Muri

Feuerbrand gefährdet bis zu 300 Obstbäume

Die Verschleppung des Feuerbrandes durch Mensch oder Insekten führt zu weiteren Infektionen von gesunden Pflanzen.  blw

Die Verschleppung des Feuerbrandes durch Mensch oder Insekten führt zu weiteren Infektionen von gesunden Pflanzen. blw

Voraussichtlich müssen die in Muri befallenen Bäume gefällt und verbrannt werden. Die Kontrollen beginnen nach Pfingsten. Entscheidend für den jährlichen Feuerbrandbefall ist die Witterung während der Blüte der Äpfel-, Birnen- und Quittenbäume.

Muri und wahrscheinlich auch umliegenden Gemeinden sind massiv vom Feuerbrand, einer hochansteckenden Bakterienkrankheit, die Kernobstbäume befällt, betroffen. «Zur Zeit kann noch nicht abgeschätzt werden, wie stark das Ausmass ist», sagt Geri Busslinger, Leiter Pflanzenschutzdienst Kanton Aargau am Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in Gränichen.

«Wir gehen aber davon aus, dass allein in Muri von den 17000 Bäumen etwa 300 befallen sind und gerodet werden müssen.» Um einen Überblick über die Befallsstärke zu erhalten, werden ausgebildete Feuerbrandkontrolleure im ganzen Gemeindegebiet von Muri ab Dienstag unterwegs sein.

Interessanterweise sieht die Situation in den anderen Regionen des Kantons gut aus.

Witterung förderte Krankheit

Entscheidend für den jährlichen Feuerbrandbefall ist die Witterung während der Blüte der Äpfel-, Birnen- und Quittenbäume. «Der Frühling verlief ganz zugunsten der gefährlichen Bakterienkrankheit Feuerbrand», stellt Busslinger fest.

Die warme Witterung und die Tatsache, dass das Bakterium in der Region bereits aus früheren Jahren vorhanden war, habe in der Gemeinde Muri zu massiven Feuerbrandinfektionen geführt. Noch könne erst ein geübtes Auge die Infektionen erkennen. «Es ist aber damit zu rechnen, dass die Schäden mit der feuchten Witterung bereits nächste Woche deutlicher ersichtlich sind.» Bereits bekannt ist die Betroffenheit von zwei Obstanlagen in Muri. Auch gehen die Fachleute davon aus, dass die Situation in den angrenzenden Gemeinden nicht wesentlich anders ist.

Nicht berühren

Befallen werden Hochstamm- genauso wie Niederstammbäume. «Bei den Niederstammbäumen ist Feuerbrand sogar noch einfacher festzustellen, weil man die Infektionen besser sehen kann», erklärt der Leiter Pflanzenschutzdienst. Da Feuerbrand hochansteckend ist, müsse alles unternommen werden, damit gesunde Pflanzen nicht angesteckt werden. «So gesehen relativiert sich die Zahl von geschätzten 300 Obstbäumen, die entfernt werden müssen. Damit schützen wir 16 700 gesunde Bäume vor der Ansteckung. Befallene Bäume sollten nicht berührt werden. «Bei Befallsverdacht ist der Feuerbrandkontrolleur der Gemeinde zu benachrichtigen. Dieser wird den Fall beurteilen und Massnahmen veranlassen.

Roden und verbrennen

Und diese sind rigoros: Eine Rodung befallener Pflanzen ist in einem Gürtel von 500 Metern rund um die Schutzobjekte Pflicht. Ausserhalb dieser Zone wird die Rodung von den verantwortlichen Stellen im Kanton Aargau empfohlen.

In Fällen, wo begründete Aussicht auf Erfolg besteht, kann mit einem fachlich begleiteten Rückriss (entfernen befallener Pflanzenteile ohne Schneidewerkzeug) versucht werden, die Infektion zu bekämpfen. Die Gemeinden nördlich von Muri befinden sich in der so genannten Einzelherdzone, in welcher eine Rodung aller befallenen Pflanzen gesetzlich vorgeschrieben ist.

Die Kosten für Kontrollen und Rodungen werden von Bund und Kanton getragen. Auch werden Ertragsausfälle durch die Rodung – wenn auch bescheiden – abgedeckt. Die gerodeten Pflanzen werden möglichst an Ort und Stelle verbrannt. «Damit verhindern wir, dass das Bakterium verschleppt wird.» Für die Verbrennung dieser Bäume werden jeweils bei der Gemeinde die entsprechenden Bewilligungen eingeholt, die Polizei ist wegen der Rauchentwicklung ebenfalls informiert.

Im Aargau erfolgreich

Seit dem Auftreten des Feuerbrandes 1994 im Kanton Aargau wird erfolgreich die Strategie der Tilgung von Einzelherden umgesetzt, wie Busslinger weiter festhält. Nach den schlimmen Feuerbrandjahren 2007 und insbesondere 2008 musste der südliche Kantonsteil in die Befallszone umgeteilt werden.

In Befallszonen ist die Ausrottung des Feuerbrandes nicht mehr konsequent umsetzbar, weil der Druck der Krankheit in der Region bereits zu hoch ist. Ausserhalb von Schutzobjektgürteln können bei leicht befallenen Bäumen Infektionsherde durch Rückriss entfernt werden. Dieser Rückriss muss fachlich begleitet werden.

Auch in leicht befallenen Obstanlagen besteht diese Möglichkeit. «Nur mit einer Reduktion des Infektionspotenzials kann die Feuerbrandseuche weiterhin erfolgreich eingedämmt werden», unterstreicht der Leiter des kantonalen Pflanzenschutzdienstes.

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