Muri

Fasten: «Ein Frühlingsputz für den Körper»

Yvonne Portmann geniesst ihr letztes Stück Kuchen vor dem Fasten.  aw

Yvonne Portmann geniesst ihr letztes Stück Kuchen vor dem Fasten. aw

Wenn die Fasnacht vorbei ist, beginnen die 44 Tage Fastenzeit. Doch Yvonne Portmann (26) fastet nicht aus religiösen Gründen. Sie macht es, weil es ihrem Körper guttut.

Auf dem reich gedeckten Tisch stehen ein grosser Schokokuchen und zuckersüsse Muffins. Wein gibt es diesmal nicht, «obwohl der eigentlich dazugehört», lacht Yvonne Portmann, die ihr Stück Kuchen sichtlich geniesst. Es ist Aschermittwoch und darum ihr Abschiedsessen. Die 26-jährige Primarlehrerin verabschiedet sich nämlich von Süssigkeiten und Alkohol. Zumindest für eine Weile – genauer gesagt bis Ostern, denn dann ist die Fastenzeit vorüber.

Keine religiöse Diät

Sechs Wochen will es die willensstarke junge Frau ohne Konfitüre zum Frühstück, ohne Schokolade zum Dessert und ohne ein gelegentliches Glas Wein zum Abendessen aushalten. «Ich finde, Fasten ist eine sehr gute Idee», erklärt sie. Sofort fügt sie an: «Mit Religiosität hat das aber nichts zu tun.» Schon ihre Eltern hätten als Kinder während der Fastenzeit auf Süsses verzichtet. «Im Luzernischen ist Schmutz die Bezeichnung für Fett.

Am Schmutzigen Donnerstag gab es immer viel fettiges Essen wie Fasnachtschüechli oder Schenkeli. Danach ist es für den Körper eine Wohltat, eine Zeit lang auf derlei Speisen zu verzichten. Das ist wie Frühlingsputz für den Körper.»

Noch immer nicht ganz zufrieden mit dieser Beschreibung, präzisiert Portmann erneut: «Es ist aber auch keine Diät. Ich will nicht abnehmen, sondern einfach bewusster Leben. Ich verzichte das ganze Jahr über auf gar nichts und esse, wonach ich Lust habe. Es tut mir gut, einmal eine Zeit zu haben, in der ich bewusst auf etwas verzichte.»

Freunde helfen gegen Rückfall

Vor zwei Jahren hat sie zum ersten Mal gefastet. «Die erste Woche war die schlimmste», erinnert sie sich. «Man denkt dann ständig an Süssigkeiten und hat immer Lust darauf.» Auch habe sie viel öfter daran gedacht, wie schön es wäre, etwas Wein zum Abendessen zu trinken, «obwohl ich sonst höchstens ein oder zwei Gläser pro Woche trinke».

Ist die erste Woche aber überstanden, werde es immer einfacher. «Man hat auf einmal gar keine Lust mehr auf Süsses», weiss Portmann. Dennoch hat sie sich gegen allfällige Rückfälle gewappnet: «Ich erzähle so vielen Leuten wie möglich davon, denn dann muss ich es auch wirklich durchziehen», lacht sie.

Auch ihr Freund Marcel hilft ihr dabei: «Ich bin viel grösser als sie, darum lege ich meine Süssigkeiten immer ganz oben in den Schrank, damit sie sie nicht sieht.» Zudem versuche er, generell in der Zeit so wenig Süssigkeiten mit nach Hause zu bringen, wie es nur gehe.

«Es ist viel zu süss»

An Ostern wird der Fastenbann dann endlich gebrochen. Dann erlaubt sich Yvonne Portmann wieder so viel Süsses, wie sie möchte. Sie freut sich sehr auf das erste Täfelchen Schokolade. «Letztes Mal war es aber viel zu süss, denn ich war solche Süsse nicht mehr gewohnt», erinnert sie sich schmunzelnd. «Ich esse dann wieder viel bewusster und anfangs auch viel weniger Süssigkeiten.» Allzu lange halte das zwar nicht an. Aber das spielt ihr keine Rolle: «Meinem Körper tut es gut und ich kann mir beweisen, dass ich auch einmal auf etwas verzichten kann.»

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