Berikon/Widen
Feuerwehr Mutschellen sucht Verstärkung – denn sie wird nicht nur in Brandfällen gerufen

Die Feuerwehr Mutschellen wird nicht nur bei Brandfällen alarmiert, Nr. 118 hilft bei vielen Ereignissen.

Walter Christen
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Die Feuerwehr Mutschellen steht in Berikon und Widen im Einsatz und darf am 27. Oktober ihr neues Tanklöschfahrzeug übernehmen und auch gleich vorführen.

Die Feuerwehr Mutschellen steht in Berikon und Widen im Einsatz und darf am 27. Oktober ihr neues Tanklöschfahrzeug übernehmen und auch gleich vorführen.

FWM

Es brennt, der Keller steht unter Wasser oder ein Unfall hat sich ereignet: Telefonnummer 118 wählen, die Feuerwehr rückt aus! Rote Autos mit Blaulicht und Martinshorn, Leute in Uniform, Schläuche, Wasser und Leitern – so stellt man sich einen Feuerwehreinsatz vor. Dass eine grosse Organisation mit seriöser Vorbereitung dahintersteht, lässt sich bloss erahnen. Viel Spezialwissen, unzählige Übungen und disziplinierte Teamarbeit führen auf dem Schadenplatz zum guten Ergebnis für die ausgerückte Feuerwehr.

Damit es beispielsweise in Berikon und Widen so bleibt und die Sicherheit der Bevölkerung auch in Zukunft gewährleistet werden kann, ist die Feuerwehr auf personelle Verstärkung angewiesen, wie es in einer Mitteilung heisst. Die Feuerwehr Mutschellen lädt daher interessierte Frauen und Männer zwischen dem 20. und 35. Altersjahr aus beiden Dörfern am 18. Oktober, um 20 Uhr, ins Feuerwehrlokal Widen zur Rekrutierung ein und hofft, den Mannschaftsbestand mit motivierten, neuen Mitgliedern ergänzen zu können.

14 Prozent Frauen

Bedeutet das, die Feuerwehr ist personell unterdotiert und kann im Ernstfall ihre Aufgaben nicht erfüllen? «Nein, so ist es überhaupt nicht», betont Patrick Koller, seit 2013 Kommandant der Feuerwehr Mutschellen. «Wir verfügen derzeit über einen Bestand von 101 Feuerwehrdienstleistenden, bei einem von der Aargauischen Gebäudeversicherung vorgegebenen Sollbestand von 100 Personen. Im Laufe des Jahres gibt es immer wieder Angehörige der Feuerwehr, die aus dem Korps austreten und die es zu ersetzen gilt».

In der Feuerwehr Mutschellen beträgt der Anteil Frauen etwa 14 Prozent. Wie der Kommandant weiter ausführt, seien diese im Moment hauptsächlich bei der Sanität eingeteilt, und eine gehöre der Verkehrsabteilung an. Insbesondere diese Abteilung sucht aktuell Verstärkung. Natürlich kommen weibliche Feuerwehdienstleistende auch in den Lösch- oder Rettungszügen zum Einsatz.

Werktags, wenn viele Angehörige der Feuerwehr Mutschellen und der Feuerwehr Rudolfstetten-Friedlisberg auswärts ihrer Beschäftigung nachgehen, besteht von 6 bis 18 Uhr ein Alarmverbund. Damit ist sichergestellt, dass bei einem grösseren Ereignis tagsüber genügend Personal schnellstmöglich eingesetzt werden kann.

Elementarereignisse vor allem

Auf die Frage, wann in Berikon oder Widen der letzte grössere Brand ausgebrochen ist, antwortet Kommandant Koller: «Es sind heutzutage weniger Brände, sondern Elementarereignisse, mit denen wir uns befassen müssen. Das heisst, die technische Hilfeleistung ist zur eigentlichen Hauptbeschäftigung der Feuerwehr geworden.» Ein Blick auf die diesjährige Einsatzstatistik zeigt in der Tat Wasserschäden, umgestürzte Bäume, Verkehrsregelung bei Unfällen und ähnliche Ereignisse, bei denen die Feuerwehr Mutschellen aufgeboten wurde.

Doch ein Einsatz bleibt wohl nicht nur den damals alarmierten Feuerwehrleuten in Erinnerung, sondern auch der Bevölkerung, als es am 10. April hiess: «Bombenalarm im ‹Berimärt›.» Sogar ein Bombenroboter wurde dabei von der Polizei eingesetzt.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden die meisten freiwilligen Feuerwehren gegründet, um primär Brände zu löschen. Im Laufe der Jahre hat sich das Schwergewicht der Einsätze verlagert. Heutzutage ist eine Feuerwehr in der Grössenordnung der Feuerwehr Mutschellen, die seit 2007 besteht und aus dem Zusammenschluss der Feuerwehren Berikon und Widen entstanden ist, mit einem kleinen bis mittleren Betrieb zu vergleichen.

Neues Tanklöschfahrzeug

Viel Zeit müssen das Kommando und die Verwaltung für Büroarbeit aufwenden. Ebenso wichtig und auch zeitaufwendig ist die Wartung und Reparatur der Geräte. Die Modernisierung hat der Feuerwehr viele technische Hilfsmittel und Geräte beschert, die unterhalten und instandgehalten werden müssen. Das beginnt bei den Fahrzeugen, beinhaltet deren gesamte Ausrüstung und führt über das Material bis zum Feuerwehrdepot selbst. Die Feuerwehr Mutschellen verfügt über 3 Fahrzeuge im Depot Berikon und weitere 4 im Depot Widen. Am Samstag, 27. Oktober, findet beim Feuerwehrlokal Berikon im Rahmen der Hauptübung die Übergabe des neuen Tanklöschfahrzeugs (TLF) statt. Der Anlass beginnt um 11 Uhr. Um 13.30 Uhr stehen die Vorführung und Einweihung des neuen TLF auf dem Programm.

Bürgerpflicht: Rekrutierungsanlässe der Feuerwehren

Feuerwehrdienst zu leisten, ist grundsätzlich eine Bürgerpflicht. Doch niemand wird dazu gezwungen. Deshalb zählen die Verantwortlichen bei den Feuerwehren auf die Freiwilligkeit und führen in der Regel jedes Jahr einen Informationsanlass für interessierte Einwohnerinnen und Einwohner durch, wie ihn die Feuerwehr Mutschellen auf den 18. Oktober angekündigt hat.

Auch andere Feuerwehren im Freiamt handeln nach diesem Prinzip. «Unseren Bestand haben wir zwar auf 115 Personen begrenzt. Doch wir sorgen selbstverständlich dafür, dass stets genügend Leute eingeteilt sind, und veranstalten deshalb am 24. Oktober, um 20 Uhr, im Feuerwehrlokal einen Rekrutierungsabend», erfuhr die AZ etwa vom Wohler Feuerwehrkommandanten Marcel Christen.

«Ich bin zufrieden mit unserer Dotation. Aktuell sind 116 Frauen und Männer eingeteilt», lautete die Auskunft von Thomas Strebel, Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Muri, auf Anfrage der AZ. Dennoch findet am 22. Oktober, um 19 Uhr, im Feuerwehrmagazin ein Rekrutierungsabend statt. Alle 20-Jährigen aus Muri, Buttwil und Geltwil sowie die Neuzuzüger wurden schriftlich zur Teilnahme eingeladen. (chr)