Ab dem 1. März hat Wohlen offiziell keinen Gemeindeammann mehr. Der Regierungsrat hat Walter Dubler aus seinem Amt entlassen, und dieser hat die Verfügung akzeptiert, wie er den Medien vor einer Woche über seinen Anwalt kommuniziert hat. Nach dem geltenden Gesetz müssten in Wohlen jetzt umgehend die Ersatzwahlen für ein neues Mitglied im Gemeinderat sowie für einen neuen Gemeindeammann in Angriff genommen werden.

Gemäss geltendem Gesetz wären Ersatzwahlen nötig

Ob es dazu kommt, ist noch offen. Der Gemeinderat Wohlen hat den Regierungsrat bereits in einem Schreiben vom 7. November 2016 gebeten, für den Fall einer Entlassung von Walter Dubler als Gemeindeammann im Interesse der Gemeinde auf eine Ersatzwahl für den Rest der Amtsperiode zu verzichten. Er verwies auf die angestrebte Verwaltungsreform mit einem neuen Führungsmodell, welche im Februar zur Abstimmung kommt. Aus diesem Schreiben hat Landammann Susanne Hochuli zitiert, als sie am 16. Dezember die Entlassung von Walter Dubler bekannt gegeben hat. Der Regierungsrat hat den Gemeinderat an das zuständige Departement Volkswirtschaft und Inneres (DVI) verwiesen. Das entsprechende Gesuch wird laut Gemeinderat demnächst formell gestellt. 

Der Entscheid des Gemeinderates ist richtig. Ersatzwahlen machen kaum Sinn. Sie würden seine Arbeit letztlich nur erschweren statt erleichtern. 

Die Gründe: Würden die Ersatzwahlen umgehend angepackt, könnte frühestens im Mai ein erster Wahlgang stattfinden. Ein zweiter Wahlgang würde gar mit den Gesamterneuerungswahlen für die Amtsperiode 2018–2021 zusammenfallen, die auf den 24. September angesetzt sind. Verkürzen lässt sich das Prozedere nicht, weil für Wahlgänge gesetzlich definierte Fristen eingehalten werden müssen. 

Im schlechtesten Fall könnte sich folgendes Szenario ergeben: Eine Person wird im zweiten Wahlgang neu in den Gemeinderat Wohlen gewählt, eine andere am gleichen Tag zum neuen Gemeindeammann bestimmt. Und beide könnten an den gleichzeitig stattfindenden Gesamterneuerungswahlen möglicherweise schon wieder abgewählt werden, weil für die neue Amtsperiode andere Leute in den Gemeinderat geschickt werden. Das tönt zwar nach komplettem Unsinn, es könnte aber nicht nur theoretisch absolut so passieren. 

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Im besten Fall wären ein neuer Gemeinderat und ein neuer Gemeindeammann Ende Mai parat. Es bliebe der Wohler Behörde also exakt ein halbes Jahr, um sich neu zu konstituieren und in der neuen Besetzung einzuarbeiten. Und schon wäre allenfalls wieder alles anders, weil am 1. Januar 2018 die neue Amtsperiode beginnt und sich in den Erneuerungswahlen eventuell Änderungen in der Besetzung des Wohler Gemeinderates ergeben haben.

Die Zahl der Gemeinderäte soll auf fünf reduziert werden

Ein weiterer Punkt ist die neue Gemeindeordnung. Diese kommt am 12. Februar zur Abstimmung und wird hoffentlich vom Wohler Stimmvolk gutheissen. Mit der neuen Gemeindeordnung würde im Gemeindehaus ein neues Führungskonzept – das sogenannte Geschäftsleitungsmodell – eingeführt und die Anzahl der Gemeinderäte von bisher sieben auf neu fünf Mitglieder reduziert. Vorgesehen ist auch, das Pensum des vollamtlichen Gemeindeammanns von heute 100 Prozent auf künftig noch 60 bis 80 Prozent zu senken. Darüber muss allerdings der Einwohnerrat noch separat entscheiden, falls die neue Gemeindeordnung angenommen wird. 

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Würde jetzt jemand zum neuen Gemeindeammann gewählt, könnte diese Person ihr Amt maximal ein halbes Jahr im Vollamt ausüben und müsste dann – sofern sie wenige Wochen nach der ersten Wahl auch zum zweiten Mal gewählt wird – ihr Pensum um 20 bis 40 Prozent reduzieren. Und ein neu gewählter Gemeinderat oder eine Gemeinderätin würden wegen der Mitgliederreduktion um ihre Wiederwahl bangen, noch bevor sie überhaupt an einer ersten Gemeinderatssitzung teilgenommen hätten. Unter diesen Voraussetzungen Kandidatinnen und/oder Kandidaten suchen zu müssen, ist für die Parteien kaum zumutbar. 

Ein Wahlgang in Wohlen kostet zwischen 10 000 bis 12 000 Franken. Seit der Suspendierung von Walter Dubler vor 14 Monaten leistet der Gemeinderat in reduzierter Besetzung gute Arbeit. Er ist bereit, das noch ein paar Monate länger zu tun. Auf teuren bürokratischen Leerlauf kann somit ruhig verzichtet werden.