Bremgarten

Ex-Stadtammann Peter Hausherr ältester Schweizer Tennis-Meister

Linkshänder und Schweizer Meister Peter Hausherr zieht eine Vorhand an der Grundlinie durch.

Linkshänder und Schweizer Meister Peter Hausherr zieht eine Vorhand an der Grundlinie durch.

Der Bremgarter Ex-Stadtammann Peter Hausherr ist amtierender Schweizer Meister in der Kategorie 80+. Er ist damit zurzeit der älteste aktive Schweizer Meister. Sein nächstes grosses Ziel ist die Senioren-WM im Oktober.

Der Ball flitzt übers Netz und landet punktgenau auf der Grundlinie. Die Länge der Schläge sitzt einwandfrei. Das Racket hat aber nicht etwa ein Roger Federer oder Stan Wawrinka fest im Griff, sondern der Bremgarter Peter Hausherr. Ein passionierter Tennis-Spieler. Diesen Sommer wird der ehemalige Stadtammann des Reussstädtchens 82 Jahre alt. Jüngst wurde Hausherr an den Schweizer Senioren-Tennis-­Meisterschaften in Birrhard zum Champion in der Kategorie 80+ gekrönt. Er ist damit zurzeit der älteste aktive Schweizer Meister. Als Preis erhielt Hausherr, der aktuell als R7 klassiert ist, eine Medaille und eine Flasche Wein. Im Final bezwang er den deutlich stärker klassierten, ein Jahr jüngeren Hanspeter Born (R5) mit 6:3 und 7:6.

Hausherr blickt auf eine lange Tennis-Karriere zurück, gespickt mit Unterbrüchen. «Mit etwa 16 Jahren begann ich 1954 mit Wettkämpfen. Ich gewann fünfmal den Einzel-Titel als Aargauer Meister, dreimal im Doppel und zweimal im Mixed. Dazu schaffte ich es ins nationale Kader und durfte für die Schweiz an Länderwettkämpfen teilnehmen», erzählt Hausherr von seinen Anfängen mit dem Filzball.

Nach einem längeren Auslandaufenthalt in seinen 20er-Jahren kehrte er zurück und wurde wieder vom Tennis-­Virus gepackt. Hausherr engagierte sich jahrzehntelang aktiv beim TC Bremgarten, ehe er Mitte der 1980er-Jahre in die Gemeindepolitik wechselte. Tennis stand deshalb fortan bis zum Rücktritt als Ammann im Jahr 2006 hintenan.

In der Weltrangliste auf Platz 70 klassiert

Plötzlich hatte Hausherr wieder mehr Zeit, sich seinem Sport zu widmen. «Ich fing an, wieder Turniere und Wettkämpfe zu bestreiten, und merkte, dass ich immer noch dabei bin», sagt er. Wie der grosse Rafael Nadal ist auch Hausherr ein Linkshänder und spielt am liebsten auf Sand. Die schnellen Hallenbeläge sind nicht sein bevorzugtes Terrain, auch wenn diese im Vergleich zu früheren Zeiten ebenfalls eine Spur langsamer geworden sind. Mit der Titelsammlung des spanischen Superstars kann Hausherr zwar nicht mithalten, dennoch hat er im Laufe des letzten Jahrzehnts sieben Turniere in Europa für sich entschieden. Ausser der Schweizer Lizenz besitzt er auch eine ITF-Lizenz des internationalen Tennisverbands. Während in der Schweiz in der Klasse 80+ rund 500 Spieler registriert sind, beträgt die Zahl auf internationaler Stufe rund 450 Spieler. In der Weltrangliste taucht Hausherr aktuell auf Rang 70 auf.

An den Turnieren schätzt er die weltweite Kollegialität unter den Senioren. «Wenn einer altersmässig aus der Reihe der 79-Jährigen in unsere Klasse aufsteigt, scherzen wir schon mal mit Sprüchen wie ‹Schau, es kommt wieder ein Junger›.»

Mit seiner Klassierung, die zwischen R6 und R7 pendelt, ist der Bremgarter zufrieden. «In der Schweiz ist eine zu hohe Klassierung für mich ungünstig, weil es nicht viele 80+-Turniere gibt. Manchmal muss ich darum gegen bis zu 15 Jahre Jüngere antreten», sagt er. Trotz des hohen Alters und der langen Karriere spürt Hausherr noch keine Verschleisserscheinungen vom Tennis. Nur einmal hat es ihn schlimmer erwischt. «Vor zwei Jahren habe ich die Achillessehne angerissen, das war schwierig. Sonst geht es mir körperlich sehr gut», hält er fest. Nebst seinen Turniereinsätzen ist Hausherr auch Mitglied und Captain der Bremgarter NLA-Senioren-Interclub-Mannschaft.

Langweilig wird es ihm nie. Im Sommer trainiert er normalerweise zweimal wöchentlich, im Winter einmal. Jeweils zwischen zwei und drei Stunden. Die Motivation ist noch immer gross. «Die Saison ist für mich gut angelaufen. Wenn ich auf den Platz gehe, will ich gewinnen.» Sein nächstes grosses Ziel ist die Teilnahme an der Senioren-WM im Oktober auf Mallorca. Gespielt wird Freiluft auf Sand. Beste Voraussetzungen für den rüstigen Sportler.

Gegen Milliardär Lemann im Interclub gespielt

Hausherr ist etwas mehr als doppelt so alt wie unser Superstar Roger Federer (38). Vom Baselbieter ist er beeindruckt, verfolgt auch dessen Auftritte regelmässig am TV. «Federer ist ein Glücksfall. Nebst seinem Talent hat er auch ein gutes Umfeld», sagt er. Mit einem zukünftigen Nachbarn Federers in Rapperswil-Jona hat Hausherr schon das Vergnügen auf dem Platz gehabt. Der schweizerisch-brasilianische Investor Jorge Lemann (80) war zweimal sein Gegner im Interclub. «Er ist ein fairer Sportsmann», äussert sich Hausherr über ihn.

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