Der Fall Wellington wird Juristenfutter. Am Freitagnachmittag mussten die Club-Verantwortlichen beim Amt für Migration und Integration antraben. Dort wurde ihnen eröffnet, dass die Angelegenheit nun ein Fall für die Staatsanwaltschaft ist.

Das Migrationsamt hat nämlich noch am Freitag Anzeige gegen die FCW-Verantwortlichen erstattet - «wegen allfälliger Täuschung der Behörden», wie die Sprecherin der Staatsanwalt auf Anfrage erklärt.

Man habe das «gebührend zur Kenntnis genommen», teilte der FC Wohlen am Freitagabend in einem dürren Communiqué mit. Zur Affäre weiter äussern will man sich vorläufig nicht mehr, da es sich um ein laufendes Verfahren handle.

Zwei Verträge, zwei Löhne

Die Behörden verdächtigen die Freiämter, mit einem fingierten Vertrag für den brasilianischen Spieler Wellington eine Arbeitserlaubnis erschlichen zu haben.

Im Klartext: Der Club soll dem Spieler zwei Verträge untergejubelt haben. Einen mit einem Lohn über 3800 Franken und einen mit einem Lohn über 3000 Franken.

Den ersten hat der Club dem Amt für Migration vorgelegt, um die Arbeits- und Aufenthaltsbewilligung für den brasilianischer Spieler zu erhalten. Das Amt verlangt dafür einen Mindestlohn von 3800 Franken.

Der zweite Vertrag regelt, wie viel der Spieler effektiv bekommt: Wellington hat der Aargauer Zeitung bereits am Donnerstag die Lohnabrechnung für September vorgelegt. Danach wurden ihm 2500 Franken überwiesen.

Dass es zwei Verträge gibt, darin bestehen inzwischen keine Zweifel mehr. Eine Zeuge, der nicht genannt werden möchte, erklärt gegenüber der Aargauer Zeitung: «Ich kann bestätigen, dass es die beiden Verträge gibt». Der Spieler selbst hat die beiden Verträge am Freitag gegenüber dem Regionalsender Tele M1 auf den Tisch gelegt.

Kein Tieflohn

Wohlen-Geschäftsführer Urs Bächer bestreitet dennoch vehement, dass Wellington ein Tieflohn ausbezahlt wurde.

«Wir haben Wellingten 9600 Real (umgerechnet sind das gut 3900 Franken, Anm. der Red.) auf ein Konto in Brasilien überwiesen. Das können wir belegen», sagt er. Der Spieler bestreitet dies und legt zum Beweis dafür Kontoauszüge für die Monate Juli bis Oktober vor. Dort ist kein Geldeingang aus Wohlen ersichtlich.

Wieso der Spieler für September einen Lohnausweis über 2500 Franken vorlegt, kann des FCW-Geschäftsführer ebenfalls nicht erklären.