Die 9-jährige Anna (Name geändert), die nach einem Schweiz-Aufenthalt von ihrem Vater Beni Hess nicht wie vereinbart zur Mutter nach Mexiko zurückgebracht wurde, muss nach Lateinamerika zurückgeführt werden. Dies hat das Aargauer Obergericht gestern entschieden. Sprecherin Nicole Payllier sagt: «Noch bis Ende letzte Woche haben wir versucht, die Eltern mittels Mediation zu einer gemeinsamen Lösung zu bringen.»

Leider seien diese Anstrengungen gescheitert. Das Mädchen kehrt somit gemäss dem Entscheid vom 29. Juni zusammen mit seiner Mutter nach Mexiko zurück. Wie die Rückführung vollzogen wird, muss noch vom Departement für Volkswirtschaft und Inneres festgelegt werden.

Rundschau-Bericht: Grossmutter versteckt Enkelin

Der Rundschau»-Bericht, der den Fall öffentlich machte.

Am 29. Februar hatte das Obergericht das Gesuch der Mutter auf Rückführung des Mädchens zuerst abgewiesen. Das Bundesgericht hob diesen Entscheid am 30. April aber auf – und ordnete an: Das Kind muss nach Mexiko zurück.

Der Vater hatte daraufhin beantragt, die Rückführung sei wegen einer möglichen gesundheitlichen Gefährdung des Mädchens zu überprüfen. Nun hatte das Obergericht laut Sprecherin Payllier nur noch zwei Fragen prüfen. Erstens: Gibt es doch noch eine Einigung zwischen den Eltern?

Und Zweitens: Haben sich nach dem Bundesgerichtsentscheid die Umstände für Anna derart verändert, dass eine Rückführung nicht zumutbar ist? Diese wurde mit einem kinderpsychiatrischen Gutachten abgeklärt. Es lag dem Gericht am 22. Juni vor und kommt zum Schluss: Das Mädchen ist reisefähig und würde weder physisch noch psychisch beeinträchtigt, wenn es nach Mexiko zurückkehrt.

Martina Hess ist wütend auf die Behörden und reist illegal zurück in die Schweiz – ihre Argumente und was die Aargauer Staatsanwaltschaft dazu sagt. (Tele M1, 10.6.2015)

Martina Hess ist wütend auf die Behörden und reist illegal zurück in die Schweiz. (10.06.2015)

Gestützt darauf wies das Obergericht das Gesuch des Vaters gestern ab. Beni Hess ist nicht überrascht: «Nach dem Vorgehen des Gerichts der letzten Wochen war klar, dass es darauf hinauslaufen wird.» Was er damit meint: Weil das Gericht der Meinung war, die Familie des Vaters beeinflusse Anna, verbot es allen Schweizer Bezugspersonen den Kontakt zum Mädchen. Die Mutter und ein Kinderanwalt durften es als einzige weiterhin besuchen. Es ist derzeit in einem Kinderheim in Brugg untergebracht.

Hess sieht im fünfwöchigen Kontaktverbot eine Taktik der Behörden: «Es ging nie um die Abklärung der Reisefähigkeit, sondern darum, sie reisefähig zu machen.» Der Kindeswille habe nie eine Rolle gespielt. Das Mädchen will nach eigenen Aussagen nicht nach Mexiko, sondern in der Schweiz bleiben.

Nicole Payllier sagt betreffend Kindeswille: «Das Obergericht hat in seinem ersten Entscheid den Kindeswillen berücksichtigt. Das Bundesgericht kam danach aber zum Schluss, dass er nicht frei gebildet sei und man nicht auf ihn abstellen könne.» Im neuen Verfahren sei der Kindeswille mit der psychiatrischen Abklärung geprüft worden.

Noch ist der Entscheid nicht endgültig: Hess kann ihn beim Bundesgericht anfechten. Ob er dies tun wird, bespricht er mit seinem Anwalt. Schon jetzt ist klar: Eine aufschiebende Wirkung hätte ein Rekurs nicht. Hess’ letzte Hoffnung ist eine Petition an Bundesrätin Sommaruga, die er letzte Woche einreichte: Sie wurde von rund 800 Personen unterschrieben.

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