Unschuldig
Familienvater wurde zu Unrecht ins Gefängnis gesteckt

Lorenz Matter, Familienvater aus Dietlikon, wird von der Polizei wegen Internet-Betrügerei verhaftet und verhört. Er wird beschuldigt, auf einer Auktionsplattform gefälschte Reisegutscheine verkauft zu haben. Doch Matter ist gar nicht der Gesuchte.

Adrian Hunziker
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Es ist das Horrorszenario eines jeden getreuen Bürgers: Nichts ahnend am Morgenfrüh von der Polizei grundlos in Handschellen gelegt zu werden. So passiert ist das Lorenz Matter, Familienvater aus Dietlikon. Wie Tele M1 berichtete, wurde Matter um 6 Uhr morgens von zwei Polizisten bei sich Zuhause verhaftet.

«Mein erster Gedanke war, dass ich im falschen Film bin. Auch als ich mich in einer Zelle wiederfand, dachte ich mir, das ist ein schlechter Krimi, in dem ich mich befinde», sagt Matter rückblickend. Er habe überhaupt nicht verstanden, um was es gehe.

Gefälschte Reisegutscheine verkauft?

Matter wird vorgeworfen, gefälschte Reisegutscheine für fast 1000 Franken auf der Auktionsplattform ricardo.ch verkauft zu haben. Matter besitzt auch tatsächlich ein Konto auf Ricardo und ersteigert von Zeit zu Zeit etwas.

Von den Vorwürfen erfährt Matter aber erst nach einer sechs Stunden dauernden Odyssee durch zwei Kantone. Er habe beim Verhör erstmals gehört, dass es um ein Ricardo-Konto ging: «Ich dachte natürlich, dass mein eigenes Konto gehackt wurde. Als ich erfuhr, dass irgendjemand ein neues Konto mit dem gleichen Namen eröffnet hatte, aber mit einer anderen Strasse in Zürich, war ich sehr überrascht.» Er wohne schliesslich in Dietlikon.

Matter wurden im Kasernengefängnis in Zürich sogar Fingerabdrücke abgenommen. Das Ganze ist für den Familienvater unverständlich: «Gerade wenn es um Ricardo geht, wo es so viele Betrügereien gibt, kann man nicht so einfahren.»

Staatsanwaltschaft entschuldigt sich

Da einer der Geschädigten der gefälschten Reisegutscheine aus der Region Bremgarten stammt und dort Anzeige einreichte, ist die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten für das Verfahren verantwortlich. Nun hat die Aargauer Staatsanwaltschaft aber zugegeben, dass während den polizeilichen Ermittlungen Fehler gemacht wurden.

Oberstaatsanwalt Daniel von Däniken nahm schriftlich Stellung: «Die Staatsanwaltschaft und die Polizei entschuldigen sich beim irrtümlich festgenommenen Herrn Matter in aller Form und werden das gegen ihn angehobene Verfahren möglichst rasch einstellen. Staatsanwaltschaft und Polizei bedauern den Vorfall ausserordentlich.»

Matter könnte Schadenersatz fordern. Doch ihm ist es wichtiger, dass er eine persönliche Entschuldigung erhält. «Morgen Abend werden sich die zuständige Staatsanwältin und der Chef der Kantonspolizei Ost, Peter Kaltenrieder, persönlich bei Herrn Matter für die begangenen Fehler entschuldigen», sagt Elisabeth Strebel, Mediensprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft, gegenüber der az.