Dottikon
Feuerwerk statt Adventskränzen: Elsa Espinoza über Weihnachtsfeiern in zwei verschiedenen Kulturen

Früher verbrachte Elsa Espinoza Weihnachten auf den Strassen, heute feiert sie, wie sie es vom Fernsehen kennt.

Natasha Hähni
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Heute feiert Elsa Espinoza Weihnachten im kleinen Familienkreis daheim in Dottikon. Früher in Mexiko war das anders.

Heute feiert Elsa Espinoza Weihnachten im kleinen Familienkreis daheim in Dottikon. Früher in Mexiko war das anders.

Natasha Hähni

Elsa Espinoza wohnt seit knapp 20 Jahren im Freiamt. Ursprünglich kommt sie aus Mexiko, genauer gesagt aus Tijuana gleich an der Amerikanischen Grenze. Die Nähe zum Land der unzähligen Möglichkeiten steuerte dazu bei, dass sie sich als Kind immer eine Weihnacht wie im amerikanischen Fernsehen wünschte. Eine, bei der die ganze Familie gemeinsam am Tisch sitzt und den Truthahn anschneidet. Die Realität sah jedoch etwas anders aus, wenn auch nicht unbedingt schlechter, wie die heute 50-Jährige erzählt:

«Meine Eltern stammen aus einer kleinen Stadt in der Nähe von Mexico City. Dort fuhren wir jedes Jahr hin. Acht Personen, drei Tage lang in einem Auto, mitten durch die Wüste, das war jedes Mal ein Abenteuer.» Ihre fünf Brüder und Schwestern und sie selbst waren bei weitem nicht die einzigen Kinder an der Familienfeier. «Meine Mutter und mein Vater haben je elf Geschwister. Die wiederum hatten auch alle eine Familie. Schlussendlich hätten wir wohl fast eine ganze Schule mit Kindern füllen können», erinnert sie sich lachend.

Die verlorene kleine Schwester

Ein gemütliches Zusammensitzen an einem Tisch war also schon aus Platzmangel nicht möglich. Für eine Horde aufgestellter Kinder und Jugendliche stellte das natürlich kein Problem dar, sondern bedeutete Freiraum. «Alle Kinder versammelten sich draussen auf den Strassen. Dort haben wir dann gemeinsam Feuerwerke angezündet und Piñatas zerschlagen», so Espinoza. Piñatas sind Pappfiguren, die mit Süssigkeiten gefüllt werden. Mit einem Stock schlägt immer eine Person auf die Figur ein, bis die Süssigkeiten herausfallen.

«Wenn wir Hunger oder Durst hatten, gingen wir einfach bei einem Verwandten vorbei und nahmen das mit, worauf wir gerade Lust hatten.» Letzten Endes hätten sie immer einen vollen Magen und viel Spass gehabt. Doch ist es nicht gefährlich, Kinder alleine auf den Strassen einer mexikanischen Kleinstadt spielen zu lassen? «Ich denke nicht, dass ich meine Kinder dort spielen lassen würde, schon gar nicht über Weihnachten», findet Espinoza. Gefährlich sei es aber nie gewesen.

«Die 70er-Jahre in Mexiko waren eine ruhige Zeit. Angst vor Überfällen musste man nicht haben.» Einmal sei ihre 3-jährige Schwester verloren gegangen. «Wir waren auf dem Weg vom Haus meiner Grossmutter zu dem einer Tante, plötzlich sahen wir meine Schwester nicht mehr. Als wir auf der Polizeistation ankamen, sagte man uns, dass ein Kollege sie gefunden hätte. Da Mittagszeit war, hatte er sie mit nach Hause genommen, wo sie mit seiner Familie zu Mittag gegessen habe. Danach brachte er sie wieder auf die Polizeistation. Ich weiss noch, wie fasziniert sie uns erzählt hat, was sie alles gegessen hatte», erzählt Espinoza schmunzelnd.

Geschenke erst nach dem Fest

Das einzige, was ihr an diesen Festen fehlte, waren die Geschenke. Im Landesinneren sei es Brauch, dass die Familienväter nach der Mitternachtsmesse auf den lokalen Markt gehen und ihren Kindern Geschenke kaufen. «Unser Vater ging nie auf den Markt. Wir bekamen unsere Geschenke immer erst, als wir wieder zurück in Tijuana waren.» Dafür seien ihre Geschenke meistens in den USA und nicht auf einem Markt gekauft worden und so hochwertiger.
Auf die Weihnachtsfeiern ihrer Kindheit schaut Espinoza gerne zurück. Trotzdem ist sie froh, heute ein ruhiges Fest mit engen Verwandten zu feiern. «Wir sind meistens acht Personen. Am 25. Dezember schneiden wir den Truthahn an, genau wie im Fernsehen», sagt sie mit einem Strahlen im Gesicht.

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