Es war eine eigenartige Stimmung gestern am späten Nachmittag nahe der Schweizer Grenze. Wegen der vom Vorstand verhängten Maulkörbe aufgrund der Berichterstattung im «Fall Wellington» dürfen auch weiterhin weder Spieler noch Trainer des FC Wohlen mit der Presse sprechen. Und natürlich werden die Angestellten des Vereins den Teufel tun, dieses Verbot nicht einzuhalten. Auch wenn dies zu speziellen Situation führt.

Wie zu jener während des Einspielens. Assistenztrainer Umberto Romano kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, verschränkt die Arme und blickt betont pflichtbewusst zu seinen Spielern auf dem Rasen. Dann raunt er dem Journalisten zu - notabene ohne den Blick vom Spielfeld zu wenden: «Wir sind ohne Probleme ins Tessin gereist. Danke der Nachfrage.» Unverkrampfter geht Boris Ivkovic mit der leidigen Situation um. Der Goalietrainer der Wohler freute sich, dass mit Flamur Tahiraj die Nummer 1 zurück im Tor ist. «Das ist gut für den Jungen.» Wir erinnern uns: Tahiraj verletzte sich nach der dritten Meisterschaftsrunde im Training am Knie und fiel seither aus. Nach zwei Einsätzen in Wohlens U23 ist der 27-Jährige wieder zurück im Fanionteam. Ivan Benito, den man nach Tahirajs Verletzung holte, ist offensichtlich kein Thema mehr und war gestern überzählig.

Zum Spiel. Wie verunsichert die Wohler aufgrund der Resultate und wohl auch der jüngsten Entwicklungen im Verein sind, zeigte sich gestern ab der ersten Minute. Die stark ersatzgeschwächte Mannschaft von Trainer David Sesa (nur 14 gesunde Akteure reisten ins Tessin) hatte Chiasso - ohne Weltmeister Zambrotta angetreten - wenig entgegenzusetzen. Hätte das Team von Trainer Ryszard Komornicki im Angriff nur einigermassen effizient gespielt, die Entscheidung wäre schon vor der 70. Minute und Magnettis herrlichem Kopfballtor zum 2:0 gefallen.

So blieben die Wohler resultatmässig einigermassen dran. Und nach Paivas Anschlusstreffer zum 1:2 (74.) lag die grosse Wende plötzlich in der Luft. Die Tessiner, die sich bereits als sicherer Sieger gesehen hatten, brachten kein Bein mehr vors andere. Die Freiämter ihrerseits machten genau das Richtige. Sie zogen gegen die geschockten Gastgeber förmlich ein Powerplay auf. Und zwangen das Glück auf ihre Seite. In der ersten von drei Nachspielminuten glich Joker Miljkovic auf Pass von Grabovica zum 2:2 aus. Und fast hätte Wohlen das Spiel noch gewonnen. Sekunden vor dem Schlusspfiff zirkelte Kakoko einen Freistoss in den Strafraum, doch Freund und Feind verpassten das Leder. Der Punktgewinn für die Freiämter ist sicher glücklich, aufgrund der Steigerung in den letzten 20 Minuten aber nicht unverdient.

Chiasso-Trainer Komornicki sass nach dem Schlusspfiff ungläubig da, murmelte etwas von «drei Minuten Nachspielzeit» und verschwand wortlos in der Kabine. Ein paar Meter entfernt feierten die Wohler ihren Punktgewinn. Nicht wortlos, aber ohne ein Statement abzugeben.

Matchtelegramm

Chiasso - Wohlen 2:2 (1:0)

Comunale. - 400 Zuschauer. - SR Huwiler. - Tore: 27. Mihajlovic 1:0. 70. Magnetti 2:0. 77. Paiva 2:1. 91. Miljkovic 2:2.