faszination

Eigentlich hat sich Hegi schon im vergangenen Winter überlegt, ob sie ihre Position, die viel Flexibilität von ihr verlangt, auch nach ihrem 60. Geburtstag auf diese Art weiterführen will. «Seit dem Juni ist für mich klar, dass ich mehrere Gänge runterschalten muss.» Mit dem Stiftungsrat hat sie eine gute Lösung gefunden: An zwei Halbtagen pro Woche wird sie im Museum mitarbeiten, «die Leitung aber jemand anderem überlassen, die oder der neue Ideen einbringt».

Als die ausgebildete Kindergärtnerin und Museumspädagogin 2010 die Leitung des Strohmuseums übernahm, war sie noch nicht überzeugt vom Rohstoff Stroh. «Am Anfang war es für mich ein sehr altes, schweres Thema. Mittlerweile bin ich aber fasziniert von dem Material und dem, was man daraus machen kann.» Nicht nur die Wohler Strohindustrie und die Techniken interessieren die kreative Sarmenstorferin, sondern beispielsweise auch die Möglichkeit, mit dem nachhaltigen Material Häuser zu bauen. Mit ihrem Mann Stefan, von Beruf Architekt, führte sie viele spannende Gespräche darüber. «Ich bin überzeugt, dass da in Zukunft noch viel kommen wird.» Die Faszination sieht man ihr an.

Ihr Patenkind ist ein Bus

Im und mit dem Strohmuseum hat sie sehr viel erlebt. Zum Beispiel ist sie Patin eines Ortsbusses. Lachend erzählt sie: «Als vor etwa anderthalb Jahren drei neue Wohler Ortsbusse getauft wurden, nannte man einen ‹Chly Paris› und bildete darauf einen Strohhut ab. Da durfte ich im Namen des Strohmuseums Patin des Busses werden. Das war ein sehr lustiger Moment.»

Auch die Begegnungen mit all den Leuten möchte sie nicht missen: von ehemaligen Angestellten der Wohler Strohindustrie über Stroh-Künstlerinnen aus dem In- und Ausland bis hin zu Strohhausbauern und Besuchern. «Es war eine sehr spannende, kreative, schöne, aber auch anstrengende Zeit. Ich hatte immer ein sehr gutes Team. Jetzt übergebe ich diesen Job an jemand Neuen. Und dann werde ich sehen, was Neues auf mich wartet.»

Infos zum Museum und die Stellenausschreibung auf www.strohmuseum.ch

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1