Oberrüti
Frau Landammann hörte gewissen Pessimismus am Stammtisch heraus

Mit Wanderschuhen und Rucksack kam sie anmarschiert und freute sich sichtlich über ihr Panaché: Frau Landammann Susanne Hochuli (Grüne) machte während ihrer 16-tägigen Wanderung entlang der Grenze des Aargaus im «Rössli» in Oberrüti Halt.

Andrea Weibel
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Frau Landammann Susanne Hochuli diskutierte am Oberrüter «Landamme-Stammtisch» angeregt mit Beni Kreuzer (Erlebnis Freiamt) und vielen weiteren Oberrütern und Dietwilern.

Frau Landammann Susanne Hochuli diskutierte am Oberrüter «Landamme-Stammtisch» angeregt mit Beni Kreuzer (Erlebnis Freiamt) und vielen weiteren Oberrütern und Dietwilern.

Andrea Weibel

Empfangen wurde sie am «Landamme-Stammtisch» unter anderem von Beni Kreuzer von Erlebnis Freiamt, mit dem sie sich über die vielen wandernswerten Routen im schönen Aargauer Süden austauschte. «Den Mutschellen lasse ich aus, denn das Reusstal gefällt mir besser zum Wandern», erklärte sie. Das Argument, dass sie so den Fängen von SVP-Chef Glarner entfliehen könne, kam nicht von ihr.

Bahnanschluss und Steuerfuss

Bald schon kamen die Oberrüter und Dietwiler Gäste aber auf weniger lustige Themen zu sprechen. «Das Schlimmste ist der fehlende Anschluss an den öffentlichen Verkehr in Dietwil», hielt jemand fest. «Wir haben keinen Bahn-Anschluss und am Wochenende fährt abends nicht einmal ein Bus - eine Zumutung.» Dabei sei das Oberfreiamt enormem Wachstum ausgesetzt.

Zuzüger aus Zürich und Zug hätten die niedrigen Baulandpreise entdeckt. «Dadurch sind wir doppelt gestraft, denn der Steuerfuss bleibt hoch, und die Landpreise steigen», verdeutlichte ein Dietwiler. Doch als Hochuli wissen wollte, wie hoch denn der Steuerfuss sei, konnte ihr niemand Auskunft geben.

«Man kann ja doch nichts tun»

Danach schwappte Hochuli scheinbar eine generelle Politverdrossenheit entgegen, denn ein Oberrüter sagte: «Ich gehe nie abstimmen und auch nicht an Gemeindeversammlung. Das bringt sowieso nichts.» Nach mehrfachem Nachhaken stellte sich heraus, dass der Mann mit dem Gemeindeschreiber unzufrieden ist. «Man kann ja doch nichts tun, wie überall in der Politik», fand er. Hochuli konstatierte: «Das klingt aber sehr pessimistisch.»

Da stiess Gemeindeammann Thomas Isler zum «Landamme-Stammtisch». Auf die Frage, was für ihn derzeit die grösste Schwierigkeit im Dorf sei, antwortete er: «Die Sporthalle der Z-Fighters. Denn der Kanton fährt keine saubere Linie, sondern schiebt die Zuständigkeit von einem zum anderen.» Oberrüti sei halt 50 Kilometer von Aarau weg, das spüre man. Susanne Hochuli hörte den Ausführungen interessiert zu.

Auf die Dorfpolitik angesprochen, gab sich der Ammann erfreut, dass eine Frau für den Gemeinderat motiviert werden konnte. Augenzwinkernd fügte er hinzu, dass eine Frau genau richtig sei, bei mehreren gäbe es allerdings nur Streit. Hochuli war entgeistert: «Man sagt mir immer, Frauen denken vernetzter, während Männer einen Röhrenblick haben. Hat man mich angelogen oder sind die Freiämter wirklich so anders?» Isler relativierte schmunzelnd: «Es kommt natürlich auch auf die jeweiligen Frauen an.»

Ständeratskadidat Pius Lischer kam wenig zu Wort. Als er sie auf die Cannabis-Legalisierung ansprach, entgegnete Hochuli: «Darüber sprechen wir dann im Wahlkampf.»

Gastro Aargau wählt aus, wo der «Landamme-Stammtisch» stattfindet. «Wir freuen uns sehr, dass Frau Hochuli die von Urs Hofmann begonnene Stammtisch-Tradition weiterführt», so Präsident Josef Füglistaller.

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