Das zweite Buch

Frau Morgenstern lässt Klischees schmelzen – dieser Merenschwander Autor feiert grosse Erfolge

Der Merenschwander Marcel Huwyler feierte mit seinem ersten Buch auch im Ausland Erfolg. Am Donnerstag erscheint die Fortsetzung seines Kriminalromans. Dennoch sagt er über seine Romane, sie seien weder Fisch noch Vogel.

Schon als Kind wollte Marcel Huwyler auf diesen Findling klettern.

Schon als Kind wollte Marcel Huwyler auf diesen Findling klettern.

«Die Verlage haben extreme Schubladen, die wissen alle, wie ein Auftragskiller sein muss. Bei mir ist es eine 60-Jährige», sagt Marcel Huwyler und lacht. Seine Romane seien alles andere als klassische Krimis, «weder Fisch noch Vogel». Seine Hauptperson Violetta Morgenstern sei herzerfrischend bösartig, ein Heissluftföhn in einer Schneeflöckchen-Welt.

Am Donnerstag, 24. September, erscheint Marcel Huwylers zweites Buch «Frau Morgenstern und der Verrat». Bereits der erste Teil «Frau Morgenstern und das Böse» feierte grossen Erfolg – und das nicht nur in der Schweiz. Der Autor ist auch in Deutschland und in Österreich bekannt. In seinem Herzen aber bleibt der Schriftsteller immer ein Freiämter.

Seine Reportagen brachten ihn um die ganze Welt

Marcel Huwyler ist in Merenschwand aufgewachsen, doch seit seiner Schulzeit hat er nie mehr hier gelebt. Nach seiner Ausbildung wohnte er für einige Jahre in Muri und arbeitete dort als Primarlehrer. Danach hat es ihn in die Innerschweiz verschlagen. Heute wohnt er mit seiner Lebenspartnerin in Lauerz im Kanton Schwyz. «Es war nie ein bewusster Entscheid: Ich muss jetzt in die grosse Welt», erzählt er. Erst sein späterer Beruf als Journalist hat den heute 52-Jährigen in die Ferne gezogen. Für seine Reportagen reiste Huwyler in verschiedene Länder und Krisengebiete, lernte viel über Kulturen und Menschen. Das alles lässt der Autor, der auch heute noch für unterschiedliche Magazine als Journalist arbeitet, jetzt in seine Romane einfliessen.

In Merenschwand war er «im Wagner Huwyler Seppi sine»

Inspiration für seine Kriminalromane fand Huwyler aber nicht nur in fernen Ländern, sondern auch in Geschichten aus seiner Kindheit, die ihn bis heute mit Merenschwand verbinden. Geschichten aus der Zeit, als er hier zur Schule ging, als er nicht Marcel Huwyler, sondern «im Wagner Huwyler Seppi sine» war und als sein Namensvetter im Dorf die Legoteile erhielt, während er nur die Rechnungen im Briefkasten hatte. In seinen Büchern fliessen auch Teile des Dorfes mit ein. «Die Wurzeln prägen einen beim Schreiben», erzählt der zweifache Vater. In seinem ersten Buch zum Beispiel: «Da habe ich ganz unbewusst das kleine Wäldchen in Merenschwand beschrieben.»

Ein Lokalkrimi, einen «Reiseführer mit einem Toten», wie er es mit einem Augenzwinkern nennt, wollte Huwyler trotzdem nie schreiben. «Ich will, dass man das Buch auch in Deutschland und in Österreich lesen kann und merkt, es könnte auch dort spielen», erklärt er. Für ihn sei von Anfang an klar gewesen, dass er keinen Schweizer Verlag möchte: «Was die Leserzahlen betrifft, hat man in Deutschland ganz andere Dimensionen.» So habe er sich naiv auf die Suche nach einem Verlag gemacht und bald gemerkt, dass er dafür die Hilfe einer Agentur brauche. «Aus der Schweiz bist du ein Exote», so Huwyler. Er stiess auf seine heutige Agentin, die schon für den berühmten Schriftsteller Patrick Süsskind arbeitete, und die ihm zu einem Verlag verhalf. Und für diesen sei schon nach kurzer Zeit klar gewesen: Es braucht eine Fortsetzung von Frau Morgenstern. Auch ein dritter Teil sei bereits geplant und im Moment werden in Deutschland Hörbücher der ersten beiden Romane produziert.

Seine Lesungen gleichen einem Bühnenprogramm

Im Leben von Marcel Huwyler dreht sich alles um Erzählungen. «Ich habe es wahnsinnig gerne, wenn mir jemand eine Geschichte erzählt.» Damit können auch die Leser sein Herz erwärmen. «Eine fast 90-jährige Frau aus Wien hat mir gesagt, sie habe mein Buch dreimal gelesen. Sie fand meine Frauenfigur so stark, dass sie selbst begann, sich in ihrem Leben mehr zu wehren. Ihre Enkel sagen ihr jetzt Frau Morgenstern», erzählt er und lacht herzlich. «Das freut mich sehr, viel mehr, als wenn ein Literaturkritiker etwas schreibt.» So mag er auch die Lesungen zu seinem Buch am liebsten. Ein bisschen würde es ihn an seine Zeit als Lehrer erinnern. «Einfach, dass die Leute Eintritt bezahlt haben», sagt er lachend. «Und wenn sie schon bezahlen, möchte ich ihnen auch etwas bieten. Ich habe ein halbes Bühnenprogramm zusammengestellt.» Eine Lesung aus seinem neuen Buch gibt es an der Krimi-Nacht-Muri am 13. November.

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