Unabhängiges Denken und emotionale Intelligenz, das sind zwei Dinge, die Bundesrätin Doris Leuthard neben Allgemeinbildung aus ihrer Gymnasialzeit an der Kanti Wohlen mitnimmt, die ihr Leben prägten. Doch was die rund 200 Gäste zum Auftakt des Geburtstagsjahres der Kanti, die seit einem halben Jahrhundert besteht, noch lieber hören, sind Geschichten aus ihrer Jugend.

«Ich finde es wichtig, dass Jugendliche sich ausprobieren können. Ausprobieren und Fehler machen ist super, solange man daraus lernt. Ich habe auch viele Fehler gemacht, und ich bereue keinen davon.» Sie erinnert sich an eine wilde Zeit, an Kantifeste und daran, dass die Kanti Wohlen den Ruf hatte, dass hier häufig gehascht wurde.

«Hiess es das oder stimmte es», hakt Moderatorin Susanne Wille nach, die ebenfalls ihre Matur in der Kanti Wohlen gemacht hat, allerdings 1994, zehn Jahre nach der Bundesrätin. «Das hiess es», sagt Leuthard und schaut unschuldig ins Publikum, bevor sie lacht.

Wille hat herausgefunden, dass Leuthard, die heute eine hervorragende Rhetorikerin ist, damals öfter während des Deutschunterrichtes eingeschlafen sei. «Und zwar, weil Sie bis spät nachts Arien geschrieben haben», deckt sie ihre Recherchen aus den Maturzeitungen auf. «Ich war eben vielseitig begabt», lacht die Bundesrätin. Und tatsächlich hätte sie sich vorstellen können, nach der Matur Architektur oder Musik zu studieren, doch weil sich einem dadurch viele Möglichkeiten bieten, entschied sie sich am Ende für Jus.

Der Kanti selbst rät sie, vor allem die technischen Fächer nicht zu vernachlässigen und auch Frauen vermehrt dafür zu begeistern, damit die Schweiz im internationalen Vergleich diesbezüglich nicht hinterherhinke.

Abgesehen davon bedankte sie sich bei ihren Lehrerinnen und Lehrern für die gute Mischung aus Disziplin und Verständnis für die jungen Wilden, zu denen auch sie damals gehört habe. Und den Schülern rät sie, Fehler zu machen, begeistert und neugierig, aber auch dankbar zu sein, frei denken und wählen zu können.