Villmergen
Fischhaltung, komplizierter als gedacht

Erich Bühlmann sagt, worauf es bei Haltung von Zierfischen ankommt und was ein grosses Aquarium bringt.

Verena Schmidtke
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Vereinspräsident des Aquariumvereins Artemia, Erich Bühlmann, zeigt stolz sein Aquarium. Verena Schmidtke

Vereinspräsident des Aquariumvereins Artemia, Erich Bühlmann, zeigt stolz sein Aquarium. Verena Schmidtke

Verena Schmidtke

Fische nicht nur schön anzusehen, sondern auch wegen ihrer beruhigenden Wirkung beliebt. Vor der Anschaffung eines Aquariums sollte sich der Käufer allerdings gründlich informieren, denn die Haltung von Zierfischen ist eine komplexe Angelegenheit. Neben dem Zoofachhandel sind Vereine eine wertvolle Informationsquelle für Aquarianer und solche, die es werden möchten. In Villmergen gibt es seit 1999 den Aquariumverein Artemia (AVA).

Der Verein zählt 45 Mitglieder, die meisten kommen aus der näheren Umgebung, einige aber sogar aus Thun. «Dass sich einige Mitglieder regelmässig für Veranstaltungen wie Vorträgen und Stammtischtreffen auf den weiten Weg zu uns machen, freut uns sehr. Ich denke, das spricht für unseren Verein», sagt Vereinspräsident Erich Bühlmann.

Zweck und Ziel des Vereins seien die Verbreitung der Aquarium- und Terrarienkunde, die Vertiefung des Naturverständnisses und natürlich auch die Pflege guter Kameradschaft. AVA gehört zum schweizerischen Dachverband der Aquarien- und Terrarienvereine (SDAT), den Erich Bühlmann ebenfalls präsidiert.

Problem für einheimische Fauna

Seit seiner Jugend begeistere er sich für Aquaristik, berichtet Bühlmann. Bevor er nach Villmergen zog, war er in Zürich in einem Aquariumverein. Hier im Ort traf er im Geschäft «Aquarium und Teich AG» auf viele Gleichgesinnte, woraus sich die Vereinsgründung ergab. «Laden und Verein unterstützen sich und pflegen regen Austausch», so der Vereinspräsident. Schmunzelnd fügt er hinzu: «Am Wochenende ist das Geschäft manchmal sogar ein informeller Treffpunkt.»

Natürlich sei er sich bewusst, dass es auch Kritik an der Zierfischhaltung gibt. Erst kürzlich erschien in der NZZ der Artikel «Der Ozean im Wohnzimmer». Darin erklärt Hans Gonella, der in Embrach ein Fischtierheim betreibt, das ein Projekt des Vereins Aquarium Zürich ist, er fände einen Sachkundenachweis für Aquarianer sinnvoll. Denn viele Halter hielten die Fische nicht artgerecht. Gonella ist ebenfalls im Vorstand des SDAT; die Aquarianer sind gut vernetzt.

Bühlmann, der an der Kantonsschule Wohlen Biologie unterrichtet, meint zu Gonellas Vorschlag: «An sich ist die Idee nicht verkehrt. Die Frage ist, ob sie sich umsetzen lässt.» Der Bereich der Aquaristik sei sehr komplex, erklärt er, dabei gehe von den verschiedenen Fischarten, deren Verhalten und Anforderungen bei der Haltung weiter zu Pflanzen und Bodenbeschaffenheit bis hin zur Technik, die in ein Aquarium gehöre. Es sei schwierig, das alles in einen Kurs zusammenzufassen. Ihn ärgere es sehr, wenn einige Halter mit den Tieren falsch umgehen, sie aussetzen oder einfach das WC hinunterspülen. Für die einheimische Fauna können ausgesetzte Fische zum Problem werden. So ein Verhalten werfe auf das Hobby ein schlechtes Licht. Dennoch setze er statt auf einen Sachkundenachweis eher auf den gut ausgebildeten Zoofachhandel, wie es auch Felix Weck, der Präsident des Verbands zoologischer Fachgeschäfte im Artikel der NZZ betont.

Letztlich müsse man auf die Vernunft der Leute bauen, so Bühlmann. «Bevor man sich zum Kauf entschliesst, sollte man unbedingt klären, wie viel Zeit und Geld man in dieses anspruchsvolle Hobby investieren möchte. Es ist nun einmal am wichtigsten, dass die Tiere artgerecht gehalten werden. Alles andere ist den Fischen gegenüber nicht in Ordnung.» Deshalb empfiehlt er Interessierten dringend, sich ausführlich im Zoofachhandel zu informieren. Nicht sparen sollte man beim grossen Aquarium, denn je grösser dieses sei, desto stabiler sind die Wasserwerte.

Allgemeines zur Fischhaltung

Weltweit werden vermutlich Milliarden Fische gehalten, in der Schweiz mögen es mehrere Millionen sein. Die meisten der Tiere werden aus Asien, Südamerika und Osteuropa importiert. Aquaristik bietet eine grosse Themenvielfalt: die verschiedenen Arten und ihre artgerechte Haltung sowie beispielsweise deren Züchtung.

Wer aber mehr als 1000 selbstgezüchtete Fische pro Jahr abgibt, muss über eine fachspezifische berufsunabhängige Ausbildung verfügen. Von Bedeutung sind die Pflanzen für das Aquarium, mit welchem Wasser sie harmonieren, wie sie gedüngt werden sollten und wie sie gezüchtet werden, um nur einige Aspekte zu nennen. Es gibt Vereine, die sich nur mit diesen Aquarien-Pflanzen befassen. Auch für Technikfreaks ist die Aquaristik interessant, da es eine Vielzahl von Pumpen- und Filtersystemen gibt. Dann ist das Thema Wasserqualität von Bedeutung. Ein Aquarium ist kein Deko-Element, sondern ein Lebensraum. Aquaristik ist daher ein anspruchsvolles Hobby.

Bei den Fischarten im Aquarium gibt es Modeströmungen, der klassische Goldfisch ist heute viel eher im Teich als im Aquarium anzutreffen. Vor einigen Jahren waren Garnelen im Trend, das ebbe gerade ab, so Erich Bühlmann (Vereinspräsident des AVA). Momentan seien Salmler und Barben bei Aquarianern beliebt. (VS)

Mehr zum Thema finden Sie online unter www.fischwissen.ch