Wohlen
Fliegen, lachen und träumen: Gelungene Premiere beim Circus Monti

Die moderne Stadtwelt, vermischt mit traditionellen Zirkusnummern wie Jonglage und Trapez: Das ist das berauschende neue Programm «en Bloc» des Circus Monti.

Andrea Weibel
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Der sympathische Clown Mick Holsebeke auf seinem riesigen Ball.

Der sympathische Clown Mick Holsebeke auf seinem riesigen Ball.

Chris Iseli

Von weitem sieht man es leuchten, das Zelt des Circus Monti auf dem Schützenhausplatz. Beim Näherkommen hört man die Wohler Musikgesellschaft, die traditionellerweise das Publikum auf die Premiere einstimmt. Vor dem Zelt erhält man eine der ebenfalls traditionellen Blumen, die an der Monti-Premiere nicht fehlen dürfen. Man betritt das Vorzelt und mit ihm die Montische Zauberwelt. Zirkusdirektor Johannes Muntwyler und seine in ein prächtiges Kleid gehüllte Mutter Hildegard begrüssen gerührt viele Freunde, die zur Premiere erschienen sind.

Vorbei an Popcorn und Zuckerwatte und geführt von Platzanweisern, tritt man ins eigentliche Zelt. Spätestens hier wird man von Spannung und Vorfreude des wartenden Publikums angesteckt. Dann geht es los: Die «polnische WG», wie Regisseur Rico Grandjean das Zirkusorchester nennt, beginnt zu spielen. Ein Sprayer schreibt den Schriftzug «en Bloc» an die Wand.

Schnarchender Clown

Dann wird der Blick auf fünf raumartige Gebilde freigegeben: Ein Raum für das Orchester, daneben vier zu einem symbolischen Hochhaus aufgeschichtete Räume, bewohnt von einem normalen Paar, einem Bücherwurm, einem Bauarbeiter und einer Gruppe Hip-Hopper, unter ihnen auch Tobias und Mario Muntwyler, die Söhne des Direktors. Alle schlafen. Mitten unter ihnen schnarcht ein Clown. Alles wird beobachtet von Dominique Jann, dem sympathischen Schauspieler, der spätestens seit dem in Bremgarten gedrehten Film «Die Standesbeamtin» landesweit bekannt ist.

Dann geht es richtig los. Jann weckt den Clown auf, der mit seinem Lachen von Anfang an für Bauchmuskelkater sorgt. Und auf einmal kommt alles in Bewegung. Mitten in dem Durcheinander beginnt Jann zu erzählen. Von einem Zirkuszelt, das samt dem Zirkusdirektor vom Wind hoch in den Himmel gerissen wurde. Nur der Seiltänzer hätte von all dem nichts gemerkt, er habe weiter auf seinem Seil balanciert. Genauso konzentriert spaziert neben ihm der Sizilianer Giulio Lanzafame über die Wäscheleine und zieht sich unterwegs seine Kleider an.

Bald aber ist die Ruhe vorbei, denn die Hip-Hopper übernehmen die Manege. Mario Muntwyler schnappt sich seine Ringe und beginnt zu jonglieren. Perfekt dazu passend bringt Jann die polnischen Musiker dazu, auf ihren Instrumenten und mit stylischen Mützen Hip-Hop zu spielen.

Zehnte Premiere als Artist

Später jongliert der jüngste Muntwyler mit Keulen und Bällen, begeistert das Publikum und lässt es staunen. Sein älterer Bruder Tobias steht ihm aber in nichts nach. Zusammen mit dem Luzerner Jonas Egli verzaubert er das Publikum in seiner Paradedisziplin, dem Diabolo, wo sich die beiden zeitweise bis zu sieben Rollen hin- und herwerfen. Seit seinem ersten Auftritt an der Seite seines Vaters hat sich Tobias artistisch unglaublich entwickelt. Für ihn war es bereits die zehnte Premiere, die er als Artist miterleben durfte.

Auch der Zirkusdirektor hat seinen Auftritt. Weniger dynamisch als seine Söhne, aber nicht weniger spektakulär balanciert er ein Schwert auf einem Messer, das er wiederum im Mund festhält. Als wäre das noch nicht genug, steht er dabei auf einem wackeligen fliegenden Teppich, der an Seilen durch die Manege schwebt. Die Nummer ist wiederum durch Dominique Jann eingeleitet, der die ganze Monti-Crew ins Stück einbindet - in diesem Fall die marokkanischen Zeltbauer, mit denen er über fliegende Teppiche philosophiert.

Etwas später im Programm zeigen die Leseratte und der Bauarbeiter - das Duo Madrona aus den USA - am Trapez und ihr Landsmann Terry Crane am Vertikalseil, was traditioneller Zirkus zu bieten hat. Weniger traditionell, sondern momentan in der Welt der Artisten stark am aufkommen ist das Roue Cyr, ein grosser Metallreifen, in dem die Kanadierin Sarah Lett durch die Manege wirbelt. Sie wirkt federleicht und wunderschön.

Enorme Muskeln in knappem Kleid

Darauf folgt die Darbietung der ebenfalls aus Kanada stammenden Marie-Eve Dicaire. Erst in ihrem knappen Kleid erkennt man ihre enorme Muskulatur, die sie zu unglaublichen Leistungen auf einer oder zwei Händen befähigt. Nicht schön im eigentlichen Sinn, sondern atemberaubend sind ihre Bewegungen, die auf beeindruckende Muskelkraft hindeuten.

Immer wieder wird das staunende Publikum von Dominique Jann und vom amerikanischen Clown Mick Holsbeke aber wie aus einem Traum in die Wirklichkeit der Manege zurückgeholt. Doch der Clown verfügt nicht nur über ein wunderbar ansteckendes Lachen und lustige Einfälle, sondern verblüfft die Zuschauer auch auf einem riesigen Ball, auf dem er anscheinend blindlings durch die Manege taumelt, den er im Gegenteil aber perfekt beherrscht, ihn lenken und - zur Erleichterung des Publikums - auch bremsen kann.

Mit seiner Show «en Bloc» zeigt der Circus Monti erneut, wie spannend, unterhaltsam, lustig, atemberaubend - in einem Wort: verzaubernd - ein Zirkus sein kann. Traditionelle Zirkusnummern verflechten sich mit modernen Ideen und dem bekannten Charme der Familie Muntwyler. Eine äusserst gelungene Premiere, ein rasantes, tolles Programm.