Wohlen

Fast doppelt so teuer: Schulzentrum kostet 53 Millionen – Gemeinde hat sich arg verschätzt

Das heutige Bezirksschulhaus Halde soll um eine Etage erhöht werden, zudem ist dort, wo heute die Einfachturnhalle steht, ein mehrstöckiger Anbau geplant.

Das heutige Bezirksschulhaus Halde soll um eine Etage erhöht werden, zudem ist dort, wo heute die Einfachturnhalle steht, ein mehrstöckiger Anbau geplant.

Auf dem Wohler Halde-Areal sollen die Schulhäuser saniert und mit Neubauten ergänzt werden. Die Kosten sind höher als 2018 prognostiziert.

Jahrelang hat die Gemeinde Wohlen ihre Schulraumprobleme vor sich hergeschoben, der Druck zu handeln, staute sich an. Nun sollen die Versäumnisse der Vergangenheit mit einem Fingerschnippen behoben werden. Auf dem Halde-Areal plant die Gemeinde ein Schulzentrum, ab 2026 sollen dort 18 Primarklassen, 18 Klassen der Bezirksschule sowie eine Einschulungsklasse unterrichtet werden. Wie das nun abgeschlossene Vorprojekt zeigt, sollen dazu die bereits auf dem Areal existierenden Schulhäuser (Primarschule, Wietlisbachschulhaus, Bezirksschule) saniert werden. Geplant sind zudem ein zusätzliches Primarschulhaus sowie ein Anbau an die Bezirksschule, deren Hauptgebäude zusätzlich um eine Etage erhöht werden soll. Die heutige Turnhalle auf dem Areal kommt hingegen weg.

«Damit entsteht sehr viel qualitativer Schulraum», sagt Andreas Jauch, Gesamtprojektleiter des Schulzentrums Halde, der von robusten Bauten spricht, wodurch man für die nächsten 30 bis 60 Jahre Ruhe habe. «Es handelt sich nicht um Luxusobjekte», betonte Jauch, der auf Vergleiche zu Bau- und Sanierungsprojekten in anderen Gemeinden verwies. Mit dem Preis, den Wohlen für einen Quadratmeter Schulraum zahle, würde man sich im Durchschnittsbereich bewegen.

Gemeinde hat sich bei den Kosten ziemlich verschätzt

Die Zahlenspielereien von Jauch und dessen Beteuerung, dass es sich nicht um ein Luxusprojekt handle, kommen nicht von ungefähr. Fakt ist, dass sich die Gemeinde ziemlich verschätzt hat. Der Verpflichtungskredit, den der Einwohnerrat am 24. September 2018 für Vorprojekt, Bauprojekt und Baubewilligungsverfahren bewilligt hat, ist noch von Gesamtkosten von 27,4 Millionen Franken ausgegangen. Nun werden diese, exklusive Reserven, mit 53,37 Millionen Franken angegeben. Die grosse Differenz begründet die Gemeinde mit den verschärften Normen zur Erdbebensicherheit der Gebäude und die damit verbundenen stärkeren Eingriffen, die bei der Sanierung vorgenommen werden müssen. Zudem werde etwa eine mechanische Lüftung in den Gebäuden eingebaut und die Schulhäuser erhalten eine eigene Wärmeversorgung. Ausserdem muss mehr Geld in die Aussenraumgestaltung investiert werden, als noch 2018 angenommen worden ist.

Stefan Leuenberger, Bereichsleiter Planung, Bau und Umwelt, spricht vom Fluch der ersten Zahl. Im politischen Prozess werde man schnell zu einer konkreten Zahl gedrängt. «Da macht man schnell eine optimistische Schätzung», doch dann würden sich erst im Verlauf des Vorprojekts die Komplexitäten zeigen. «Wir werden uns in Zukunft mehr zurückhalten, oder die Zahlen zumindest jeweils relativieren.» Gemeinderat Paul Huwiler seinerseits sagte in Bezug zu den Kosten: «Es gibt x Projekte, die in den letzten Jahren verschleppt wurden, darum kostet es jetzt verteufelt viel.»

Am 2. März unterbreitet der Gemeinderat dem Einwohnerrat das Vorprojekt sowie ein Zusatzkreditbegehren in der Höhe von 1,18 Millionen Franken. Damit soll die tatsächliche Projektierung in Angriff genommen werden können. Das Volk könnte voraussichtlich 2021 über das Vorhaben befinden.

Klassen müssen eventuell gestaffelt in die Pause

Die Verantwortlichen der Schule zeigten sich zufrieden mit dem derzeitigen Projekt. «Wir bekommen damit den Schulraum, den wir so dringend benötigen», sagte etwa Paul Bitschnau, der Schulleiter der Bezirksschule. Nicht optimal sei hingegen der begrenzte Platz auf dem Halde-Areal. Denn, wird das Projekt umgesetzt, handelt es sich gemäss Jauch um ein sehr dicht bebautes Schulareal. Ergibt das keinen Dichtestress für die Schüler während der Schulpausen? Die geplante Verschiebung der Fahrradständer würde die Situation ein wenig entschärfen, so Schulleiter Paul Bitschnau. Man überlege sich zudem noch weitere Massnahmen. Etwa, ob man die Schulklassen gestaffelt in die Pause schicken will. Weitere Sorgen bereitet den Schulverantwortlichen die Bauzeit von insgesamt sechs Jahren, in denen teilweise in Provisorien unterrichtet werden muss und die Schüler vom Baulärm betroffen sein werden.

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Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

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