Hägglingen

Feuerwehr rettet in Hägglingen rund 100 Primarschüler

Passanten, die zufällig durch das Hägglinger Dorfzentrum schlendern, sind schockiert. Scheinbar hat es im ersten Stock des Primarschulhauses eine Explosion gegeben und die Kinder sitzen in ihren Klassenzimmern fest. Doch es war nur eine Übung.

Feuerwehrmänner stürmen wild umher, Sirenen von Ambulanzen heulen auf und Leitern werden zu den verzweifelt winkenden Kindern emporgehoben.

Das Horrorszenario lässt die rund 250 Schaulustigen, die dem Treiben bereits folgen, jedoch kalt. Thomas Keusch, der Kommandant der Feuerwehr Hägglingen, hat sie bereits im Voraus darüber aufgeklärt, dass dies lediglich die jährliche Hauptübung sei und wie diese ablaufen werde.

Strukturiertes Durcheinander

Einige Minuten zuvor dröhnt ein lauter Knall aus dem Schulhaus. Bereits Sekunden später erklingt die Alarmglocke und kurz darauf eilt der Einsatzleiter herbei. Zuerst rennt er um das Schulhaus, um sich einen Überblick zu verschaffen. Dann überschlagen sich die Ereignisse: Mit Blaulicht rasen die Feuerwehrautos um die Kurve und aus allen Winkeln strömen die Retter herbei. Die Szene mutet an wie ein heilloses Chaos. Bei genauerem Hinsehen erkennt man aber: Das ist ein äusserst durchorganisiertes Gewirr. Die Feuerwehrleute aus Hägglingen und Wohlen arbeiten hoch konzentriert und wissen, was sie erledigen müssen. Wasser schiesst in die Höhe, Kinder werden aus dem 4. Stock evakuiert und Verletzte verarztet. Nach 40 Minuten ist der imaginäre Spuk für die Opfer und das Spektakel für die Zuschauer vorüber. Mit grossen Augen verfolgten die Hägglinger Kinder das Treiben, welches wohl in einigen den Traum weckte, eines Tages ebenfalls zu den uniformierten Rettern zu gehören.

Viel Lob und ein Tadel

Am Ende der Hauptübung zeigt sich Kommandant Thomas Keusch zufrieden, zumal er selbst nicht Hand anlegte. Stattdessen kommentierte er die Übung für das Publikum - folglich kommt die Feuerwehr auch zurecht, sollte Keusch bei einem Notfall gerade im Urlaub sein. Was bei dieser Übung indes besonders knifflig war, sei die Evakuierung der Kinder gewesen. «Die Feuerwehrmänner müssen sehr achtsam mit ihnen sprechen, ihnen den Ablauf der Evakuierung genau erklären und ihnen die Angst vor der langen Leiter nehmen», sagt Keusch. All das sei den Rettungskräften jedoch bestens gelungen.

Das Einzige, was er zu beanstanden hatte, war das mangelhafte Wissen über die sogenannte Karabinerbremse. Offensichtlich gebe es einige Feuerwehrleute, die diese Sicherungstechnik nicht ganz beherrschen. «Das ist ein Teil der Grundausbildung und muss von Zeit zu Zeit eben aufgefrischt werden», so Keusch. Das ist aber nur ein Detail der ganzen Übung.

Allgemein sorgte die Hauptübung dafür, dass die Bevölkerung ihr Vertrauen in die Feuerwehr bestätigen konnte, dass sich die Schaulustigen satt sehen konnten und dass die Kinder für einmal auch am Wochenende gerne zur Schule gingen.

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