Wohlen

Fall Dubler war «langwierig und belastend» – die Hintergründe

Schweigend nahm der Einwohnerrat die Medienmitteilung des Gemeinderates zur Kenntnis. Der Bericht wird erst im nächsten Jahr traktandiert. Claudio Thoma

Schweigend nahm der Einwohnerrat die Medienmitteilung des Gemeinderates zur Kenntnis. Der Bericht wird erst im nächsten Jahr traktandiert. Claudio Thoma

Der Wohler Gemeinderat erklärt die Zahlung, die den Fall um den ehemaligen Ammann Walter Dubler endgültig abschliessen soll.

Der ehemalige Gemeindeammann Walter Dubler hat von der Gemeinde eine Rückzahlung im Umfang von 46 887.50 Franken erhalten. Das hat Gemeindeammann Arsène Perroud gegenüber der AZ bestätigt (Berichte vom 21. und 22. November) und detailliertere Informationen für den 10. Dezember in Aussicht gestellt. Diese liegen nun in Form einer ausführlichen Medienmitteilung vor. Der Gemeinderat hat gestern Montagabend auch den Einwohnerrat Wohlen an dessen ordentlicher Sitzung darüber informiert.

«Die vom Regierungsrat bei der Gemeinde Wohlen angeordnete Administrativuntersuchung führte per 1. März 2017 zur aufsichtsrechtlichen Entlassung des damaligen Gemeindeammanns Walter Dubler», hält der Gemeinderat im Einstieg zum erwähnten Schreiben fest. Die Untersuchungen hätten verschiedene Sachverhalte hervorgebracht. Der Gemeinderat sei verpflichtet worden, die Einforderung von Zahlungen zu prüfen und gegebenenfalls vorzunehmen. Unter Verrechnung gegenseitig bestehender Guthaben und Forderungen hätte nun eine aussergerichtliche Einigung mit Walter Dubler getroffen werden können.

Wohlen zahlt Walter Dubler eine Entschädigung

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Vor drei Jahren wurde er des Betruges beschuldigt. Er wurde freigesprochen, jedoch beschädigte das seinen Ruf. Nun zahlt ihm die Gemeinde Wohlen mehrere Tausend Franken Entschädigung. Das sagt der Gemeindeammann und der Staatsanwalt. (20.11.2018)

Dubler akzeptierte Entlassung

In der Folge macht der Gemeinderat eine kurze Replik auf die Entwicklung im Fall Dubler: «Die Gemeinde Wohlen, vertreten durch den Gemeinderat, ist in keinem Zeitpunkt und in keinem Rechtsverfahren als Partei gegen den damaligen Gemeindeammann aufgetreten.» Im vom Regierungsrat aufsichtsrechtlich angeordneten Administrativverfahren hätten der Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung aber mitwirken und Stellung beziehen müssen: «Aufgrund der Vorkommnisse ergaben sich Gegebenheiten, welche in der Folge eine Rückkehr des suspendierten Gemeindeammanns in sein Amt als unmöglich erscheinen liessen. Ausgehend von den Erkenntnissen aus den verschiedenen Untersuchungen äusserte sich der Gemeinderat in einer vom Regierungsrat eingeforderten Stellungnahme entsprechend», hält der Gemeinderat fest.

Der Regierungsrat habe schliesslich im Dezember 2016 entschieden, Walter Dubler per 1. März 2017 aus seinem Amt als Gemeindeammann von Wohlen zu entlassen. Was nicht in der Medienmitteilung steht: Walter Dubler hat gegen diesen Entscheid keine Rechtsmittel ergriffen, sondern die Entlassung akzeptiert.

Walter Dubler bricht sein Schweigen: «Absolut grotesk, was da passiert ist»

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Er habe Sitzungsgelder in den eigenen Sack gesteckt und sich zu hohe Pensionskassenbeiträge ausbezahlt – das wurde dem Wohler Ammann Walter Dubler vorgeworfen. Erst wurde er abgesetzt, im September dann auf ganzer Linie freigesprochen. Jetzt äussert er sich zum ersten Mal in den Medien – und spricht von einer «Überreaktion».

Unabhängige Verfahren

Im Fall Dubler hat es bekanntlich zwei Verfahren gegeben. Zum einen war das Strafverfahren, in dem er vom Bundesgericht letztlich vom Vorwurf des Betrugs und der ungetreuen Geschäftsführung freigesprochen worden ist. Unabhängig davon lief eine vom Regierungsrat anberaumte Administrativuntersuchung. Hier ging es primär darum, zu überprüfen, ob die bestehenden Reglementarien der Gemeinde Wohlen ordnungsgemäss zur Anwendung gelangt sind. Dabei standen insbesondere das Delegationsreglement des Gemeinderats sowie das Anstellungsreglement des Gemeindeammanns im Fokus.

Und hier nun habe die Aufsichtsbehörde festgestellt, dass in Einzelfällen abweichend von den geltenden Vorgaben gehandelt worden sei: «Basierend auf den Feststellungen resultierten somit gegenseitige Guthaben und Forderungen zwischen der Gemeinde und dem vormaligen Gemeindeammann», schreibt der Gemeinderat dazu.

Einerseits habe es sich dabei um verschiedene Vergütungen gehandelt, welche Dubler aus seiner Tätigkeit in Verbänden, Kommissionen und Arbeitsgruppen direkt erhalten und nicht vollumfänglich der Gemeinde abgeliefert habe. Zum anderen habe er Entschädigungen aus seiner Tätigkeit im Verwaltungsrat der BDWM Transport AG (heute Aargau Verkehr) teilweise der Gemeinde abgeliefert, obwohl er das gemäss einem Gutachten nicht hätte tun müssen. Laut einem Rechtsgutachten, das der Gemeinderat 2015 in Auftrag gegeben hatte, durfte Walter Dubler die Verwaltungsrats-Entschädigungen aus den Jahren 2010 bis 2015 vollumfänglich behalten, weil er in dieser Zeit als Privatperson im BDWM-Verwaltungsrat Einsitz hatte und nicht mehr, wie in den Jahren zwischen 2001 bis 2010, als Vertreter der Gemeinde Wohlen.

Forderungen verrechnet

Letztlich ging es um eine Forderung von 60 588 Franken, die Walter Dubler der Gemeinde Wohlen in Rechnung gestellt und sie für diesen Betrag zwischenzeitlich auch betrieben hatte. Schliesslich fanden die beiden Parteien aber selber den Rank: «Unter Verrechnung der gegenseitig bestehenden Guthaben und Forderungen konnte nun eine aussergerichtliche Einigung erzielt werden. Demnach wurde seitens der Gemeinde eine Nettozahlung von 46 887.50 Franken an Walter Dubler ausgerichtet», hält der Gemeinderat in seiner Mitteilung fest.

Mit der Zahlung, so die Wohler Behörde weiter, hätten sich Walter Dubler und die Gemeinde Wohlen per Saldo aller Ansprüche abschliessend geeinigt. Damit könne ein langwieriges und belastendes Verfahren abgeschlossen werden. Die Gemeinde habe ihre Lehren aus den Vorkommnissen gezogen. Mit dem neuen Führungsmodell, das per 1. Januar 2018 in Kraft gesetzt worden ist, seien die notwendigen Massnahmen rasch umgesetzt worden. «Dem Gemeinderat ist es deshalb ein Anliegen, dass mit der erzielten Einigung ein definitiver Schlusspunkt in dieser Angelegenheit gesetzt wird», schreibt die Wohler Behörde abschliessend.

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