Wortprotokoll, vom Schweizerdeutschen ins Schriftdeutsche übersetzt: «Also unser Gemeindeammann, wir stehen hinter ihm. Es ist einfach ein Versäumnis gewesen, das man immer wieder hinausgeschoben hat. Es ist mein Ressort. Finanzen. Und unser Finanzverwalter hat ihn auch dann und wann aufmerksam gemacht und die Sache vielleicht auch zu wenig ernst genommen.»

So äusserte sich der Wohler Finanzminister Markus Gsell in einem Interview mit dem Regionaljournal von Radio SRF. Er sagte noch mehr: «Ja, oder, wenn wir jetzt ein Jahr zurückblenden würden, dann wäre es Juni, dann wäre das ganz normal, dann würden wir es jetzt klären. Aber wie es halt so ist, man schiebt alles ein bisschen vor sich her, das ist jetzt nicht wichtig, ich zahle dann schon retour, wenn ihr gegen das entscheidet.»

Für den Finanzminister ist es eine Nebensächlichkeit

Da lässt sich also Walter Dubler, der vollamtliche Wohler Gemeindeammann, anderthalb Jahre lang höhere Pensionskassenbeiträge auszahlen, ohne den Gemeinderat darüber zu informieren.

Und der Wohler Finanzminister tut das so quasi als Nebensächlichkeit ab, die im turbulenten Alltagsgeschäft etwas untergegangen sei.

Gsell ist nicht der Einzige, der die Sache mit Dublers Selbstbedienung aus dem Steuergeldtopf offenbar nicht so eng sieht: «Für die CVP Wohlen ist relevant, welche Verfehlung infrage steht. In der ‹Causa Walter Dubler› geht es nicht um ein ‹Kapitalverbrechen›, sondern um eine allfällige unrechtmässige Zahlung in eine Pensionskasse. Die Verhältnismässigkeit ist ein hohes Rechtsgut in unserem Land», schreibt die Partei in einer Pressemitteilung.

Warum wiegelt die CVP das Geschehen derart ab? Hat sie Angst, die SVP, deren Exponent Jean-Pierre Gallati der Sache auf die Spur gekommen ist, könnte in Bezug auf Dublers Fall daraus (zu viel) politisches Kapital schlagen?

Ein weiteres Beispiel einer kaum nachvollziehbaren Reaktion (sinngemäss zitiert): «Nun ja, also so tragisch ist die Sache nun auch wieder nicht. Es geht ja bloss um 2800 Franken. Der Gallati musste halt wieder mal etwas ausgraben, damit er den Dubler anfeinden kann», sagte eine Einwohnerrätin, als sie von der az vor einer Woche auf den Fall angesprochen wurde.

Aha, der böse, böse Gallati hat im Gemeindehaus wieder einmal so lange gegraben, bis er etwas gefunden hat, das er aufbauschen und dem Gemeindeammann vorwerfen konnte.

Wie hätten wohl die CVP und die besagte Einwohnerrätin reagiert, wenn nicht Jean-Pierre Gallati die Sache mit den zu hohen Pensionskassenbeiträgen herausgefunden hätte, sondern ein gemässigt auftretender Politiker?

Die CVP schreibt weiter, für sie drängten sich keine vorzeitige Amtsniederlegung und keine vorzeitige Entbindung vom Amt auf. Das wäre zum heutigen Zeitpunkt unverhältnismässig und ohne Augenmass. Erst wenn Dubler für sein Verhalten rechtskräftig verurteilt werde, erwarte man seinen Rücktritt.

Die Argumentation der CVP mag aus juristischer Sicht – die Medienmitteilung hat Parteipräsident und Anwalt Harry Lütolf verfasst – richtig sein.

In dieser Sache gibt es aber vor allem auch eine ethische Komponente. Und da zählen Begriffe wie «Unschuldsvermutung» oder «Rechtskräftige Verurteilung» wenig.

Für den ganz gewöhnlichen Steuerzahler ohne juristische Bildung ist einzig und allein die Frage von Bedeutung: Geht man im Gemeindehaus mit meinen Steuergeldern sorgfältig um?

Zumindest bezüglich der Pensionskassenbeiträge von Walter Dubler hat man das in Wohlen nicht getan. Es mag sein, dass Dubler vorgehabt hat, den Gemeinderat «irgend einmal» über seinen Alleingang zu informieren. Es ist sogar auch durchaus möglich, dass dann der Gemeinderat dazu «irgend einmal» einen positiven Beschluss gefasst hätte.

Tatsache ist: Von der ersten Zahlungsanweisung bis zur Entdeckung sind anderthalb Jahre verstrichen und rund 4200 Franken Pensionskassenbeiträge unrechtmässig bezahlt worden.

Walter Dubler hat es somit während 18 Monaten an der nötigen Sorgfalt beim Umgang mit Steuergeldern fehlen lassen. Ob er sich damit strafbar gemacht hat, ist offen.

Affäre Dubler gibt bei Politikern in der Region viel zu reden

Moralisch steht Dubler bei den Steuerzahlern in der Schuld. Darin sind sich die Gemeindeammänner und Gemeinderäte aus der Region weitgehend einig.

Die Affäre Dubler wurde diese Woche verschiedenenorts heftig diskutiert und kaum jemand erachtete dabei sein Verhalten als Bagatelle: «Da ist das Vieraugenprinzip krass missachtet worden. «Ich an seiner Stelle würde sofort zurücktreten», sagten gleich mehrere Gemeinderäte und Ammänner unisono.