Bremgarten
Experte: «Waffenplatz ist nicht optimal für eine Asylunterkunft»

Eine Asylunterkunft auf einem Waffenplatz - für den Bremgarter Stadtrat ist dies keine gute Lösung. Jochen Binder, Facharzt für Traumatologie, erklärt: «Bei kriegstraumatisierten Menschen kann ein Flashback auftreten, wenn sie einen Schuss hören.»

Fabian Hägler
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Asylunterkunft auf dem Waffenplatz Bremgarten: «Der Standort ist nicht ideal für kriegstraumatisierte Menschen», sagt Facharzt Jochen Binder.

Asylunterkunft auf dem Waffenplatz Bremgarten: «Der Standort ist nicht ideal für kriegstraumatisierte Menschen», sagt Facharzt Jochen Binder.

Der Bremgarter Stadtrat ärgert sich nicht nur über die fehlende Information durch das Bundesamt für Migration und das Departement Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Die Behörde ist auch der Ansicht, das Truppenlager sei als Standort für die Unterbringung von Asylsuchenden nicht ideal.

Dies hat der Stadtrat bereits Ende November in einer Medienmitteilung klar gemacht: «Die Nähe zum Waffenplatz und damit auch zu Armeeeinheiten, vor welchen Asylanten ja im Allgemeinen geflüchtet sind», erachtet die Behörde als nachteilig. Der Stadtrat ergänzt: «Mit zwei Schiessplätzen, auf denen scharf geschossen wird, wird die Situation nicht verbessert.»

Flashback kann auftreten

Jochen Binder, Oberarzt bei der Spezialstation Traumafolgestörungen am Kantonsspital Winterthur, kennt eine ähnliche Situation: «Das Asylzentrum Embrach liegt ebenfalls neben einem Schiessplatz.» Er erklärt: «Es ist möglich, dass bei kriegstraumatisierten Menschen ein Flashback auftritt, wenn sie zum Beispiel einen Schuss hören.» Dies könne eine sogenannte Trigger-Situation auslösen und dazu führen, dass die Person sich zurückgeworfen fühle und ein früheres Erlebnis erneut durchlebe.

Eine Folge davon kann laut Traumatologe Jochen Binder eine unkontrollierte Reaktion sein. «Es kann zum Beispiel vorkommen, dass jemand Panik bekommt und unvermittelt aus einem Gebäude rennt», führt er aus. «Wir haben bei uns Patienten, die wegen der Knallerei von Feuerwerk am 1. August oder an Silvester sehr ähnlich reagieren», vergleicht er. Binder betont, ein Waffenplatz sei grundsätzlich kein optimaler Standort für eine Asylunterkunft «Auch wenn nicht alle Flüchtlinge betroffen sind, wird der Anteil der kriegstraumatisierten Personen in einer Gruppe von Asylsuchenden sicher erhöht sein», gibt er zu bedenken.