Wohlen
Fränzels Enkel rettet den Schwarzen Adler

Mit dem «Schwarzen Adler» verbinden sich viele Erinnerungen an die 800-Jahr-Feier in Wohlen von 1978. Das pittoreske dreiteilige Haus an der Wohler Steingasse wird nun sanft renoviert.

Jörg Baumann
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Der «Schwarze Adler» an der Steingasse, jetzt gerade eingerüstet, wird der Nachwelt erhalten bleiben. Lina Giusto

Der «Schwarze Adler» an der Steingasse, jetzt gerade eingerüstet, wird der Nachwelt erhalten bleiben. Lina Giusto

Lina Giusto

Der Wohler Transportunternehmer Kurt Meier widersetzt sich dem Zeitgeist. Er lässt das originelle Haus «Schwarzer Adler» an der Steingasse, das Geburtshaus seines Grossvaters und Fuhrhalters Leonhard Meier, sanft renovieren. Der «Schwarze Adler» mit drei ineinander verschachtelten Hausteilen, einst mit einer Schmiede, der Fuhrhalterei und einem Küfer, steht nicht unter Ortsbildschutz wie das Schlössli. Und trotzdem will es Kurt Meier retten. «Das Haus gehört zur Steingasse», sagt er.

Festbeiz an 800-Jahr-Feier

Mit dem «Schwarzen Adler» verbinden sich viele schöne Erinnerungen an die 800-Jahr-Feier in Wohlen von 1978. Damals wurde an der Steingasse ein Historischer Markt aufgebaut. Der «Schwarze Adler» war während zehn Tagen eine gut laufende Festbeiz. Die Steingasse war noch im frühen 19. Jahrhundert die Hauptstrasse nach Bremgarten und Zürich, bis sie zuerst auf das Trassee der alten Bremgarterstrasse und danach auf die heutige Achse verlegt wurde. Die Fuhrwerke hielten an der steilen Steingasse beim «Schwarzen Adler» und beim Haus von Karl Lüthi-Briefer zweimal an, um neu vorzuspannen, weiss der Wohler Bezirkslehrer und Dorfführer Daniel Güntert.

Das Steingassquartier war früher ein Dorf im Dorf. Denn an dieser Gasse befanden sich alle Geschäfte, die man für das tägliche Leben brauchte – der Coiffeursalon Mack, ganz früher mehrere private Weinstuben, dann die Restaurants Sternen, Krebs und Schnabel, eine Schmiede, der universelle Dorfladen von Frau Greber, eine Bäckerei und eine Metzgerei, ein Elektriker, die Bleichi und Färberei Georges Meyer und das Baugeschäft Käppeli. «Die Steingässler mussten eigentlich zum Einkaufen nicht ins Dorf wandern», sagt Güntert. An der Steingasse 19 baute Peter Wohler, angeblich Sklavenhändler in Amerika, ein Haus, das die Fuhrhalterfamilie Meier 1933 kaufte.

An der Steingasse gründete Leonhard Meier, «Fränzel», 1897 seinen Fuhrhalterbetrieb, der von seinen drei Enkeln Hansruedi, Max und Kurt Meier in der dritten Generation weitergeführt wird. Die Fuhrhalterei Meier war dabei, als 1911 die Baugrube für das Kaufhaus «Zur Stadt Paris» ausgehoben wurde, desgleichen auch 1925 beim Bau der reformierten Kirche in Wohlen. Hier schlug man die reformierte Konkurrenz, die nicht so effizient arbeitete wie die katholische Unternehmerfamilie Meier.

«Fränzel» leistete sich einmal den Spass, seinen Betrieb für eine Versteigerung freizugeben. Als das Volk schon vor der Haustür stand, musste sich der Wächter Breitschmid auf die Strasse stellen und den Leuten mitteilen, dass die Versteigerung nicht stattfinden werde und alles ein Scherz sei.

Namensherkunft unbekannt

Warum der «Schwarze Adler» so heisst, weiss Kurt Meier auch nicht. «Auf jeden Fall hat das Haus den Namen nicht erst an der 800-Jahr-Feier erhalten, sondern schon viel früher.» Als Antwort auf den «Schwarzen Adler» wurde damals an der Wohler Jubelfeier gegenüber auf dem Areal des Baugeschäftes Käppeli die Festbeiz «Grüner Adler» eröffnet.

Im «Schwarzen Adler» wohnten früher auch Kurt Meier und seine Frau Maja, dann aber auch Arsène Perroud, heute Gemeinderat und Jugendarbeiter, Res Matter, heute Mitarbeiter der Kulturbeiz im Chappelehof, und der Fernsehjournalist Olivier Parvex-Käppeli – alles junge und ledige Männer, die hier eine günstige Wohnung fanden.

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