Das fahrende Volk beschäftigt die Bevölkerung von Merenschwand. Darum lässt sich der Gemeinderat wie folgt verlauten: «Zurzeit hält sich eine hohe Anzahl von Fahrenden in der Gemeinde auf. Es sind zahlreiche Beanstandungen aufgrund Missachtung von Vorschriften durch die Fahrenden bei der Gemeindekanzlei eingetroffen. Der Gemeinderat versucht sein Bestes, die Missstände zu beheben, jedoch muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass die entsprechenden Kompetenzen hierfür sehr gering sind. Konkret fehlt es zum Beispiel an gesetzlichen Grundlagen auf Kantonsebene. Eine grosse Kompetenz kommt jedoch den privaten Grundeigentümern zu, die ihr Land den Fahrenden zur Verfügung stellen. Sie sind in den Augen des Gemeinderats für einen geordneten Aufenthalt der Fahrenden mitverantwortlich.»

Tatsächlich ist die rechtliche Situation nicht ganz einfach. «Wir halten den Kanton und die Polizei auf Trab», meint Gemeinderat Rainer Heggli, «aber als Behörde haben wir keine Befugnis. Wenn Bürger einen Gesetzesverstoss entdecken, dann müssen sie das anzeigen, das können nicht wir tun. Wir können auch den Vermietern der Stellplätze keine Vorschriften machen, denn das ist ihr Grund und Boden, den sie zur Verfügung stellen.»

Unerwarteter Familienzuwachs

Einer dieser Vermieter ist Josef Fischer vom Weyhölzli. Er hat zwei Brüdern mit ihren Familien erlaubt, auf seinem Land zu lagern. Das war vor etwa vier Wochen. Kaum waren die Fahrenden aus Frankreich angekommen, fragten sie Fischer, ob er noch zwei weiteren Familien gestatten würde, auf seinem Land Halt zu machen. Er hatte nichts dagegen. Vergangenen Donnerstag kam dann die Anfrage, ob für ein geplantes Fest noch einmal zehn Familien dazukommen dürften. Er sagte Ja. Dann folgte die Überraschung: «Plötzlich kam hier ein Wagen nach dem anderen an. Anstatt 10 kamen 35. Die haben mich einfach überfahren. Am Samstag hatte ich die Lage nicht mehr im Griff», erzählt Fischer. «Am Schluss waren es sicher 60 bis 70 Wagen.»

Die Fahrenden kamen aber nicht nur nach Merenschwand, um zu feiern, sie boten auch ihre Dienste als Restaurateure von Fensterläden an. Ihre Arbeit auf freiem Feld stiess bei einigen Einheimischen auf Ablehnung. Besonders Fritz Beck, Präsident der SVP-Ortspartei, vermutete hinter diesen Aktivitäten Verstösse gegen das Gewerbe-, Umwelt- und Gewässerschutzgesetz: «Ich habe Fotos gemacht vom Ablaugen der Fensterläden und sie direkt an das Amt für Umweltschutz geschickt – keine Reaktion», sagt Beck, «mich stört es, dass hier ausländische Fahrende ohne Gewerbeschein arbeiten.»

Legitimes Gewerbe

Renato Orsi, Leiter Regionalpolizei Muri, kann die Vermutungen von Beck nicht bestätigen: «Bei uns sind keine Verstösse gegen das Umwelt- oder Gewerbegesetz angezeigt worden. Wir wurden wegen zwei Bagatellfällen aufgeboten, konnten vor Ort aber keine rechtliche Verfehlung feststellen. Wir patrouillieren regelmässig an beiden Standorten. Wenn wir einen Verstoss feststellen, dann schreiten wir sofort ein.» Ausländische Fahrende dürfen in der ganzen Schweiz arbeiten, wenn sie eine Reisendengewerbebewilligung vom zuständigen Kanton erhalten haben. Aber: Die Mietabsprachen mit den beiden Landwirten enden sowieso per nächsten Montag.