Wohlen
Flüchtlingsfamilie aus Eritrea fühlt sich wohl im Wohler Pfarrhelferhaus

Pfarrer und Kirchenpflege haben in Wohlen mit den Asylbewerbern aus Eritrea bisher nur positive Erfahrungen gemacht. Die beiden Asylbewerber Abreham und Brikti Yemaneh sind glücklich. Sie leben seit fast einem Jahr im Wohler Pfarrhelferhaus.

Lisa Stutz
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Pfarrer Kurt Grüter, Abreham Yemaneh mit Sohn Nahom (3), Brikti Yemaneh mit Tochter Saron (1) und Kirchenpflegepräsident Kurt Notter (von links) vor dem Wohler Pfarrhelferhaus. Lisa Stutz

Pfarrer Kurt Grüter, Abreham Yemaneh mit Sohn Nahom (3), Brikti Yemaneh mit Tochter Saron (1) und Kirchenpflegepräsident Kurt Notter (von links) vor dem Wohler Pfarrhelferhaus. Lisa Stutz

Sie schauen zu ihren Kindern Nahom und Saron, besuchen Deutschkurse in Aarau, bieten dem Pfarrer Fladenbrot an und suchen aktiv Arbeit. Die beiden Asylbewerber Abreham und Brikti Yemaneh (beide 25) leben seit fast einem Jahr im Wohler Pfarrhelferhaus – und sind glücklich hier.

«Wir wissen es sehr zu schätzen, dass wir in diesem schönen Haus leben dürfen», erzählt Abreham in gebrochenem Deutsch. «Wir fühlen uns wie neu geboren in der Schweiz. Man merkt, dass hier Demokratie herrscht. Dort wo wir herkommen, hatten wir nichts zu sagen.»

Flucht über Libyen und Italien

Er und seine Frau sind beide in Eritrea geboren. Brikti, deren Mutter bei ihrer Geburt gestorben war, verliess ihr Heimatland aber schon als Kind und ging nach Äthiopien.

Ihr Mann flüchtete aus Eritrea, als er in den Krieg einrücken sollte. «Ich hatte Herzprobleme, darauf nahm niemand Rücksicht. Deshalb bin ich geflohen.» Über Äthiopien reiste er in den Sudan, wo sich das Paar kennenlernte.

Die beiden flohen nach Libyen. Mit dem Schiff fuhren sie nach Italien, von wo aus sie schliesslich in die Schweiz gelangten. Nach zehn Monaten in Buchs lebte das Paar zweieinhalb Jahre lang in einer Asylbewerberwohnung in Sarmenstorf.

«Und jetzt heisst unsere letzte Station Wohlen», so Abreham. Einer seiner grössten Wünsche sei nun, Arbeit zu finden und mit dem eigenen Geld die Miete bezahlen zu können.

Pfarrer zieht positives Fazit

«Wir haben die Entscheidung nie bereut, dass wir im Pfarrhelferhaus eine Asylbewerberfamilie untergebracht haben», sagen Pfarrer Kurt Grüter und Kirchenpflegepräsident Kurt Notter – obwohl es zu Beginn einiges an Kritik gehagelt habe.

«Die Familie Yemaneh ist freundlich und liebenswürdig. Das Haus halten sie sehr sauber», so Grüter. «Wir leben in einer wirklich guten Nachbarschaft.» Notter fügt an: «Das einzige Problem, das wir bisher mit ihnen hatten, war, dass sie eigenhändig eine Satellitenschüssel am Haus befestigt hatten.

Für uns Schweizer geht das natürlich nicht, Leute aus einer anderen Kultur aber können das Problem nicht verstehen.» Gemeinsam sei man nun daran, eine Lösung zu finden, damit die Familie ihre afrikanischen Fernsehsender empfangen könne.

«Klagen können wir aber auf keinen Fall. Wenn die korrekte Platzierung einer Satellitenschüssel das grösste Problem mit Asylsuchenden ist, dann haben wir eindeutig Glück gehabt», schmunzelt Kurt Notter.

Vertrag um ein Jahr verlängert

Wegen der Vorbehalte, die einige Leute gegenüber der Asylbewerberfamilie hatten, habe man den Mietvertrag vorerst auf ein Jahr festgelegt. Per 1. April wird dieser nun um ein Jahr verlängert. «Die Familie ist sehr glücklich darüber und auch wir sind froh, dass das Haus weiterhin sinnvoll genutzt wird», so Notter.

Die Unterbringung dieser Flüchtlingsfamilie sei ein Paradebeispiel, findet Grüter. «Man merkt die andere Kultur. Aber es tut Wohlen und der Pfarrei gut, wenn eine ausländische Familie nicht negativ auffällt.

Wir haben ein Zeichen gesetzt.» Solange nichts Schlimmes vorfalle, oder die Kirche das Pfarrhelferhaus dringend für andere Zwecke benötige, werde die Familie Yemaneh, die sich mit der Bewilligung F in der Schweiz aufhält, noch lange in Wohlen wohnen bleiben, sind er und Notter sicher.

Was Grüter besonders freut: «Die vier sind regelmässige Besucher der Gottesdienste. Und die beiden Kleinen kommen zur ‹Krabbelfeier›.» Am Rande dieser Gottesdienste kämen ihre Eltern oft mit Bewohnern von Wohlen ins Gespräch. «Das ist gut für ihre Integration», hält Grüter fest.

Erfahrungsbericht: An der «Nacht der Begegnungen, Nacht der Lichter» am Freitag, 15. März, wird Abreham Yemaneh über die Erfahrungen seiner Flüchtlingsfamilie berichten. Der kirchliche Anlass findet von 19.15 bis 23.15 Uhr im Chappelehof Wohlen statt.