Villmegen
Experimentierfreudiger Naturschützer: Die Krähe, die den Büffel malt

Nach seiner Pensionierung hat André Keusch mehr Zeit für die Kunst

Toni Widmer
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Büffel, Krähe und Igel mit dem Künstler André Keusch in dessen Atelier in Villmergen.

Büffel, Krähe und Igel mit dem Künstler André Keusch in dessen Atelier in Villmergen.

Toni Widmer

André Keusch (62), Ur-Villmerger und nach 40 Jahren im Schuldienst seit einem Jahr Rentner, lässt sich nicht in einer Schublade versorgen. Er hat so viele Facetten, dass wohl auch ein mittlerer Kasten dazu nicht ausreichen würde. Es bräuchte dazu schon mindestens eine stattliche Schrankwand.

André Keusch ist überzeugter Naturschützer und als solcher schon seit über 30 Jahren Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Villmergen. Viele Projekte, die in dieser Zeit im Dorf realisiert worden sind, gehen auf seine Initiative zurück. Vor kurzem abgeschlossen wurde das Unternehmen «Mehr Natur im Siedlungsraum», an dem Villmergen als eine der Pilotgemeinden im Aargau mitgemacht hat.

Der Naturschützer hört aber nicht nur gern Amsel, Nachtigall und andere Vögel singen, er mag auch Motorenlärm. Mit Motocross ist der «Beinah-Hilfiker» (er ist an der Grenze zum Nachbardorf aufgewachsen) gross geworden und mag es bis heute. «Vor allem Seitenwagen faszinieren mich. Ich gehe regelmässig an Rennen», sagt er.

Vielseitig auch mit dem Pinsel

Im Gepäck hat er dabei meist ein paar kunstvoll gefertigte Schlüsselbretter. Anhand von Fotos der Seitenwagenfahrer malt er Bilder auf Sperrholz und sägt sie zurecht. Die Schlüsselbretter sind begehrt: «Im Fahrerlager werde ich immer ein paar davon los und oft arbeite ich danach auch auf Bestellung», sagt er.

Ausstellung: Acrylbilder zum Motto «Tierisch gut»

Grosse Acrylbilder unter dem Motto «Tierisch gut», zeigt André Keusch vom Freitag, 1. September bis zum Jahresende im Restaurant Lohren in Fischbach-Göslikon. Die Vernissage findet am Freitag, 1. September ab 17 Uhr statt, Besucherinnen und Besucher können an einem Apéro mit dem Künstler anstossen.

Keusch hat schon verschiedene Maltechniken an Kursen – unter anderem an der Kunstakademie in Innsbruck – erlernt und später in seinem Atelier umgesetzt und verfeinert. So auch die Acryltechnik mit ihren Bildern, die dank den vielen Farben recht wild wirken und jetzt im Restaurant Lohren zu sehen sind. Nach der Vernissage gibts ab 19 Uhr das bekannte Lohren-Thai-Buffet (auf Voranmeldung), weiter ist musikalische Unterhaltung angesagt. (to)

Malen ist für Keusch Passion von Kindsbeinen an. Weit mehr als Motocross und mindestens so wichtig wie das Erleben und Geniessen der Natur. Der pensionierte Lehrer versteht es dabei hervorragend, seine Leidenschaften zu kombinieren. So hat er nicht nur Motocross-Maschinen auf Sperrholz gemalt, sondern auch Vögel und andere Tiere. Allerdings mit einer speziellen, von ihm erfundenen Technik.

Keusch malt vorerst ein ganzes Motiv, nimmt dann die Laubsäge und schneidet gewisse Elemente davon aus. Diese hebt er etwas vom ursprünglichen Bild ab und so entsteht ein verblüffender 3D-Effekt. «Ich experimentiere halt gern und versuche immer wieder Neues», sagt der Freizeit-Künstler.

Nach wie vor ein Hobby

Obwohl André Keusch heute etwas mehr Zeit für die Malerei hat, ist sie sein Hobby geblieben. «Mir wird als Rentner auch sonst nicht langweilig», lacht er, «meine Frau und ich sind viel auf Reisen oder am Wandern, meine Brüder schätzen meine gelegentliche Hilfe auf dem Bauernhof, dazwischen mache ich Stellvertretungen an der Schule, und auch im Naturschutz bin ich nach wie vor aktiv.»

Dennoch ist jetzt wieder mal eine Ausstellung fällig. 25 Bilder hat Keusch dafür gemalt. In einer speziellen Technik, die er an einem Kurs gelernt hat: «Es sind Acrylbilder, für die ich sehr viele Farben einsetze. Meist male ich zuerst einen Hintergrund und passe das Tier dann als farblichen Kontrast dazu an. Es ist eine Art Spielen mit den Farben, ein Komponieren von (Farb-)Tönen.»

Dass das Zebra dabei nicht nur in Schwarz und Weiss daherkommt, sondern auch in Pinktönen, stört den Naturschützer nicht. «Ich habe halt gerne viele und kräftige Farben», schmunzelt er und malt weiter am Büffel mit dem knallroten Barthaar. Doch auch hier gibts die andere Seite des André Keusch. In seinem Haus in Villmergen hängen viele in dezenten Farben gehaltene Aquarelle. «Sie male ich bevorzugt auf unseren Reisen, denn dort habe ich nur mein Hosensack-Atelier dabei.»

Und was ist denn jetzt mit der Krähe? Als solche ist André Keusch seit bald vier Jahrzehnten jeweils an der Fasnacht unterwegs. Nicht mit Staffelei und Farbtöpfen, sondern mit träfen Sprüchen. Mit der Sprache kann er dabei aber mindestens so fein umgehen wie mit seinem Malpinsel.