Coronakrise

Fernunterricht: In Wohlen wurden Lehrer zu Influencern und verteilten Essen mit dem Velo

Die Wohler Schulleiterin Franziska Walti (Oberstufe Junkholz) und Bezlehrer und ICT-Verantwortlicher Markus Fricker.

Die Wohler Schulleiterin Franziska Walti (Oberstufe Junkholz) und Bezlehrer und ICT-Verantwortlicher Markus Fricker.

Die Lehrer in Wohlen waren in den drei Wochen des Fernunterrichts sehr kreativ. Die Schulöffnung am 11. Mai sehen viele als Herausforderung.

Nach acht Wochen ohne Präsenzunterricht herrscht an den Volksschulen ab Montag wieder der «Courant normal». Mit normalen Klassengrössen und Schutzmassnahmen. Vorbei ist damit auch die Zeit des dreiwöchigen Fernunterrichts für die rund 2300 Wohler Schülerinnen und Schüler. Sowohl die Schulpflege wie auch die Lehrerschaft ziehen eine positive Bilanz dieser digitalen Erfahrung.

Markus Fricker, Bezlehrer und ICT-Verantwortlicher, erklärt: «Wir waren als Schule schon vor Corona gut aufgestellt, deshalb war für uns keine Hauruckübung nötig.» So habe etwa die Schule Wohlen bereits vor Jahren auf Office 365 umgestellt mit der Arbeits-Plattform Teams. Der plötzliche Fernunterricht war eine ganz neue Erfahrung für die Wohler Lehrerinnen und Lehrer.

Silvia Mötteli, Lehrerin an der Primarschule Bünzmatt, beschreibt es so: «Influencerin? Informatikerin? Zwei Berufsfelder, mit denen ich so gar nichts am Hut habe. Plötzlich gehörte das zu meinem Lehreralltag. Als erstes galt es, alle technischen Probleme zu lösen, damit alle arbeitsfähig waren. Es gab unzählige Fragen und Probleme. Ich lieh insgesamt zehn Kindern einen Laptop von der Schule aus, andere Kinder unterstützte ich an ihren persönlichen Geräten.»

Laut Rolf Stadler, Präsident der Schulleiterkonferenz, war der Bedarf an Geräten pro Klasse sehr unterschiedlich. In den unteren Stufen wie Kindergarten oder Primarstufe wurden die Aufträge auf Papier verteilt, konnten aber je nach Aufgabenstellung digital gelöst werden. «Je weiter oben in der Stufe, desto Informatik-lastiger verhielt es sich», sagt Stadler. Gearbeitet wurde einerseits in normalen Onlinekonferenzen in der Klasse aber auch mit individuellem Coaching der Schüler. Fricker gibt ein Beispiel: «Wir haben festgestellt, dass man nicht wie sonst üblich 45 Minuten konzentriert Mathematik online unterrichten kann und deshalb die Aufgaben angepasst.»

Lehrerin verteilt mit dem Velo Lebensmittel

Franziska Walti, Schulleiterin der Oberstufe Junkholz, lobt ihre Kollegen: «Die Lehrpersonen waren sehr kreativ in der Unterrichtsgestaltung und die gegenseitige Unterstützung sehr gross. Eine Hauswirtschaftslehrerin verteilte zum Beispiel die benötigten Lebensmittel per Velo den Schülern. Die Lehrer sind grösstenteils zufrieden, wie die Schüler in dieser Phase arbeiteten und wie die Eltern alles gut mitgetragen haben.» Aber natürlich freuten sich alle, die Kinder am Montag wieder im Direktkontakt zu sehen.

Mit der Wiederaufnahme des Schulbetriebs ändert sich vieles. «Wir gehen mit grossem Respekt im Alltag heran. Das Abstand halten ist eine Herausforderung in den Klassen», blickt Stadler voraus. Desinfektionsmittel ist überall vorhanden, die Hauswartung wird öfter reinigen, Lehrer können auf Wunsch ihr Pult mit Plexiglas schützen und Lehrpersonen in spezifischen Fächern tragen Schutzvisiere – das sind einige der Schutzmassnahmen.

Nicht alle werden jedoch wieder erscheinen. Schätzungsweise 10 bis 15 Gesuche gab es bisher von Eltern, die ihre Kinder weiterhin nicht zur Schule schicken wollen, weil entweder sie selber oder die Kinder zur Hochrisikogruppe zählen. Bei einem entsprechenden Arztzeugnis werde man diese deshalb wie bis anhin mit Schulstoff für daheim versorgen.

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