Stadion Niedermatten
FC-Wohlen-Präsident zum Kunstrasen-Nein: «Hier wurden alte Rechnungen beglichen»

Nach einem emotional geführten Wahlkampf sagt die Wohler Bevölkerung Nein zu einem Kunstrasen im Stadion Niedermatten. Stattdessen soll der Naturrasen saniert werden. Nun muss eine Sanierungsvorlage ausgearbeitet werden – dies wird eine Weile dauern.

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Das Stadion Niedermatten bleibt vorläufig ein Sanierungsfall.

Das Stadion Niedermatten bleibt vorläufig ein Sanierungsfall.

Alex Spichale

Die Referendumsabstimmung über den Einbau eines Kunstrasens im Wohler Fussballstadtion Niedermatten für 1,3 Millionen Franken (Nettobelastung für die Gemeinde: 0,95 Millionen Franken) war ein emotionales Thema. Befürworter und Gegner haben im Abstimmungskampf gleichermassen versucht, die Bevölkerung zu mobilisieren. Es ist beiden nicht gelungen.

Von 8202 Stimmberechtigten haben lediglich 2949 oder magere 36 Prozent am Urnengang teilgenommen. Gewonnen haben die Gegner. Das äusserst knapp mit lediglich 123 Stimmen Differenz.

Kommentar von Toni Widmer

Sieg mit bitterem Nachgeschmack

Die magere Stimmbeteiligung und das knappe Resultat belegen es: Das Nein zum Kunstrasen ist kein sachlicher Entscheid. Es ist ein Sieg der Emotionen. Der FC Wohlen ist, bestens unterstützt aus der Chefetage im Gemeindehaus, (zu) lange auf dem hohen Ross gesessen und hat mit Tricks und Kniffs zu seinem Wohl am Rad gedreht.

Diese Zeiten sind schon länger vorbei. Umso bitterer die Tatsache, dass jetzt die heutige, weit umsichtigere und «umweltverträglichere» Führung des Vereins für die Fehler in der Vergangenheit büssen muss. Die Konsequenzen aus dem Nein werden allerdings kaum den Profifussball der Challenge League treffen. Leiden dürfte vor allem der Nachwuchs.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass wegen der prekären Situation auf der Sportanlage Niedermatten Juniorenmannschaften ihren Spielbetrieb einstellen müssen, zumindest vorderhand. Da haben die Initianten des Referendums auf den Esel gezielt, aber den Sack getroffen.

«Ein vernünftiger Entscheid»

«Wir sind sehr zufrieden mit diesem Resultat. Das Volk hat eine vernünftige Entscheidung getroffen», freute sich Marco Palmieri, der Sprecher des Referendumskomitees, das sich nicht nur, aber überwiegend aus Exponenten der SVP rekrutierte. Es sei gelungen aufzuzeigen, dass die Kapazitätsgrenze im Stadion Niedermatten auch ohne Kunstrasen nicht erreicht werde und somit eine kostengünstigere Sanierung des Naturrasens völlig ausreiche.

«Wir werden jetzt darauf achten, dass diese Sanierung mit einem vernünftigen Kostenaufwand an die Hand genommen und der Platz danach besser unterhalten wird als bisher.» Beispiele aus der Region zeigten, dass damit die Kapazität eines Naturrasens wesentlich gesteigert werden könne», sagte Palmieri.

«Das Problem ist nicht gelöst»

Für Vizeammann Paul Huwiler ist mit dem Nein kein Problem gelöst: «Ich bedauere diesen Entscheid sehr. Denn jetzt müssen wir zurück auf Feld eins und eine Sanierungsvorlage für den Naturrasen ausarbeiten. Weil ein solches Projekt dem Submissionsdekret unterliegt, wird es kaum möglich sein, den politischen Prozess noch 2017 abzuschliessen.»

Die Situation auf der Sportanlage Niedermatten bliebe prekär bleiben und darunter müsste wohl vor allem der Nachwuchs leiden, sagte er: «Schon jetzt trainieren Teams auswärts. Das wird mittelfristig so bleiben.»

«Nein wird Konsequenzen haben»

Für Lucien Tschachtli, den Präsidenten des FC Wohlen ist das knappe Abstimmungsresultat eine grosse Enttäuschung: «Nach den positiven Resultaten des Urnengangs zum Sportpark Bünzmatt hätte ich das so nie erwartet», erklärte er.

Man habe versucht, das Thema im Wahlkampf mit sachlichen Argumenten auf die rationale Ebene herunter zu bringen. Das sei offensichtlich nicht gelungen: «Gegen die Emotionen der Gegner, gegen die Allgemeinplätze und falschen Zahlen hatten wir keine Chance. Offenbar wurden da auch alte Rechnungen beglichen. Das ist schade.»

Das Nein werde Konsequenzen haben, sagte Tschachtli weiter: «Wir müssen uns überlegen, wie wir dem Kapazitätsengpass begegnen, der nun noch mindestens zwei weitere Jahre anhält. Es ist durchaus möglich, dass es da und dort Abstriche am Spielbetrieb geben wird.»