Die Alemannen sind mit den keltischen Helvetiern und den Römern die Vorfahren der heutigen einheimischen Bevölkerung der Deutschschweiz. Sie sind dafür verantwortlich, dass zwischen Rhein und Alpen Deutsch gesprochen wird. Ausserdem sind die meisten der Freiämter Ortsnamen auf sie zurückzuführen. Die Alemannen waren ein westgermanischer Stammesverband, der vor allem ab dem 6./7. Jh. von Norden her in die heutige Schweiz einwanderte und hier siedelte. Die Endungen der meisten Ortsnamen zeigen deutliche Spuren des Althochdeutschen. Hier bereits einige Beispiele, wie man sie im Freiamt häufig findet:

-au

Die alemannischen -au-Ortsnamen gehen zurück auf den ahd. Flurnamen «ouwa», mhd. «ouwe» und bedeutet «Gelände am Wasser, Landstrich längs eines Baches oder Flusses, Insel, Halbinsel; sumpfiges, feuchtes Gelände».

-bach

Das ahd. Gattungswort «bah», mhd. «bach» ist noch heute gut verständlich und bedeutet «Bach, kleiner Wasserlauf».

-berg

Das ahd. Gattungswort «bërg», mhd. «bërc» ist noch heute gut verständlich und bedeutet «Berg». Die -berg-Namen können dem alemannischen Landesausbau zugerechnet werden.

-bur

Mit -büren gebildete Ortsnamen sind primäre Siedlungsnamen. Ausgangspunkt für die Namensform ist das Althochdeutsche «bur» für «(kleines) Haus, Gebäude, Wohnung, Vorratskammer» und «burjom», das «bei den Häusern, im Dorf» bedeutet. Es wird angenommen, dass die Büren-Ortsnamen im späten 6. und 7./8. Jh. geprägt worden sind.

-dorf

Das ahd. Gattungswort «dorf» für «Dorf» hat sich seit der Zeit der Alemannen offenbar nicht verändert.

-heim

Das ahd. Gattungswort «heim» ist noch heute gut verständlich und bedeutet «Haus, Wohnung».

-ikon-

Die Endung -(i)kofen/-(i)kon, ursprünglich «-ing-hoven» bedeutet «bei den Höfen der Leute des …», eine Erweiterung zu -ingen, und bezeichnet meist Ausbausiedlungen, die im 7./8. Jh. entstanden sind. Namen, die mit der abgeschliffenen Kurzform -(i)kon/-(i)ken gebildet sind, finden sich vor allem im Aargau, Luzern und Zürich; die ursprünglichere Langform «-(i)kofen» ist für Thurgau und die westliche Deutschschweiz (Bern, Solothurn) charakteristisch.

-ingen

Die ahd. Ortsnamenendung -ingen bezeichnet eine Zugehörigkeit zum vorhergehenden Wortteil, der in der Regel ein Personenname ist. Die Endung trägt damit die Bedeutung «Kind(er), Nachkommen, Leute, Sippe [desjenigen, dessen Name im Vorderglied genannt wird]».

Rüti

Der Name oder Namensteil Rüti entspricht dem schweizerdeutschen Gattungswort Rüti «Rodung; von Holzwuchs und Buschwerk gereinigtes, urban gemachtes Stück Land». Es handelt sich um ein Substantiv zum ahd. Verb «riuten» für «reuten, roden». Rüti findet sich urkundlich seit etwa dem Jahr 900 in der ganzen Deutschschweiz. Auch das bekannte Rütli leitet seinen Namen davon ab.

-schwand

Es ist ein Rodungsname, der sekundär zum Ortsnamen geworden ist. Schweizerdeutsch Schwand «Hau, Kahlschlag in einem Walde, Rodung», ahd. «*swanta», mhd. «swant» für «Ausreuten des Waldes, Verwüstung» bezeichnet eine Rodungstechnik; schwenden heisst, Baumstämme durch Abschälen der Rinde zum Schwinden, zum Absterben zu bringen.

-stat

Die Endung -stette(n) wie bei Rudolfstetten stammt von der ahd. Ortsnamenendung «stat» für «Ort, Stelle, Platz» ab.

-wang

Das ahd. Gattungswort «wang», mhd. «wanc», von dem beispielsweise der Ortsname Tägerig (*tëgar-wanc «grosser Abhang») herstammt, bedeutet «sanft geneigte Wiese, Aue, Halde, Feld, Ebene, Land», ursprünglich eigentlich auch «Krümmung, Bodensenke». In zahlreichen Deutschschweizer Ortsnamen wurde das ahd. Grundwort «wang» offenbar nicht mehr verstanden, die Endung wurde deshalb an andere Ortsnamenendungen angeglichen.

-wil

Das Wort «Wiler» beruht auf ahd. «wilari», mhd «wiler» für «kleines Dorf, Weiler, einzelnes Gehöft». Wiler ist ein Lehnwort aus romanisch «villare» für «Gehöft, Vorwerk»; letzteres ist ein substantiviertes Neutrum des lateinischen Adjektivs «villaris» für «zur Villa (Gutsbetrieb, Hof, Landhaus) gehörig». Das Wort wurde schon früh aus dem Romanischen ins Althochdeutsche entlehnt und diente zur Benennung neu erstellter Hofsiedlungen, Weiler.