Muri
Fasnacht: «Die wissen, was der Werni will»

Wenn in Muri die Fasnacht hohe Wellen schlägt, ist Werner Lang, der Hauswart im Klosterbezirk, nicht mehr allgegenwärtig. Aber vorher. Heuer ist seine letzte Fasnacht als «Hausherr» des Festsaals.

Eddy Schambron
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AZ

Bevor gefestet wird im Festsaal und im Klosterhof Muri, geht nichts ohne Hauswart Werner Lang und seine Stellvertreterin Eva Küng. Auch an der Fasnacht nicht. «Die wissen, was der Werni will», sagt Lang über die Organisatoren der Murianer Fasnachtsbälle im Festsaal - der FC, die Gängeli-Guggenmusik, der Turnverein und die Stiefelryter-Guggenmusik. Sie müssen ihn nicht einmal anrufen und den Saal reservieren. «Ich habe den Fasnachtskalender bis 2055», begründet Werner Lang die Situation. Aber mitarbeiten müssen die Fasnächtler. Und der Hauswart ist voll des Lobes über ihren Einsatz. «Das klappt wunderbar.»

«Wie machen das die Leute daheim?»

Konkret geht das so, dass die Ballveranstalter die Grunddekoration aufhängen. Ebenso bauen sie im Klosterhof die Infrastruktur auf. «Die Leute chrampfen jeden Abend, der Turnverein sogar die ganze Nacht», rühmen Werner Lang und Eva Küng den Einsatz der Veranstalter. Den Boden und das Foyer haben sie, nach Anweisungen der Hauswarte, ebenfalls noch mit Linoleum abzudecken. Am Schluss der Veranstaltung geht es ans Aufräumen, an dem die Veranstalter selber auch wieder aktiv dabei sind. Nur das Putzen müssen sie den Profis überlassen. «Früher hatten wir bis 58 Stunden Putzarbeit, die gingen gehörig ans Portemonnaie der Veranstalter», erklärt Lang. «Heute sind es noch 15 Stunden, die von sechs Personen bewältigt werden.» Seit die WC-Wagen draussen stehen und das hausinterne WC geschlossen ist, sind auch kaum mehr Schäden zu verzeichnen. Nach der Fasnacht schliesslich wird der Festsaal gleich dem Frühlingsputz unterzogen. Das ist rationell.

Sorgen bereiten heute weder die Benützung des Festsaals noch des abgesperrten Teils des Klosterhofs. «Die Veranstalter haben das im Griff und sorgen mit Securitas-Leuten für Ordnung», sagt Lang. «Da geht keine Flasche raus aus dem Festgelände.» Muss sich einer erbrechen auf dem Gelände, putzen das nicht die Gemeindeangestellten weg, sondern die Veranstalter. «Sie erhalten von uns nur Sägemehl und allenfalls etwas Schmöckiwasser», macht Lang die Aufgabenteilung klar. Was aber weiter aussen abgeht, zum Beispiel in der Marktstrasse, entzieht sich der Kontrolle der Ballveranstalter. «Was da an Flaschen und Abfall nach einem Fasnachtsanlass rumliegt, regt mich auf», sagt Lang. «Einmal haben wir an einem Sonntagmorgen drei 110-Liter-Abfallsäcke mit Abfall gefüllt.» Er fragt sich an solchen Tagen, wie «die Leute das dann daheim machen».

Ein Lied für Werner Lang

Für Werner Lang ist das die letzte Fasnacht als Hauswart der Schulanlage Kloster, des Festsaals, des Singisenflügels, der Gemeindeverwaltung und des Dachtheaters. Er wird im September nach 20-jähriger Tätigkeit in Pension gehen. Eva Küng, seine Stellvertreterin, ist bereits 23 Jahre in diesem Job, wird aber nicht seine Nachfolge antreten. Zum Team gehören Lisbeth Lang, Marcel Schöpfer, Ruth Hildbrand und Marianne Köchli. «Es ist eine vielseitige und interessante Arbeit, die viel Freude macht und auf gutes Echo stösst», sagen sowohl Lang als auch Küng.

Es ist für den Hauswart die letzte Fasnacht, deren Vorbereitungen er in seiner Funktion als «Hausherr» stark prägt und mitbestimmt. Werner Lang gibt offen zu, dass ihm der Gedanke schwer fällt, ab September nicht mehr der Hauswart der Anlage zu sein. «Die gehört mir», sagt er und erklärt damit auch seine Einsatzbereitschaft praktisch zu jeder Tages- und Nachtzeit. Er hat hier viele positive Erfahrungen gemacht. «Die Dankesschreiben habe ich alle aufbewahrt.» Eine Schulklasse hat ihm sogar ein eigenes Lied gewidmet. Er denkt gerne an prominente Gäste oder wichtige Versammlungen, Dreharbeiten des Fernsehens oder an das gute Verhältnis mit Pater Bonifaz. Werner Lang pflegt aber auch, wie das ganze Team, einen freundschaftlichen Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern. Die rufen ihn «Werni» und wenn einer «Herr Lang» sagt, bietet der Hauswart von sich aus das Du an. So hält es auch Eva Küng. «Den Kindern soll es um uns herum eben wohl sein», machen sie deutlich.