Hermetschwil
Feurige Neuheiten aus dem Freiamt: Start-up «Chili Star» kreiert scharfe Ringe

Drei Männer züchten Chili und erfreuen damit bald die abgebrühten Gaumen. Das Start-up «Chili Star» stellt Chiliprodukte in vielen Variationen her. Bald beginnt in Hermetschwil die Ernte.

Verena Schmidtke
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Die Inhaber von «Chili Star» sind bereit für die Ernte ihrer Chilipflanzen in Hermetschwil-Staffeln: Marius Keusch, Lorenz Burri und Robert Keusch (von links).

Die Inhaber von «Chili Star» sind bereit für die Ernte ihrer Chilipflanzen in Hermetschwil-Staffeln: Marius Keusch, Lorenz Burri und Robert Keusch (von links).

Verena Schmidtke

Das 32 Meter lange Treibhaus im Garten der Familie Keusch in Hermetschwil-Staffeln fällt gleich ins Auge. «Alles selbst gebaut», berichten Robert und Marius Keusch sowie Lorenz Burri von «Chili Star» nicht ohne Stolz. «Die Chilipflanzen sind jetzt bis zu 1,80 Meter hoch.» Marius Keusch zeigt ein Foto von Anfang Juni, als die Pflanzen noch ganz klein waren, jetzt sind sie in diesen Tagen kaum wiederzuerkennen. Keusch führt aus: «Nicht mehr lange und wir können mit der Ernte beginnen.» Das junge Start-up-Unternehmen «Chili Star» verkauft knackige Feuerringe eingelegt in Öl und delikates Chilisalz. Alle Chilipflanzen werden vor Ort angebaut.

Ein Gang durch das Treibhaus, das mit einer hellen Plane abgedeckt ist, offenbart eine Vielfalt an Sorten. Von der kleinen runden Urchili, die ursprünglich aus Peru stammt, über feurige Habaneros bis zu «Joe’s Long», eine der längsten Chilis der Welt, gibt es vieles zu entdecken. Die meisten Schoten sind noch grün, zwischen den Pflanzen blitzt aber hier und da bereits etwas Rot hervor.

Ist reif: Eine Chili der Sorte «Joe’s Long».

Ist reif: Eine Chili der Sorte «Joe’s Long».

Verena Schmidtke

Korianderduft zum Schutz vor Mäusen

Zum Schutz vor Schnecken sind die Pflanzen in Bodennähe von einem Dosenrand umgeben. Keusch dazu: «Wir setzen auf biologischen Anbau mit Mischkulturen ohne Pestizide. Zum Schutz vor Mäusen findet man hier Koriander, diesen Duft mögen sie überhaupt nicht.» Nach der Ernte werde das Treibhaus wieder abgebaut. Die Inhaber erklären: «Wir haben eine Baugenehmigung für sechs Monate. Nächstes Jahr bauen wir es wieder auf. Etwas versetzt, neuer Boden ist gut für die Pflanzen.»

Der Weg zum Start-up begann vor acht Jahren, damals dachte Robert Keusch noch gar nicht daran, dass aus der Idee mal ein kleines Unternehmen werden könnte. «Ein italienischer Kollege gab mir das Rezept für in Öl und Salz einge- legte Peperoncini für den Eigenbedarf», erinnert sich der Geschäftsführer, «die kamen auch bei Freunden so gut an, dass daraus mit der Zeit mehr wurde.» In der Schweiz habe es die bislang nicht gegeben. «Die Ringe passen beispielsweise zu Pizza, Pasta, Suppe und Raclette», informiert «Chili Star».

Im Jahr 2018 erfolgten dann der Versuch mit einer Testplantage sowie eine Marktsondierung. Für die grössere Menge an Gläsern habe dann auch das Verfahren für die eingelegten Chili-Ringe angepasst werden müssen. Keusch dazu: «Es ist ein geheimes Rezept. Den Kernprozess kennen nur ganz wenige Personen.» Wichtig sei, dass der Vorgang ohne Hitze erfolge. «Davon werden die Chilis nur matschig, das wollen wir nicht», betonen die Firmeninhaber, «unsere Feuerringe sind schön knackig.» Mittlerweile arbeitet die Bremgarter Pizzeria Venezia mit den feinen Peperoncini.

Es ist ein geheimes Rezept. Den Kernprozess für die eingelegten Chili-Ringe kennen nur ganz wenige Personen.

(Quelle: Robert Keusch, Inhaber «Chili Star»)

Produktion des Chiliringe dauert vier Wochen

Da es so gut lief, erfolgte im November 2019 die Firmengründung der «Chili Star GmbH». Neben den «Feuerringen» in unterschiedlich scharfen Varianten, bietet Chili Star auch feurig-fruchtiges Chilisalz an. Verarbeitet werden die Schoten bei Robert Keusch. Er erläutert das Vorgehen: «Dafür haben wir uns bei einem Lebensmittelinspektor erkundigt, die Verarbeitung in einer Wohnung ist erlaubt. Vorausgesetzt natürlich, dass alle Hygienevorschriften eingehalten werden.» Bei der letzten Ernte habe die Produktion der Ringe und des Salzes gut vier Wochen gedauert.

Wegen Corona gibts aktuell keine Degustationen

Die neu gegründete Firma hatte einiges geplant, doch dann sei die Coronakrise gekommen. «Das Jahr 2020 hatten wir uns etwas anders vorgestellt», stellt Keusch fest. «Aufgrund der Coronapandemie können momentan keine Degustationen stattfinden. Ausserdem haben viele Restaurants mit hohen Einbussen zu kämpfen, da ist es schwierig Partner zu finden. Werbung läuft derzeit viel über Mundpropaganda.»

Glücklicherweise habe «Chili Star» einige Metzgereien in der Region wie Köpfli in Wohlen, Reussthal Metzg in Niederwil oder Sax in Büttikon für sich begeistern können. Der Geschäftsführer freut sich: «Der Volg Freiamt führt neuerdings unsere Produkte im Sortiment, das ist prima. Damit haben wir jetzt insgesamt 14 Verkaufspunkte.» Nun sei «Chili Star» bereit für die Ernte 2020.

Hinweis

Weitere Informationen zu den Chilis gibts auf www.chilistar.ch.