Bremgarten
Faire Mode bei Fairdinand: Hier lässt es sich mit gutem Gewissen shoppen

In der Bremgarter Altstadt hat der erste Freiämter Kleiderladen eröffnet, der ausschliesslich nachhaltige Produkte anbietet.

Dominic Kobelt
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Fairdinand Laden Bremgarten
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Bei Fairdinand wird ausschliesslich Fair Fashion verkauft.
Diese ist im Gegensatz zu Fast Fashion nachhaltig und darüber hinaus auch noch grösstenteils vegan.
Wer also Jutesäcke mit Gurt erwartet, wird eines Besseren belehrt.
Auf chemische Stoffe wie etwa Bleiche wird bei der Herstellung ganz verzichtet.
Zudem achten die Hersteller darauf, möglichst lokal und ressourcenschonend zu produzieren, die Lieferketten kurz zu halten und die Arbeiter fair zu bezahlen.
Die beiden Ladenbesitzer sind Quereinsteiger: Janine arbeitet bei der Raiffeisenbank, hat aber ihr Pensum reduziert, Christoph übt seinen Job als Lehrer noch Vollzeit aus und kümmert sich in seiner Freizeit um den Laden.
Weitere Impressionen aus dem Laden in der Bremgarten Altstadt.
Weitere Impressionen aus dem Laden in der Bremgarten Altstadt.
Weitere Impressionen aus dem Laden in der Bremgarten Altstadt.
Weitere Impressionen aus dem Laden in der Bremgarten Altstadt.

Fairdinand Laden Bremgarten

Dominic Kobelt

Der Laden an der Ecke einer Häuserzeile in der Bremgarter Altstadt, bewacht vom Spittelturm, ist auf den ersten Blick betrachtet eine Boutique, wie sie in den letzten Jahren reihenweise verschwunden sind, verdrängt von grossen Modeketten oder vom Onlinehandel. Der Raum wirkt urchig und heimelig, Plattenboden, Holzbalken, Nischen, dicke Mauern.

Kontrastiert wird er durch die Jeans, T-Shirts, Badehosen und Damenunterwäsche, die farbenfroh und modern daherkommen, in schlichten bis ausgefallenen Designs. Das, was das Geschäft von anderen Kleiderläden abhebt, ist auf den ersten Blick aber gar nicht ersichtlich: Bei Fairdinand wird ausschliesslich Fair Fashion verkauft, die im Gegensatz zu Fast Fashion nachhaltig und darüber hinaus auch noch grösstenteils vegan ist.

«Zufriedenheit ist wichtiger als der Tagesumsatz»

Wer also Jutesäcke mit Gurt erwartet, wird eines Besseren belehrt. «Mittlerweile gibt es auch fair produzierte Kleider, die der konventionellen Mode optisch in nichts nachstehen», sagt Janine Jerger, die das Geschäft zusammen mit ihrem Freund Christoph Kasics betreibt.

Dieser erklärt, welche Kriterien die Produkte erfüllen müssen: «Es fängt beim Material an. So stammt beispielsweise die Baumwolle ausschliesslich aus biologischen Betrieben. Viele Kleidungsstücke werden zudem aus Naturfasern hergestellt.» Auf chemische Stoffe wie etwa Bleiche wird ganz verzichtet. Zudem würden die Hersteller darauf achten, möglichst lokal und ressourcenschonend zu produzieren, die Lieferketten kurz zu halten und die Arbeiter fair zu bezahlen.

Um dies alles sicherzustellen, orientiere man sich an Zertifikaten. Es gehe um die gesamte Produktion, angefangen bei einer fairen Bezahlung der Bauern bis hin zum ehrlichen Verkauf an die Kunden: «Die Zufriedenheit unserer Kunden hat für uns einen höheren Stellenwert als der Tagesumsatz.»

Nach der Eröffnung kam der Lockdown

Die beiden Ladenbesitzer sind Quereinsteiger: Janine arbeitet bei der Raiffeisenbank, hat aber ihr Pensum reduziert, Christoph übt seinen Job als Lehrer noch Vollzeit aus und kümmert sich in seiner Freizeit um den Laden. Daher ist er bisher auch nur am Mittwoch- und Freitagnachmittag sowie am Samstag geöffnet. «Natürlich ist es unser Ziel, irgendwann durchgehend geöffnet zu haben», erklären die beiden.

Der Start verlief allerdings alles andere als verheissungsvoll: Nach drei Verkaufstagen kam der Lockdown. «Wir wussten ja nicht, wann wir wieder öffnen können, das machte uns schon etwas Angst», berichtet Jerger. «Zum Glück hatten wir noch den Online-Shop, aber auch der war ja noch nicht so bekannt.»

Die Zuversicht haben die beiden aber nie verloren. «Schon die ersten drei Tage waren so toll, das gab uns Mut», so Kasics, und auch Jerger schwärmt: «Wir hatten schon so viele interessante Begegnungen und Gespräche, unsere Kunden sind einfach fantastisch.»

In der Zeit des Lockdowns habe auch geholfen, dass die Produzenten auf sie zugekommen seien und beispielsweise Ratenzahlungen angeboten hätten. «Es ist ein Miteinander, sehr solidarisch, das hat uns geholfen und gefreut. Ganz im Sinne der Fair Fashion Solidarity.»

In Skandinavien sind solche Läden schon weit verbreitet

Seit der Wiedereröffnung nach der coronabedingten Schliessung läuft es aber gut für die beiden Jungunternehmer und ihren Fairdinand. Wie kamen sie überhaupt auf die Idee, sich neu zu orientieren? «Ich habe mich schon vor einigen Jahren mit dem Thema Fair Fashion beschäftigt und nach und nach begonnen, meinen eigenen Kleiderschrank umzustellen», erzählt Christoph.

Der Traum eines eigenen Ladens wuchs und wurde immer grösser. «Auf Reisen entdeckten wir, dass zum Beispiel in den skandinavischen Ländern, in Holland oder auch in Deutschland solche Läden viel verbreiteter sind als hier», sagt Jerger. In der Schweiz gebe es ähnliche Angebote vereinzelt bereits in grösseren Städten, im Freiamt sei ihnen aber keines bekannt. «Es ist immer noch ein Nischenprodukt. Vielen fehlt wohl der Mut, in den Detailhandel einzusteigen. Ich glaube aber, mit unserem Konzept haben wir in der Bremgarter Altstadt gute Chancen», ist Kasics zuversichtlich.

Damit dürfte er recht haben. Die Bremgarterinnen und Bremgarter, aber auch Kunden von weiter her besuchen den kleinen Eckladen fleissig und freuen sich, dass es wieder etwas Neues in der Altstadt gibt. Obwohl es fast scheint, als wäre Fairdinand schon immer da gewesen.

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