Argovia-Fäscht
Ferien gestrichen: Vom Argovia-Fäscht direkt ins Spital

Die Stimmung am Argovia-Fäscht erreichte heute vor einer Woche ihren Höhepunkt, als Bligg die Bühne betrat und die Bühne zum Beben brachte. Mitten unter den zigtausend Fans stand Yvonne Balmer mit Enkelin Rahel.

Sebastian Hagenbuch
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Yvonne Balmer ist derzeit an den Rollstuhl oder das Bett gebunden. seb

Yvonne Balmer ist derzeit an den Rollstuhl oder das Bett gebunden. seb

«Wir hatten fast keinen Platz zwischen all den Menschen, und als ich beim Tanzen rücksichtslos angerempelt wurde, haben wir uns zurückgezogen», erinnert sich Balmer. Auf dem Weg zum Nebenausgang ist es dann passiert: «Ich sah nur noch im Augenwinkel, wie ein muskulöser Mann mit weissem Shirt angebraust kam.» Yvonne Balmer flog durch die Luft und knallte hart auf den Boden. «Die Schmerzen waren gross, ich schrie und konnte nicht mehr aufstehen», so die Rentnerin aus Bremgarten. Auch Enkelin Rahel hat es erwischt, sie trug aber glücklicherweise bloss Schürfwunden davon.

Lange auf Hilfe gewartet

Yvonne Balmer lag also vor Schmerzen schreiend auf dem Boden, ihre weinende Enkeltochter neben sich. Menschen wären genug da gewesen, um ihr zu helfen, aber: «Erst nach ungefähr drei Minuten kam ein junges Paar und redete mit mir. Sie holten Hilfe, und die Frau stellte sich mit gespreizten Beinen über mir auf, damit die Leute nicht über mich hinwegtrampelten», berichtet Balmer. Dann endlich kamen aber Helfer herbei, welche die Verletzte mithilfe eines Rollstuhls aus dem Gelände hinaus brachten. Dort realisierten die Helfer rasch, dass es sich um eine gravierendere Verletzung handeln müsse, und so wurde Balmer mit Intermedic ins Spital Muri gebracht.

Die Diagnose war ernüchternd: Der Oberarmknochen war gebrochen und auch das Schambein war in Mitleidenschaft gezogen worden (Schambeinastfraktur). Der Oberarm wurde am Dienstag operiert, und Balmer kann ihren rechten Arm für sechs Wochen nicht bewegen. Bei der Schambeinastfraktur ist es gar noch komplizierter: Eine Operation würde nicht helfen, und Yvonne Balmer wird in der Reha warten müssen, bis der Schmerz nachlässt. «Wenn alles rund läuft, kann ich nächsten Mittwoch in die Reha wechseln», so Balmer.

Noch keine Anzeige erstattet

Den Täter konnte Balmer bisher noch nicht anzeigen. Die Polizei gab Auskunft, dass eine Anzeige erst nach der Entlassung aus dem Spital entgegengenommen werden könne. Balmer hat keine grosse Hoffnung, dass der Rempler erwischt wird. «Ich hege keinen Groll gegen ihn. So etwas kann passieren, wenn viele Leute auf engstem Raum feiern», weiss Balmer. Enttäuscht hat sie bloss seine Reaktion. «Ich bin der Ansicht, dass Fehler passieren und akzeptiert werden müssen. Wenn einem selbst ein Missgeschick unterläuft, muss man aber dafür geradestehen.»

Deutschland-Ferien gestrichen

Der Vorfall kam für die aktive Rentnerin zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. «Das Celtic-Woman-Konzert fällt ebenso ins Wasser wie die geplanten Ferien in Deutschland», bedauert Balmer. Sie bezweifelt aber ohnehin, dass sie sich bald wieder in eine grössere Menschenmenge wagen wird: «Früher hat mir das nichts ausgemacht, aber jetzt kann ich es mir nicht mehr vorstellen.»

Auf jeden Fall wurde mit dem Unfall eine Tradition beendet. «Ich ging jahrelang immer sehr gern an das Argovia-Fäscht, aber dieses Jahr bin ich bestimmt zum letzten Mal dort gewesen», erklärt Balmer. Auch hier hält sie sich aber mit Schuldzuweisungen zurück. Radio Argovia habe ihr sogar einen Blumenstrauss zukommen lassen, «als Anteilnahme, weil berichtet wurde, es sei am Fest zu keinerlei gravierenden Vorfällen gekommen», so die lädierte Frau.

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