Sins
Forschung zeigt Bezirk Muri: So wohnt man gerne im Oberfreiamt

Schweizer wünschen sich in ihrer Wohnumgebung eine intakte Natur und schöne Landschaftselemente. Damit ist das obere Freiamt ein besonders attraktives Wohngebiet. Ein Forschungsprogramm zeigt dem Bezirk Muri, wo Planung und Politik die Schwerpunkte setzen müssen.

Eddy Schambron
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Zersiedelung vermeiden, Dörfer und regionale Zentren aufwerten: Das obere Freiamt hat viele Qualitäten. ES

Zersiedelung vermeiden, Dörfer und regionale Zentren aufwerten: Das obere Freiamt hat viele Qualitäten. ES

Eddy Schambron

Der Bezirk Muri war einer der Fallstudienregionen des Forschungsprogramms «Raumansprüche von Mensch und Natur» der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Sie zeigt auf, dass und wie die Siedlungs- und Landschaftsentwicklung gesteuert werden muss. Sonst droht eine Zersiedelung, die niemand will.

Die Menschen wohnen gern in ländlichen Gebieten, gefolgt von der Kleinstadt als Wohnraum. Das hat eine nationale Umfrage zur Wohnsituation und -zufriedenheit ergeben. Daraus stellen sich grundsätzliche Fragen für die Siedlungs- und Landschaftsentwicklung, wie Maarit Ströbele bei der Präsentation der Ergebnisse des WSL-Forschungsprogramms ausführte.

Was man will und was nicht

Gefragt sind kompakte Dörfer mit angenehmen Begegnungsmöglichkeiten, attraktiven Naherholungsräumen, einer ökologisch produzierenden Landwirtschaft, Arbeitsplätzen und Läden, einer attraktiven Verkehrsanbindung und guten Bedingungen für den Langsamverkehr. «Man will den Fünfer und das Weggli», fasste Silvia Tobias, Leiterin des Programms, zusammen. Nicht erwünscht sind Zersiedelung, eine zufällig verteilte Intensivlandwirtschaft, geringe Anbindung an den öffentlichen Verkehr, Schlafdörfer sowie ein hohes Aufkommen an motorisiertem Verkehr.

Um diese Ziele zu erreichen, müsse man nicht alles umkrempeln, erklärt Tobias. Aber man müsse sich unter Umständen mit einer gewissen Verzichtskultur anfreunden. «Nicht in jedem Dorf kann und soll alles verdichtet überbaut werden, aber es gilt dann, in Kauf zu nehmen, nicht mehr zu wachsen.» Und nicht jedes kleine Dorf brauche den Halbstundentakt beim öffentlichen Verkehr, denn dort richte man sich ohnehin mit individuellen Verkehrsmitteln ein. Die Bevölkerung sei durchaus bereit, Kompromisse einzugehen. Und Ströbele ergänzt: «Wir müssen wegkommen von der Idee, alles sofort und überall zu haben.»

Beides pflegen

Die Schlussfolgerungen liegen nach den Forschungsergebnissen auf der Hand: Dörfer sollen als Dörfer erhalten bleiben und, falls notwendig, mit attraktiven öffentlichen Begegnungsbereichen aufgewertet werden. Regionale Zentren wie Muri oder Sins wachsen zu Orten mit kleinstädtischen Strukturen heran, da diese Wohnortspräferenz gleich nach dem Dorf kommt. Die Vielfalt der Landschaft wird gefördert, weil diese einen klaren Standortvorteil für eine Region darstellt.

Einfluss nehmen

«Dafür braucht es Behörden und Bewohner, die sich für starke Dörfer und Gemeinden einsetzen, die mitreden, wo und wie gebaut wird», machte Tobias deutlich. Es gelte, Investoren nicht freie Hand zu lassen, sondern bei deren Vorhaben mitzureden, die Interessen der Gemeinde wahrzunehmen, Wettbewerbe für Gestaltungspläne zu lancieren und die Bevölkerung mit in die Entwicklung des Wohngebietes einzubeziehen. Das revidierte Raumplanungsgesetz gehe in diese Richtung. Auch muntert sie Gemeindebehörden auf, gegenüber den Planern mit klaren
Vorstellungen aufzutreten. «Planfachleute bevorzugen städtische Wohnverhältnisse. Wir vermuten, dass sie tendenziell ein grossstädtisches Denken haben, das oft nicht in den ländlichen Raum passt.»

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