Fischbach-Göslikon

Familie Feldmann aus Fischbach-Göslikon: In dritter Generation werden hier Weihnachtsbäume gezüchtet

«Schönheit liegt im Auge des Betrachters»: Auch wenn er nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht, darf bei ihnen jeder Baum gross werden. Für Vanessa, Eveline und Heinz Feldmann (von links) ist kein Christbaum schöner als der andere.

«Schönheit liegt im Auge des Betrachters»: Auch wenn er nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht, darf bei ihnen jeder Baum gross werden. Für Vanessa, Eveline und Heinz Feldmann (von links) ist kein Christbaum schöner als der andere.

Nachhaltig und individuell muss er sein: Familie Feldmann aus Fischbach-Göslikon züchtet in dritter Generation Weihnachtsbäume.

Es kommt einem vor wie ein verwunschenes Stückchen Erde, ein Teil vom Paradies, der Schweielhof der Familie Feldmann. Unweit des Dorfes züchten Heinz, Eveline, Vanessa und Xenia in Fischbach-Göslikon Christbäume. Bereits die Zufahrt zum Hof ist gesäumt von Abertausenden von Tannen und Tännchen. Zum Interview empfängt uns die Familie im heimischen Wohnzimmer mit Blick auf ihr Tannenmeer.

Weihnachtsbäume haben in der Familie Feldmann eine lange Tradition. 1985 pflanzte der heute 88-jährige Vater von Heinz die ersten Bäume rund um das Anwesen. Damals wurden vor allem Flächen bepflanzt, die für den Traktor schlecht zugänglich waren. Haupteinnahmequelle blieb die Schweinemast. 2003 übernahm Sohn Heinz den Betrieb und setzte voll auf die Karte Christbaum.

Die ganze Familie packt auf dem Betrieb mit an

Rund 45000 Nordmann-, Rot- und Blautannen stehen mittlerweile auf den fünf Hektaren rund um die Feldmann-Farm. Bei der Pflege der Bäume hilft die gesamte Familie mit. Tochter Vanessa, 19, machte eine Lehre im Detailhandel und arbeitet nun Vollzeit auf der Feldmann-Farm. Sie hat das Logo und die Website der Feldmann-Farm kreiert. Die jüngere Tochter Xenia, 16, macht eine Lehre zur Gärtnerin und ist am Tag des Interviews in der Berufsschule.

«Es dauerte rund zehn Jahre, bis der Betrieb anfing zu laufen», sagt Heinz Feldmann. Mittlerweile sind seine Bäume weitherum bekannt. Nicht nur in vielen Wohnzimmern stehen Christbäume der Feldmanns, sondern auch auf Kreiseln im Freiamt und im Tessin. Als eine der wenigen Christbaumkulturen bieten die Feldmanns auch Bäume in Übergrösse an. Sogar in Fernsehproduktionen haben es ihre Bäume geschafft. So wird am 22. Dezember einer ihrer Bäume in der «Bachelor» zu sehen sein. Auch in der Kirche in Fischbach-Göslikon steht alljährlich ein Feldmann-Baum.

Privatkunden kaufen mehr, Hotels weniger dieses Jahr

«Wir haben noch nie so früh so viele Bäume verkauft wie in diesem Jahr», sagt Heinz Feldmann. Die Coronamassnahmen machen sich auch beim Kauf von Weihnachtsbäumen bemerkbar. «Viele Kunden kaufen statt einem gleich mehrere Bäume für die ganze Verwandtschaft, da ja das Weihnachtsfest nicht gemeinsam an einem Ort gefeiert werden kann», sagt er. «Wahrscheinlich möchten die Menschen mehr von ihrem Baum haben, da sie mehr Zeit zu Hause verbringen.» Abgenommen habe hingegen in diesem Jahr die Nachfrage von Hotels.

35 Jahre braucht es, bis eine Tanne überhaupt geschlechtsreif wird. Erst seit letztem Jahr können die Feldmanns Samen ihrer eigenen Bäume zur Nachzucht verwenden. Über 12 Jahre dauert es dann, bis ein kleiner Sprössling zum ordentlichen Weihnachtsbaum herangewachsen ist. Grundsätzlich sei zwar jeder Baum verkäuflich, dennoch gibt es Bäume, von denen sich Heinz Feldmann nur ungern trennen würde, wie etwa die grossen Rotfichten direkt am Haus der Familie, die sein Vater noch gepflanzt hat.

Christbaumkultur bietet Lebensraum für Tiere

«Uns liegt die Natur und unsere Umwelt am Herzen», sagt Feldmann. Der Einsatz von chemischen Zusatzstoffen und Spritzmitteln, wie er in anderen Ländern üblich ist, wird deshalb auf ein Minimum beschränkt. Bereits wachsen auf einer Hektare Bio-Weihnachtsbäume heran. Nach und nach soll der ganze Betrieb auf den Bio-Standard umgestellt werden. Die vielfältige Plantage bietet Lebensraum für viele Tierarten. Singvögel nisten auf den höheren Bäumen, für Feldhasen und Igel sind Weihnachtsbäume ein willkommener Unterschlupf. Eine wichtige Aufgabe erfüllt der Weihnachtsbaum bereits, bevor er überhaupt zu solchem wird. Insgesamt binden die Bäume auf der Feldmann-Farm 725 Tonnen CO2 und produzieren dabei 525 Tonnen Sauerstoff pro Jahr.

Geöffnet hat die Christbaumkultur der Feldmanns bis und mit Weihnachten täglich. An den beiden Wochenenden vor Weihnachten bietet die Fasnachtsgruppe Fäschtbankbrächer, bei der Tochter Vanessa Mitglied ist, einen Imbissstand mit Glühwein und Bratwurst an.

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