Was bisher nur Behördenmitgliedern und externen Partnern der Gemeindeverwaltung vorbehalten war, wird dieses Jahr zum ersten Mal allen Einwohnern von Rottenschwil ermöglicht: die Teilnahme am Neujahrsapéro der Gemeinde. Frau Gemeindeammann Giordana Huonder freut sich auf eine möglichst grosse Besucherschar am 10. Januar um 19 Uhr in der Turnhalle Rottenschwil: «Dieser Anlass soll nun jedes Jahr auf diese Weise stattfinden. Die Bevölkerung soll die Menschen kennenlernen, die auf der Gemeinde und auch ausserhalb für sie arbeiten. Zudem bekommt jedes Jahr ein anderer externer Partner die Gelegenheit, sich und seine Dienstleistung im Rahmen des Neujahrsapéros zu präsentieren.»

Die Veranstaltung ist ein Ergebnis aus der Standortanalyse, welche die Gemeinde im November 2017 durchgeführt hat. Der Gemeinderat ging im März 2018 in Klausur und erarbeitete auf Basis der Daten aus der Standortanalyse die Strategie- und Legislaturziele der Gemeinde für die Jahre 2018 bis 2021 (siehe Artikel unten). Eines dieser Legislaturziele lautete: «Die externe und interne Kommunikation ist über zielgruppengerechte Kanäle etabliert.»

Infotafeln an Ortseinfahrten

Als eine der Massnahmen zur Umsetzung dieses Zieles wird in der Broschüre der Gemeinde die Installation von «Informationstafeln am Dorfeingang» genannt. Genau das wird bis Ende Monat passieren. An drei Ortseinfahrten kommen diese Tafeln zu stehen. Sie dienen künftig zur Information und Bekanntmachung respektive Einladung zu öffentlichen Anlässen der Gemeinde und der Ortsvereine. Besonders aber sollen sie die Besucher der Gemeinde willkommen heissen und ihnen auf den ersten Blick klarmachen, dass Rottenschwil der Ort ist, «wo die Natur zuhause ist». So steht es und so sieht man es auf den grossen Plakaten, die an den Informationstafeln hängen werden.

Die Besucher des heutigen Neujahrsapéros werden zur offiziellen Lancierung des neuen Dorfmottos die ersten Aufkleber mit dem Plakatsujet als Geschenk erhalten. Das Bild ist der künstlerische Ausdruck der Standortanalyse von 2017. Auf die Frage «Welche Farben verbinden Sie mit dem Wohnort?» hat die Mehrheit der Teilnehmer Grün genannt. Die Einwohner von Rottenschwil verbinden mit ihrem Wohnhort auch vornehmlich die Begriffe «Natur», «Reuss», «Lebensqualität» und «gemütlich». All diese Stichworte und Empfindungen vermittelt das Naturidyll auf dem Plakat.

Giordana Huonder ist stolz auf das, was der Gemeinderat seit der Standortbestimmung bereits umgesetzt hat. «Wir sind auf gutem Wege», sagt sie und verweist dabei etwa auf die stabilisierte Organisation des Gemeinderates, der Verwaltung und des Technischen Dienstes oder auf die vernünftige und umsichtige Finanzpolitik, die ein nachhaltiges und qualitatives Wachstum der Gemeinde ermögliche.

«Gemeinde» sind alle

Dennoch sieht Huonder Entwicklungspotenzial in Rottenschwil. Vor allem, was das Gemeinschaftsempfinden und das persönliche Engagement für die Gemeinde anbelangt: «Die Leute geben heute sehr schnell ‹der Gemeinde› oder ‹der Politik› oder irgendeiner Institution die Schuld, wenn etwas nicht so läuft, wie sie es möchten. Aber ‹die Gemeinde›, das ist jeder Einzelne, das ist die Gemeinschaft aller. Wir werden immer mehr zu einer Ansammlung von konsumierenden Kunden. So funktioniert Gemeinschaft aber nicht.» Ein gutes Beispiel für diese Haltung sei etwa die Organisation der Bundesfeier, für die sich im vergangenen Jahr niemand finden liess.

Den direkten Kontakt mit den Einwohnern von Rottenschwil will Huonder heute Abend nutzen, um für persönliches Engagement im Dorf zu werben. «Seit einem Jahr beüben wir im Gemeinderat das Thema ‹Tagesstrukturen›», so Huonder. «Bea Bieber von der Kantonalen Fachstelle Kind und Familie hat die Gründung eines Vereins vorgeschlagen. Das wäre genau so ein Beispiel dafür, wie sich engagierte Eltern zusammentun und als Verein tätig werden könnten, anstatt nur zu sagen: ‹Das muss die Gemeinde machen.› Vielleicht organisieren sich auch unsere Dorfvereine untereinander, damit wir dieses Jahr wieder eine gemeinsame Bundesfeier durchführen können.»

Rottenschwil stellt als kleine, ländliche Gemeinde mit 860 Einwohnern keine Ausnahme dar. Viele Dörfer dieser Grösse versuchen, den Spagat zu schaffen zwischen knappen Finanzmitteln und Ansprüchen der Bevölkerung. Doch Rottenschwil appelliert dabei an die Eigenverantwortung und das Wir-Gefühl jeder und jedes Einzelnen, damit das Leben an der Reuss lebenswert bleibt.