Bremgarten
Fasnächtler schicken den Bremgarter Stadtrat für fünf Tage in die Eiswüste

Zur Fasnachtseröffnung kämpfte der Stadtammann mit dem Stubenmeister um die Vorherrschaft im Reussstädtchen. Das Publikum hat entschieden: Die Stadt ist nun in den Händen der Fasnächtler.

Patrick Züst
Merken
Drucken
Teilen
Stadtammann Raymond Tellenbach musste den Stadtschlüssel für fünf Tage abgeben.

Stadtammann Raymond Tellenbach musste den Stadtschlüssel für fünf Tage abgeben.

Patrick Züst

Obwohl die Temperaturen am Donnerstagabend schon fast angenehm waren, tummelten sich bereits eine halbe Stunde vor der Fasnachtseröffnung zahlreiche Eisbären, Pinguine und Schneeprinzessinnen vor dem Spittelturm. «Wegen den warmen Temperaturen trifft unser Fasnachtsmotto ‹E Souchälti› momentan ja leider nur bedingt zu», sagt Stubenmeister Marcel Buchmann etwas enttäuscht.

«Wir freuen uns aber natürlich trotzdem über das schöne Wetter – auch weil dadurch mehr Leute an die Veranstaltungen kommen.»

Damit die Fasnacht aber offiziell eröffnet werden kann, muss sich Buchmann zuerst noch in einem symbolischen Machtkampf gegen Stadtammann Raymond Tellenbach durchsetzen. Das Wortgefecht, bei dem die Schpitelturm-Clique dem Stadtrat vorwirft, was er im vergangenen Jahr alles falsch gemacht hat, ist in Bremgarten bereits seit Jahren Tradition.

Asylpolitik dieses Jahr kein Thema

Dass politische Korrektheit auch in der Narrenzeit nicht ganz vernachlässigt werden darf, musste Tellenbach an der letztjährigen Fasnachtseröffnung feststellen. Für einen Spruch zur Bremgarter Asylpolitik erntete er damals viel Kritik – auch von der eigenen Bevölkerung.

«Natürlich habe ich dieses Jahr etwas bewusster auf kritische Aussagen geachtet und die Texte auch gegenlesen lassen», sagt Tellenbach. Er habe aus seinem Fauxpas gelernt und dieses Jahr auf zu herbe Sprüche verzichtet. Die Bremgarter Asylpolitik wurde bei der diesjährigen Fasnachtseröffnung nur am Rande gestreift: «Nachdem wir deswegen gross in den nationalen und internationalen Medien waren, hielten wir es für besser, nicht weiter auf das Thema einzugehen.»

Aber auch sonst warf die Schpitelturm-Clique dem Stadtrat so einiges vor. Beim Bau der Isenlauf-Dreifachturnhalle habe man beispielsweise gepfuscht, die Badi falle bald zusammen und die Schulpflege respektiere die Bremgarter Traditionen nicht mehr. Tellenbach hatte jedoch auf fast alle Vorwürfe einen pragmatischen Lösungsansatz in petto. So müsse man sich beispielsweise einfach an die vielen Tauben in der Stadt gewöhnen und beim Essen im Freien halt den Regenschirm aufspannen, damit nicht plötzlich Taubendreck im Sandwich landet.

Sieg für die Schpitelturm-Clique

Nach hitzigem Schlagabtausch zwischen Stubenmeister und Stadtammann ergab die Abstimmung des Publikums aber ein klares Resultat. Tellenbach und seine Stadtratskollegen müssen den Stadtschlüssel für die nächsten fünf Tage an die Schpitelturm-Clique abgeben. Ab jetzt regiert in Bremgarten die Fasnacht!

Damit auch ganz sicher jeder weiss, wer jetzt in Bremgarten das Sagen hat, wurde beim traditionellen «Häxe-Aufzug» eine symblische Hexe aufgehängt. Sie soll darüber wachen, dass in den nächsten Tagen auch alles mit rechten Dingen zugeht. Nach dem offiziellen Teil heizte die Guggenmusik «Moräneschränzer» ihr dem Publikum so richtig ein. Und wer sich eher kulinarisch wärmen wollte, konnte sich mit Wienerli und Weiss- und Rotwein gegen die Bremgarter «Souchälti» wehren.