Wohlen

Fällt das Jubiläums-Motocross wegen dem Corona-Virus flach?

Motocross-OK-Präsident Ueli Hilfiker und seine Frau Gisela müssen derzeit alle Fans, Helfer und Fahrer vertrösten.

Motocross-OK-Präsident Ueli Hilfiker und seine Frau Gisela müssen derzeit alle Fans, Helfer und Fahrer vertrösten.

Die Vorbereitungen für das Motocross Wohlen vom 4./5. April sind momentan gestoppt. Am 21. März wird entschieden, ob es stattfindet.

Gisela und Ueli Hilfiker zucken resigniert mit den Schultern. «Wir bekommen täglich Anfragen, ob das Motocross durchgeführt wird. Aber wir wissen es einfach nicht», sagt Gisela kopfschüttelnd. Ihr Mann lacht: «Heute habe ich ein Mail erhalten, wo jemand vorschlägt, nur die Fahrer kommen zu lassen, ohne Zuschauer, und die Rennen im Livestream übers Internet zu zeigen.» Auf solche Ideen wären sie bisher nie gekommen, denn das bekannte Motocross Wohlen, das auf dem Hügel beim Schloss Hilfikon stattfindet, ist ein sozialer Event und zieht jährlich als Saisonauftakt mehrere tausend Zuschauer an. Dieses Jahr wäre es sogar ein Jubiläum gewesen: Man hätte das 65. Wohler Motocross gefeiert. «Aber wenn es nicht dieses Jahr ist, dann feiern wir eben nächstes Jahr das Jubiläum», versucht Gisela, positiv zu denken.

Entweder Einladungen oder Absagen werden verschickt

Das Boswiler Ehepaar, das das Motocross schon zum 18. Mal organisiert, ist realistisch: «Im Moment sieht es nicht gut aus. Das Schlimmste ist das Warten. Normalerweise wären wir mitten in den Vorbereitungen. Jetzt mussten wir alles stoppen», sagt Gisela. Die T-Shirts sind noch nicht bedruckt, die Jubiläumsschrift noch nicht erschienen, die Radio-Werbespots noch nicht aufgenommen und vor allem alle Einladungen, die verschickt werden sollten, noch unbenutzt im Computer gespeichert. Gisela, die für ihr fröhliches Lachen bekannt ist, lacht mit traurigem Unterton. «Die Briefe werden bald sowieso rausgehen. Entweder werden sie Freikarten, Einladungen und Helfer-Einsatzpläne enthalten oder Absagen.»

«Aber eben, wir haben noch nicht aufgegeben», sagt die Frau des OK-Präsidenten. Sie haben ausgerechnet, dass ihnen noch bis am 21. März Zeit bleibt. «Wenn es doch durchgeführt werden kann, könnten wir ab dem 21. März noch alles aufarbeiten, sodass wir bereit wären. Es wäre zwar sehr streng, aber es würde gerade noch gehen. Später wäre es nicht mehr möglich.» Der Samstag in einer Woche wird also zum Tag der Entscheidung. «Ausser, der Bundesrat beschliesst schon vorher, dass Veranstaltungen mit über 1000 Leuten bis in den April hinein abgesagt werden, dann müssten wir nicht weiter überlegen.» Bis dahin müssen die Macher das zeigen, was sie am wenigsten mögen: Geduld.

Die Heiligen Nepomuk und Apollonia sollen’s richten

In den 18 Jahren, in denen sie das Motocross Wohlen organisieren, haben sie schon alles erlebt. Ueli erinnert sich: «In manchen Jahren ging die Piste vom vielen Regen fast unter, in anderen mussten wir sie bewässern, so staubtrocken war sie.» Einen Rennsamstag mussten sie absagen, um die Piste für den Sonntag befahrbar halten zu können. «Und in einem Jahr hat es vom Montag auf den Dienstag vor dem Rennwochenende so geschneit, dass wir die Verbindung zwischen den beiden Festzelten aufmachen mussten, weil sie fast eingedrückt worden wäre. Mit Schubkarren und einem Baggerli haben wir den Schneeberg nach draussen gekarrt. Am Samstag, als alles wieder getaut war, hängten wir die Fotos vom Schneeberg im Festzelt auf. Die Leute fragten, in welchem Jahr das gewesen sei. Wir sagten: Das war letzte Woche.»

Jedes Jahr hoffen Hilfikers und Tausende Helfer, Zuschauer und natürlich Fahrer auf gutes Wetter. «Seit unser Sohn Mathias klein war, bin ich jedes Jahr mit ihm auf die Bremgarter Holzbrücke und habe beim Heiligen Nepomuk Geld ins Kässeli eingeworfen, damit er für gutes Wetter sorgt», erzählt Ueli Hilfiker. «Dieses Jahr haben wir aber auch auf der anderen Seite der Brücke Geld reingelassen. Dort steht eine Heilige mit einer Zange und einem ausgerissenen Zahn. Wir dachten uns, das könnte auch sinnbildlich fürs Corona-Virus stehen, das sie bekämpft», fügt er lachend hinzu. Die Heilige ist Apollonia, die Schutzpatronin der Zahnärzte.

Lustige Videos verkürzen die Wartezeit

Um die Wartezeit zu überbrücken, hat die Familie Hilfiker zusammen mit anderen Motocross-Begeisterten eine kleine Motocross-Family-Soap gedreht.

Folge 1 der Family Soap:

«Die wäre eigentlich als Werbung für das 65. Motocross gedacht gewesen», sagt Gisela. «Aber es bringt ja auch nichts, wenn wir die Videos bis nächstes Jahr geheim halten.» Darin wird das Leben eines Motocrösslers gezeigt – vom Baby bis zum grossen Sieger. Die Startfolge heisst «Die erste Entscheidung» und zeigt, was passiert, wenn man einem Motocross-Baby einen Teddybären und einen Spielzeugtöff zum Spielen hinhält. Wofür es sich wohl entscheidet? Das zeigt: Auch wenn die Organisatoren des Motocross Wohlen resigniert sind, ihren Humor haben sie nicht verloren.

Folge 2 der Family Soap:

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