Bezirksgericht Muri

Exhibitionist muss trotz Vorstrafen nicht ins Gefängnis

In Oberrüti trieb ein Exhibitionist sein Unwesen.

In Oberrüti trieb ein Exhibitionist sein Unwesen.

Familienvater bekommt mit angeordneter Therapie eine letzte Chance und entgeht so dem Gefängnis. Nun muss er zum einen ein happiges Bussgeld bezahlen und in die Therapie.

Ein Exhibitionist versetzte im Frühling mehrere Schülerinnen beim Radweg in Oberrüti in Angst und Schrecken. Er liess fünfmal die Hosen herunter und zeigte sein Geschlechtsteil. Der verheiratete Mann und Vater von zwei schulpflichtigen Kindern stand am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Muri und bettelte: «Ich will auf keinen Fall ins Gefängnis.»

Das ersparte ihm Gerichtspräsident Michael Plattner. Aber dafür muss der wegen exhibitionistischer Handlungen bereits zweimal vorbestrafte Täter tief ins Portemonnaie langen: Plattner verurteilte ihn wegen der Vorfälle in Oberrüti zu einer Busse von 2000 Franken und einer bedingten Geldstrafe von 14 400 Franken, wofür er die Probezeit auf fünf Jahre ansetzte.

Zudem muss der Exhibitionist einem betroffenen Mädchen 600 Franken Schadenersatz leisten, die beiden zuvor bedingt ausgesprochenen Geldstrafen von total 11 200 Franken bezahlen und die Verfahrenskosten übernehmen.

Schwierigkeiten überwunden

«Sie haben kein Bagatelldelikt begangen, sondern den Schülerinnen einen schweren Schaden zugefügt. Sie haben ihnen Angst gemacht und sie womöglich in ihrer sexuellen Entwicklung behindert», erklärte Plattner dem geständigen Beschuldigten, der ohne Verteidiger zur Gerichtsverhandlung erschienen war und bei der Urteilseröffnung in Tränen ausbrach.

Seine Taten erklärte er mit Schwierigkeiten in der Ehe und am alten Arbeitsplatz. «Ich weiss auch nicht, weshalb ich alles gemacht habe. Aber immer nach einem Streit mit meiner Frau und wenn ich am Arbeitsplatz unter Druck stand, ging es los. Mir fehlten die Liebe und die Annäherung.»

Jetzt sieht der Mann sein Leben mit anderen Augen: «Es läuft alles besser: Ich streite nicht mehr mit meiner Frau und habe die Stelle gewechselt. Ich werde nun am Arbeitsplatz nicht mehr wie früher heruntergemacht, sondern gut behandelt.»

Geholfen habe ihm die psychologische Therapie, die er begonnen habe und zu der ihn auf Anraten des Psychologen auch seine Ehefrau begleite.

Therapie soll weitergehen

Nun wolle er sich auf seinen Beruf konzentrieren und seinen Kindern ein guter Vater sein, versprach der Mann. «Ich werde hundertprozentig nicht mehr rückfällig.» Das riet ihm Plattner nachdrücklich.

«Das ist Ihre letzte Chance, sich zu bessern.» In jeder Ehe gebe es Konflikte. Aber man müsse sich eben damit befassen und sie bewältigen. Die angefangene ambulante Therapie muss der Mann zwingend in einem engen Rhythmus fortsetzen.

«Wir werden kontrollieren, ob Sie unsere Weisung auch befolgen», sagte Plattner. «Sie haben psychische Probleme, und diese müssen behandelt werden.»

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